Kriminalität

Kaffeelöffel und Flamingos: Zoos und Freizeitparks beklagen Diebstähle

Immer wieder greifen Langfinger auch in Zoos und Freizeitparks zu - und klauen Besteck., Klobrillen oder lebendige Tiere.

Besteck, Klobrillen und immer wieder Vögel: Diebe machen auch in Zoos und Freizeitparks Beute. „Scheinbar sinkt die Hemmschwelle der Besucher von Jahr zu Jahr“, sagt Matthias Mölter, Inhaber des Freizeit-Lands Geiselwind in Bayern. Fünf ausgewachsene Flamingos sind ihm jüngst abhanden gekommen, die Polizei ermittelt wegen Diebstahls. Allein steht der Park mit solchen Geschichten lange nicht.

Allein Mölters Liste der geklauten Gegenstände ist lang: fast 400 Kaffeelöffel, 200 Kaffeetassen, 200 Bier-Tonkrüge pro Jahr sowie Tischdeko. „Im Horror-Lazarett werden regelmäßig Köpfe und Hände der dort montierten Puppen entwendet“, berichtet der Parkchef. Der finanzielle Schaden gehe in die Tausende. Und die Flamingos sind nicht die einzige gefiederte Beute: „In den vergangenen Jahren wurden aus unserer Schaubrüterei Baby-Wachteln entwendet.“ Die steigende Zahl der Besucher wirke sich entsprechend auf die der Diebstähle aus.

Ende Juli wurden auch im Vogelpark Niendorf in der Gemeinde Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein vier ausgewachsene Papageien, ein Jungtier sowie ein Vogelei gestohlen. Animalische Beute machten vor kurzem Täter auch im nordrhein-westfälischen Recklinghausen: Sie ließen zwei Meerschweinchen aus dem Tierpark mitgehen. Tage später plagte die Gauner aber wohl das schlechte Gewissen: Sie brachten die Nager zurück. Zudem erreichte den Tierpark ein Entschuldigungsschreiben - inklusive 50 Euro, um Einbruchsschäden zu begleichen.

Doch es gibt auch Beute anderer Art: Der Hamburger Tierpark Hagenbeck meldete im Herbst seine traditionelle Feierabendglocke als gestohlen. Mit der etwa 20 Zentimeter hohen Schiffsglocke läuteten die Tierpfleger seit der Eröffnung des Zoos 1907 den Feierabend ein.

Manchmal kommt was hinzu

In der Wilhelma in Stuttgart kommt am häufigsten Sanitärausstattung abhanden, wie eine Sprecherin sagt: Klopapierrollen, Klobrillen und Seifenspender. Nicht einmal Kleiderhaken an den Toilettentüren blieben verschont. Noch beliebter seien LED-Lichter, die Halloween Kürbisse schmücken: „Sie sind scheinbar so begehrt, dass am Abend, wenn es dunkel wird, kaum noch welche übrig sind.“

Im Münchner Tierpark Hellabrunn machen Gäste auch vor Spendenaktionen nicht Halt: So werde schon mal ein Handy aus einer Sammelbox im Urwaldhaus entwendet, wie eine Sprecherin mitteilt. „Das ist insofern bedauerlich, als dass dieses Gerät dann nicht den Artenschutzprojekten zugute kommt, für die es ursprünglich gespendet wurde.“ Wohlgemerkt: Dort werden defekte Handys eingeworfen.

Auch Besucher werden häufiger Opfer von Dieben: „In den Sommermonaten wird zudem durchaus in unseren Service-Centern gemeldet, dass Geldbeutel oder andere Wertsachen geklaut wurden – wie häufig üblich bei großen Menschenansammlungen“, so die Hellabrunn-Sprecherin.Maßnahmen gegen die Diebe sind nach Einschätzung vieler Parks oft nur begrenzt möglich.

Im Freizeit-Land Geiselwind wurden beispielsweise Plastikdublonen eines Goldschatzes diebstahlsicher befestigt und in der Gastronomie echte Blumen durch Kunstblumen ersetzt. Im Nürnberger Tiergarten führe ein Pfandsystem dazu, dass etwa Besteck in der Regel abgegeben werde, sagte ein Sprecher. Im Tiergarten Straubing in Bayern wurde vergangenes Jahr eingebrochen. „Die Konsequenz unsererseits: Einbau von Alarmanlagen mit unmittelbarer Meldungsweiterleitung an die Polizei“, so Direktor Wolfgang Peter.

Auch wenn das nach viel Kriminalität klingt: Hin und wieder kommt sogar etwas hinzu, wie Simone Hagenmeyer vom Zoo in Hannover berichtet. So seien dort mal Meerschweinchen ausgesetzt worden. Und es geht noch kurioser: „Wir haben mal eine Schreibmaschine im Gebüsch gefunden“, sagt Hagenmeyer. Auch einen zurückgelassenen Rollator haben Zoo-Mitarbeiter demnach schon entdeckt – und ein verlorenes Gebiss. (Marco Krefting, dpa)

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