Urteil

Kambodscha entlässt elf Leihmütter aus Haft 

Die Frauen waren im November wegen Menschenhandels angeklagt worden, nachdem sie bei einer Razzia in der Hauptstadt Phnom Penh aufgeflogen waren.

Elf mutmaßliche Leihmütter sind in Kambodscha unter der Bedingung aus der Haft entlassen worden, dass sie die Kinder selbst behalten. Die Frauen seien auf Kaution freigekommen, erklärte Chou Bung Eng, Vize-Präsidentin des Nationalen Komitees gegen Menschenhandel am Mittwoch. Die Vorwürfe gegen die Frauen blieben allerdings bestehen und sie würden strafrechtlich verfolgt, falls „sie die Babys verkaufen“, sagte Eng. Die Frauen waren im November wegen Menschenhandels angeklagt worden, nachdem sie bei einer Razzia in der Hauptstadt Phnom Penh aufgeflogen waren.

Das arme südostasiatische Land bemüht sich seit Jahren um eine Regulierung des Handels mit Leihmutterschaften. Im Jahr 2016 wurde die kommerzielle Leihmutterschaft in Kambodscha verboten. Ein Jahr zuvor hatte das Nachbarland Thailand dem lukrativen Geschäft ein Ende bereitet, mit dessen Hilfe sich vor allem Paare aus Australien und den USA ihren Kinderwunsch zu erfüllen hofften.

In Kambodscha sind es einer Agentur zufolge vor allem chinesische Paare, die bis zu 100.000 Dollar (umgerechnet 89.000 Euro) für eine kambodschanische Frau zahlen, die ihr Kind austrägt. Die meist armen Leihmütter bekommen normalerweise zwischen 10.000 und 15.000 Dollar für ihre Dienste.

Die elf im November festgenommenen Frauen weigerten sich laut Eng den Behörden zu verraten, für wen sie die Kinder austrugen. Die Leihmütter waren seit ihrer Festnahme in Haft, einige brachten ihre Kinder hinter Gittern zur Welt.

Menschenrechtsorganisationen haben die kambodschanischen Behörden für ihr Vorgehen kritisiert, den Frauen Kinder anzuvertrauen, zu denen sie keine biologische Verbindung haben, um Gefängnisstrafen zu vermeiden. Sam Everingham von der australischen Organisation Familien durch Leihmutterschaft nannte den Fall der elf Frauen „tragisch“. Die Neugeborenen seien „Kollateralschäden“. „Die echten Verbrecher hier sind die Leihmutter-Agenten und -Agenturen, die naive Leihmütter und Wunscheltern überzeugt haben“, sagte Everingham. (afp)

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