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Rassismus in Kanada

Kultureller Genozid: Zweiter Gräberfund erschüttert Kanada

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Tausende indigener Kinder wurden bis 1998 in Kanada ihren Eltern entrissen, um „umerzogen“ zu werden. Nun trifft ein grausiger Fund das Land ins Mark.

Saskatchewan – 751. So viele Gräber wurden auf dem Gelände einer ehemaligen kanadischen Internatsschule für amerikanische Ureinwohner in Marieval in der Provinz Saskatchewan gefunden. Unmarkiert und ohne Grabstein wurden die Gräber erst jetzt entdeckt - mehr als 20 Jahre nach der Schließung des Internates. Wie die BBC berichtet, brachte der Einsatz von Bodenradar den entscheidenden Durchbruch.

Hintergrund des Fundes ist wohl eines der dunkelsten Kapitel der kanadischen Geschichte: Zwischen 1863 und 1998 wurden mehr als 150.000 Kinder indigener Völker in Kanada ihren Eltern entrissen und in Internatsschulen untergebracht. Dort wurde ihnen verboten, ihre Sprache zu sprechen oder ihre Kultur auszuüben.

Bereits Anfang Juni wurden in Kanada Gräber von 215 Kindern gefunden. In Saskatchewan wurde nun ein ähnlicher Fund gemacht.

Gräber in Kanada: Kultureller Genozid an indigenen Völkern

Das Ziel der stellenweise mehr als 130 Internatsschulen war im Grunde ein kultureller Genozid an den indigenen Völkern Kanadas. „Sie machten uns glauben, dass wir keine Seelen hätten, sie erniedrigten uns, damit wir niemals lernen sollten, wer wir wirklich waren“, sagte Florence Sparvier, einer der Überlebenden auf einer Pressekonferenz.

Schätzungsweise 6000 Kinder starben aufgrund des zwangsweisen Besuches dieser Schulen. Oft wurden sie in Baracken mit überaus schlechten Gesundheitsumständen gepfercht. Die Häuser wurden kaum geheizt und Sanitäranlagen bestenfalls rudimentär vorhanden. Physische, psychische und sexuelle Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Und diese Gewalt schreckte, dies beweisen die Funde, auch nicht vor Mord zurück. Erst ein paar Wochen zuvor waren 215 Überreste von Kindern in einer ähnlichen Internatsschule in der Provinz British Columbia gefunden worden.

Umerziehung der Indigenen in Kanada: Katholische Kirche hat sich bis heute nicht entschuldigt

Erst 2008 entschuldigte sich die kanadische Regierung für das System, auch die vom Parlament eingesetzte Kommission sprach von einem kulturellen Genozid an den Ureinwohnern. Viele Kinder kamen niemals zu ihren Familien zurück, noch heute ist der Einfluss des Programmes auf die Ureinwohner Kanadas enorm. Die Indigenen Völker Kanadas haben bis heute mit Rassismus und Polizeigewalt zu kämpfen. Besonders indigene Frauen werden Ziele von Gewalt. Kanadas Premierminister Justin Trudeau sagte, der Fund sei „eine schamvolle Erinnerung an systematischen Rassismus, Diskriminierung und Ungerechtigkeit, die indigene Völker bedroht haben“.

Nicht entschuldigt hat sich bisher hingegen die katholische Kirche, die fast 70 Prozent der Internate betrieb. Häuptling Cadmus Delorme vermutet bei dem Fall in Saskatchewan, dass es möglicherweise einst Markierungen für die Gräber gegeben habe, diese allerdings später von der Kirche entfernt wurden. Nun sei er „optimistisch“, dass die Kirche bei der Aufklärung helfen würde. Denn vieles, was in den Schulen geschah, ist noch unklar. Man wisse beispielsweise nicht, so Delorme, ob alle Personen in der Schule getötet wurden, oder ob auch Leichen aus anderen Schulen dort verscharrt wurden. Möglicherweise handele es sich zumindest teilweise auch um nicht-indigene Menschen, die zur Kirche gehörten. Doch aufgrund der fehlenden Grabsteine sei eine Zuordnung nicht möglich.

Rassismus in Kanada: Indigene suchen nach weiteren Gräbern

Für die Ureinwohner, die in Kanada auch vom Coronavirus massiv bedroht werden, ist dieser Fund nur ein weiterer Schritt in Richtung Aufklärung des systematischen Rassismus, den sie über lange Zeit in Kanada erfuhren. Der Cowessess-Stamm und viele andere Indigene Völker wollen nun weitere Gräber auf den Grundstücken der ehemaligen Internate ausfindig machen. Bobby Cameron von der Föderation souveräner indigener Nationen (FSIN) forderte laut tagesschau.de die Kirche und die kanadische Regierung zur Kooperation auf. „Wir werden mehr Leichen finden und wir werden nicht aufhören, bis wir alle Kinder gefunden haben.“ (als)

Rubriklistenbild: © Cole Burston/afp

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