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Karl Dall leidet seit den Vergewaltigungsvorwürfen unter gesundheitlichen Problemen.

Karl Dall

Karl Dall beteuert seine Unschuld

Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung muss sich Entertainer Karl Dall jetzt vor Gericht verantworten. Dall wird vorgeworfen, eine Schweizer Journalistin 2013 in einer Hotelsuite zum Sex gezwungen zu haben.

Liebe, Weisheit, Treue. Diese drei Worte stehen über dem Empfang des Bezirksgerichts Zürich-Limmat. Schon seit langem, natürlich nicht eigens für den Vergewaltigungsprozess gegen Karl Dall. Aber irgendwie sind sie passend, nur nicht vollständig. Sex, Wahrheit und Lüge müsste man wohl hinzufügen. Was geschah in der Nacht zum 6. September 2013 in Dalls Suite des Hotels Renaissance Tower in Zürich? Kam es zum Geschlechtsverkehr wider Willen? Aussage steht gegen Aussage.

Niemals, sagt Karl Dall. Nicht freiwillig und schon gar nicht erzwungen. „Nichts von wahr“, sagt der Entertainer gleich mehrmals, als er beim Prozessauftakt am Dienstag zum Vorwurf Stellung nimmt, er habe eine freischaffende Journalistin aus der Schweiz mit Gewalt zum Sex gezwungen. Aber ja doch, hält die Frau dagegen. Sie bleibt bei ihrer Darstellung, Dall habe sie festgehalten und dann vergewaltigt. Anfangs sei das Treffen mit dem deutschen Entertainer am Abend des 5. September „angenehm“ verlaufen. Man habe geplaudert, auch über Familiäres, ja auch Intimes. Der Komiker habe eine Flasche Rotwein leer gemacht. „Ich habe nur so getan, als ob ich Wein trinke.“

Frau bricht in Tränen aus

Stunden später, nach einem Casino-Besuch, bei dem Dall viel Geld verloren haben soll, während sie draußen wartete, habe er sie „angefleht“, ihn in dieser Nacht nicht allein zu lassen. Nur deshalb sei sie noch einmal mit in seine Suite gekommen. Dall sagt, sie habe bei ihm schlafen wollen, weil sie morgens um drei Uhr zu müde gewesen sei, um heimzufahren.

Die Frau bricht in Tränen aus, als sie Einzelheiten eines Vergewaltigungsaktes schildert. Dall sei ihr vorgekommen „wie ein Tier, wie eine Bestie“, sagt sie schluchzend. Pause, sagt der Richter. Er ist ein rücksichtsvoller Mann. Doch all sein Feingefühl und seine höfliche Art der Vernehmung können nicht verhindern, dass die Frau und der Mann bloßgestellt werden, die im Gerichtssaal 31 des Bezirksgerichts gegeneinander um ihre Reputation kämpfen.

So bleibt die Prostata-Operation nicht ausgespart, der sich Dall vor einiger Zeit unterziehen musste. Das ist wohl unvermeidlich in einem Prozess, in dem das physische Vermögen eines Mannes in intimen Situationen eine Rolle spielt. Dall will keine Einzelheiten nennen. Doch: „Ich sehe schon, was morgen in allen Gazetten stehen wird“, sagt er. „Karl Dall impotent.“

Ein juristisches Patt

Unterschiedlich bewerten beide auch ihren E-Mail-Verkehr vor dem Treffen. Ins Schlüpfrige waren diese abgerutscht. Sie habe angefangen, sagt Dall. Nein er, sagt sie. Der Richter liest vor. Das F-Wort ist dabei. „Pfiffikram“ sei das gewesen, sagt Dall – er will die Mails gelöscht haben. Ob er sich nicht geschmeichelt gefühlt habe, fragt der Richter den 73-Jährigen. Die Frau sei immerhin 30 Jahre jünger als er. Nein, sagt Dall. Er habe sie als zudringlich empfunden. „Ich kenne das sonst gar nicht. Ich bin ja nicht George Clooney.“

Fünf Stunden lang Aussage gegen Aussage – ein juristisches Patt. Dann kommt ein Gutachten zur Sprache, wonach die Frau eine „obsessive Zwangsstörung sowie eine erotomane Wahnsymptomatik“ habe. Der Richter spricht sie darauf an, dass sie wiederholt Prominente als Stalkerin verfolgt habe. Zweimal wurde sie deswegen schuldig gesprochen.

Ihr bekanntestes Opfer soll Udo Jürgens gewesen sein. Mit ihm will sie eine Affäre gehabt haben. „Er war mein erster Freund“, sagt sie. Jürgens hat das anders in Erinnerung. Der Richter liest vor, was der mit Dall befreundete Musikstar zu Protokoll gegeben hat: Die Frau habe ihn mit Telefon-Terror verfolgt. „Ich habe viele verrückte Fans, aber das war die Hölle auf Erden.“ (dpa)

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