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„Kann man Kim Jong Un beraten?“

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Selbst in Thailand kein Unbekannter: Rick Kavanian
Selbst in Thailand kein Unbekannter: Rick Kavanian © BR/Ralf Wilschewski

Scheibenwischer“, „Satire Gipfel“ und nun „Die Klugscheisser“: Gelacht wird bei der ARD traditionell am späten Donnerstagabend. Der Komiker Rick Kavanian im Interview über seine Sendung „Die Klugscheisser“ und veralteten Humor.

Der neueste Kabarett-Zuwachs kommt vom Bayerischen Rundfunk, wo Monika Gruber, Bruno Jonas und Rick Kavanian schon seit 2011 zu sehen sind. Er freue sich sehr über den Wechsel ins ARD-Hauptprogramm, sagt Rick Kavanian beim Interview in München: „Unsere Sendung ist ja jetzt quasi der „Tatort“ in der Humorabteilung.“ Für den 42-Jährigen ist es der erste Einsatz fürs Erste – und eine gute Gelegenheit, zumindest einige seiner Talente zu präsentieren.

Herr Kavanian, laut Ihrer Homepage sind Sie „Kabarettist, Comedian, Schauspieler, Moderator, Autor und Stimmenwunder“ ...

Das steht auf meiner Homepage?

Ja.

Da hat einer maßlos übertrieben. Wenn da wirklich Moderator steht, weisen Sie mich auf etwas Wichtiges hin, das muss ich streichen. Ich bin ja weiß Gott einiges, aber kein Moderator. Steht das da wirklich? Ist falsch. Und „Stimmenwunder“? Herrje. Vielleicht sollte ich mal gelegentlich auf meine Homepage gucken und das ändern. Ich habe das aber nicht selbst geschrieben, so eitel bin ich nicht. Hoffe ich.

Mit Ihren vielen Berufen: Wie stellen Sie sich jemandem vor, der Sie nicht kennt?

Egal, wo ich hinkomme: Ich gebe nicht nur die Hand, wie viele meiner Kollegen, sondern ich sage: Hallo, ich bin Rick Kavanian. Weil ich das zu Hause so gelernt habe, das ist ein Automatismus. Man kann einfach nicht erwarten, dass jeder weiß, wer man ist. Lustig war, als ich mit meiner Frau in Thailand im Urlaub war. Da haben wir im Hotel sehr sympathische Menschen kennengelernt, aus Chicago und Indien. Ich habe mich nur mit meinem Namen vorgestellt und am nächsten Tag wussten sie trotzdem, was ich beruflich mache: Sie hatten mich gegoogelt, wie man das heute eben so macht.

Vermutlich bleiben Sie in Deutschland seltener unerkannt?

In Hotels passiert es mir regelmäßig, dass ich meinen Namen sage und kommentarlos eingecheckt werde. Und dann komme ich später wieder an der Rezeption vorbei, und die Mitarbeiter sind wie ausgewechselt, nur weil sie in der Zwischenzeit mitbekommen haben, wer man ist. Das finde ich immer sehr bedenklich.

Ihre größten Erfolge hatten Sie bisher an der Seite von Bully Herbig, mit dem Sie schon seit 1990 zusammenarbeiten. Was haben Sie von ihm gelernt?

Vor allem, was es heißt, wenn man an eine Idee glaubt. Das beste Beispiel ist der „Schuh des Manitu“. Bully hat an diesen Film geglaubt – von dem Morgen, an dem er die erste Vision hatte, bis zum Tag, als er im Kino war. Und der Weg dahin war wie 17 Mal auf den Himalaya ohne Sauerstoff, aber Bully hat das durchgestanden. Das hat mich wahnsinnig beeindruckt.

„Die Klugscheisser“ ist künftig in der ARD zu sehen. Worum geht es in der Sendung?

Wir sind eine Beratungsagentur, zu der jeder kommen kann: von Barack Obama bis Mario Götze; auch Menschen, die weniger Geld haben. Wir beraten gern. Und wir wollen unsere Heimat, wir wollen Deutschland optimieren, dass es irgendwann mal so optimal ist, dass auch das Projekt Europa friedlich und liebevoll gelingen kann. Und nicht zu vergessen die interplanetarische Staatengemeinschaft!

Im Ernst: Wie politisch ist die Sendung?

Moral ist bei uns immer ein Thema. Und die Frage, wie Menschen mit Politikern umgehen und umgekehrt. Internationale Politik wird auch eine Rolle spielen. Wie kann man so einen Typen wie Kim Jong Un beraten? Kann man den überhaupt beraten?

Kabarettsendungen haben in der ARD eine lange Tradition, aber gerade jüngere Zuschauer können damit nur noch wenig anfangen. Ist diese Form von Humor veraltet?

Ich glaube, viele Zuschauer mögen es nicht, wenn sich jemand hinstellt und so tut, als ob er es besser als ein Politiker könnte, wenn der Kabarettist mit der Moralkeule schwingt und auf diesen Gesinnungsapplaus wartet: Ist das nicht furchtbar, was Frau Merkel da macht! Höhö! Das ist ein Ansatz, der bestimmt auch sein Publikum hat, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, dass der in die Jahre gekommen ist und auch nicht besonders einfallsreich ist.

Einverstanden, dass der Humor bei den „Klugscheissern“ vor allem darauf setzt, vermeintliche Tabus zu brechen und gegen die Political Correctness zu wettern?

Grundsätzlich macht das Spaß, aber wir versuchen, es vorsichtig zu dosieren. Weil uns bewusst ist, dass es Themen gibt, bei denen Leute empfindlich reagieren. Diese Einschränkung, dieses Nicht-Zulassen von Humor bei bestimmten Themen kommt ja immer von einem übersteigerten Ego. Weil man sich mit einer Religion, mit einer Politik oder mit einem Menschen zu sehr identifiziert. Aber je weniger man sich identifiziert, umso größer wird der Wahrnehmungshorizont, desto komischer kann es im Grunde werden. Und was uns liegt, ist, so ein bisschen zu sticheln, zu sagen: Hey, so wichtig ist das alles nicht.

Das Gespräch führte Sarah Mühlberger.

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