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Kammerspiel-Chefin Barbara Mundel

Münchner Kammerspiel

„Krise kann kein Dauerzustand sein“

Die neue Chefin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, wirft der Politik nach der erneuten Schließung von Theatern „komplette Willkür“ vor.

In einer Demokratie müssten die Regeln für den Umgang mit der Corona-Seuche verhandelt werden. „Lernen und verhandeln kann man aber nicht, wenn mit Verboten und Willkür durchregiert wird“, sagte Mundel der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). „Das höhlt auf Dauer Demokratie und die offene Gesellschaft aus, die wir doch sein wollen. Krise kann als Gefühl kein Dauerzustand sein.“ Sie fügte hinzu: „Ich will nicht vor den Infektionszahlen sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange.“

Die Schließung bedeute für ihr Haus, dass Mitarbeiter voraussichtlich in Kurzarbeit geschickt werden müssten. „Das ist die praktische Seite“, sagte Mundel der Zeitung. „Die emotionale Seite, puh, da ist eine tiefe Traurigkeit.“ Warum es die Theater treffe, verstehe sie nicht: „Wenn man Kitas und Schulen offen halten will, warum dann nicht auch die Theater? Ich bin der Überzeugung, dass gerade jetzt diese Räume wichtig sind, um etwas anderes zu erfahren als soziale Distanz und Angst. Ich finde die Aussicht furchtbar, sich wieder in Wohnungen verkrümeln und in den digitalen Raum ausweichen zu müssen.“

Kulturschaffende hätten es ihrer Ansicht nach versäumt, sich früh zu einer Lobby zusammenzuschließen. „Ich finde durchaus, dass wir zu spät reagiert haben“, sagte sie. Dass es dennoch gelungen sei, mehrere bayerische Intendanten für einen offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu gewinnen, sei aber ein Erfolg. Sie sprach von einem „historischen Zusammenschluss“. Einen möglichen Ausweg skizzierte sie allerdings auch: „Wir könnten in Bayern mit der Kunst in die Kirchen ziehen und einfach sagen, Theater ist Gottesdienst.“ Denn im Gegensatz zu Theateraufführungen sind Gottesdienste auch im November-Lockdown erlaubt. (dpa)

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