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Am Hafen von Halifax stemmt sich dieser Mann gegen den Wind – obwohl Kanadas Behörden davor warnten, zu nah ans Wasser zu gehen.

Hurrikan

Kanadier ohne Strom

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Hurrikan „Dorian“ erreicht den Osten Kanadas. Die Zahl der Opfer auf den Bahamas steigt weiter.

Dorian ist längst weitergezogen – und doch steigt auf den Bahamas die Zahl der Todesopfer, die der Hurrikan forderte, weiter an. Nach Angaben von Sonntag kamen durch den Sturm mindestens 43 Menschen ums Leben. Die Wetterfront hat mittlerweile die kanadische Atlantikküste erreicht und dort ebenfalls schwere Schäden angerichtet. In den Küstenprovinzen waren in der Nacht zu Sonntag rund eine halbe Million Haushalte ohne Strom.

„Halifax ist eine Stadt im Dunklen“, hieß es am späten Samstagabend in Berichten aus Halifax, der rund 400 000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Am Nachmittag hatte der Sturm als Hurrikan der Kategorie 1 oder gar der Kategorie 2 mit Windgeschwindigkeiten bis zu 155 Stundenkilometern die Küste der Atlantikprovinz erreicht, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum in Dartmouth in Nova Scotia berichtete. Er schwächte sich dann zu einem tropischen Sturm ab, der aber immer noch Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern brachte.

Wie das Energieversorgungsunternehmen der Provinz am Sonntagmorgen berichtete, waren nahezu 400.000 Haushalte in der Provinz von der Stromversorgung abgeschnitten, was bedeutet, dass rund 80 Prozent der annähernd eine Million Bewohner der Provinz keine Elektrizität hatten. Denn der Sturm entwurzelte Bäume, die beim Umstürzen Elektroleitungen zerrissen, fällte Strommasten, deckte Häuser ab und ließ in Halifax einen Baukran wie ein Spielgerät umfallen.

Szene am Flughafen von Marsh Harbour auf den Bahamas.

Aus Wohngebieten kamen Bilder der Verwüstung mit umgestürzten Bäumen und schwer beschädigten Häusern und Autos. Es grenzt an ein Wunder, dass bis Sonntagmorgen keine Berichte über Tote oder Verletzte vorlagen. Ähnliches wird aus den Nachbarprovinzen Prince Edward Island und New Brunswick berichtet. Dort waren am Sonntag mehr als 120 000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.

Kräfte des kanadischen Militärs wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die Behörden warnten die Bürger, sich zu nahe an die Küste zu begeben. Der Sturm hatte am Sonntagmorgen die Anticosti-Insel im St. Lorenz-Golf erreicht und zog weiter Richtung Neufundland.

Auf den Bahamas ist unterdessen das gesamte Ausmaß der Sturmkatastrophe noch immer nicht abzuschätzen. Befürchtet wurde am Sonntagmorgen, dass die Zahl der Todesopfer, die bei 43 lag, weiter ansteigen könnte. In Berichten aus den Bahamas hieß es, immer noch würden Hunderte Menschen auf dem insgesamt etwa 400 000 Einwohner zählenden Archipel vermisst. Der Sturm hatte ganze Gemeinden dem Erdboden gleich gemacht. Am Wochenende versuchten Hilfsorganisationen und sogar Kreuzfahrtschiffe, Hilfsgüter auf die Inseln zu bringen. Die Vereinten Nationen schätzten, dass 70.000 Menschen „sofortige, lebensrettende Hilfe“ bräuchten wie Lebensmittel, Wasser und Unterkunft.

Das US-amerikanische Rote Kreuz stellte zunächst zwei Millionen US-Dollar für die Bahamas-Hilfe zur Verfügung und berichtete von Problemen bei der Zustellung der Hilfsgüter. „Unsere Hubschrauber können Menschen nicht erreichen, weil es keine Landeplätze gibt“, sagte eine Sprecherin der Roten Kreuzes. Die Versorgung wurde dadurch erschwert, dass die Flugplätze wegen Überflutung oder Zerstörung nur teilweise genutzt werden konnten. Der Korrespondent des kanadischen Rundfunks CBC berichtete von Plünderungen und verstärktem Polizeieinsatz, um dies zu verhindern. „Die Menschen versuchen zu überleben und das zu bekommen, was sie dafür brauchen“, berichtete er.

Auf seinem weiteren Weg richtete der Sturm Dorian Verwüstungen auf den North Carolina vorgelagerten Inseln an und zog dann weiter nach Norden zu den Neuengland-Staaten mit Massachusetts und den Inseln Nantucket und Martha’s Vineyard, die er mit heftigem Regen eindeckte, bevor er kanadisches Gebiet erreichte.

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