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Begehrtes Gewächs: Was das Nashorn auf seiner Schnauze trägt, befeuert dieDebatten.

Artenschutz

Kampf der Ideologien

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Experten diskutieren über den Verkauf von Horn und Elfenbein.

Ein Ritual, das sich alle drei Jahre in einer Konferenzstadt dieser Welt abspielt. Hunderte Experten aus 183 Staaten kommen zusammen, um über den Handel von wilden Tieren und Pflanzen zu bestimmen – ein Markt, dessen Wert nach Angaben der Organisation „Traffic“ weltweit jährlich 300 Milliarden US-Dollar übersteigt – und dabei handelt es sich nur um den offiziellen Handel.

Mindestens zehn Tage lang pflegen die Experten von Regierungen und NGOs zu debattieren, welche Kreaturen im Rahmen der „Konvention über den Handel bedrohter wilder Tier- und Pflanzenarten“ (Cites) vollkommen oder nur teilweise vom Handel ausgenommen werden sollen – was leidenschaftliche Redeschlachten und kaltblütige Verhandlungen mit sich bringt. Derzeit sitzen sich die Heere der Tierhändler und -schützer in Genf gegenüber.

Dass der Streit während der 18. Cites-Konferenz sehr viel grundsätzlicher als sonst geführt werden wird, dafür haben die Delegierten aus dem Südlichen Afrika gesorgt. Sie bereiteten eine gemeinsame Eingabe vor, die sich schon im Ton von allen bisherigen Anträgen unterscheidet: Darin wird den Cites-Repräsentanten vorgeworfen, „definitiv nicht auf der Seite der Armen dieser Welt zu stehen“, sie müssten vielmehr als „neo-imperialistisch“ oder „neokolonialistisch“ betrachtet werden.

Schließlich verwehrten sie der Bevölkerung vieler ländlicher Regionen in Entwicklungsländern, „den vollen ökonomischen Nutzen aus ihren natürlichen Ressourcen“ zu ziehen: Diese würden zu „Kollateralschäden“ ihrer europäischen Öko-Ideologie gemacht. Der Zorn der südlichen Afrikaner hatte sich seit Jahrzehnten aufgestaut.

Streit und Sentimentalitäten

In diesem Teil der Erde gibt es so viele wilde Tiere wie nirgendwo anders mehr: Zwischen Südafrika, Namibia, Simbabwe, Sambia und Botswana stromert ein Großteil der noch verbliebenen Elefanten, Nashörner und Giraffen herum. In einer Cites-Konferenz nach der anderen suchten die Regierungsvertreter dieser Staaten vergeblich, die Handelsbeschränkungen für Elfenbein oder Nashorn zumindest aufzulockern, um ihnen einen kontrollierten Verkauf zu ermöglichen.

Nur so könnten sie die steigenden Ausgaben für den Naturschutz aufbringen, heißt es. Ihr Ansinnen wurde vor allem von Tierschutzorganisationen blockiert, die aus den Industrienationen finanziert und ideologisch munitioniert werden. In ihrer sentimentalen Dickhäuterliebe sei ihnen ein lebendiger Elefant wichtiger als hundert hungernde Afrikaner, schimpfen die Befürworter des Handels.

Ihr Schwarzweiß-Bild ist allerdings unscharf: Ihnen stehen auch Regierungsvertreter aus dem restlichen Afrika entgegen. Dort sind die Wildtierbestände bereits dermaßen zusammen geschmolzen, dass an einen Handel mit ihren Körperteilen längst nicht mehr zu denken ist. In Westafrika gibt es kaum noch größere wilde Säugetiere, in Ostafrika wurden sie vor allem durch die Wilderei um weit mehr als die Hälfte reduziert.

Vor der Ankunft der Europäer vor gut 150 Jahren gab es in Afrika mehr als 20 Millionen Elefanten, heute sind es weniger als 500 000. Will das südafrikanische Lager die Schlacht in Genf gewinnen, muss es erst einmal alle Vertreter des eigenen Kontinents auf seine Seite bringen. Die Chancen für Elefant und Nashorn stehen gut, dass ihnen das nicht gelingen wird.

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