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Margot Käßmann.

Tanzverbot

Käßmann verteidigt Karfreitagsruhe

Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kritisieren die Debatte um die Karfreitagsruhe.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dem Radiosender SWR 2 am Donnerstag, er habe kein Verständnis dafür, die Karfreitagsruhe infrage zu stellen. Auch die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zeigte sich irritiert über die Diskussion.

Bedford-Strohm sagte, er könne nicht nachvollziehen, dass manche Menschen es als Zumutung empfänden, an einem der 365 Tage des Jahres "an die Leidenden der Welt zu denken". Der Karfreitag habe eine Bedeutung über die christliche Religion hinaus und sollte als stiller Tag gesetzlich geschützt bleiben.

Käßmann sagte der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" (Donnerstagsausgabe), in den anderen Wochen des Jahres würde auch nicht "jeder jeden Tag tanzen gehen". Am Karfreitag gehe es darum, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Die Reformationsbotschafterin der EKD bezeichnete die stillen Tage als "heilsame Unterbrechungen".

Proteste geplant

In mehreren Städten sind für Karfreitag Proteste gegen das sogenannte Tanzverbot geplant. Mitglieder der Piratenpartei kündigten an, als Ausdruck eines stillen Protestes auf dem Stuttgarter Schlossplatz zu Musik aus ihren Kopfhörern zu tanzen. Da Deutschland aus einer pluralistische Gesellschaft bestehe, in der 40 Prozent der Bürger keiner christliche Kirche angehörten, sei eine "unnötige Einschränkung der Freiheit" nicht hinzunehmen.

Bei weiteren Protesten in Bochum, Köln, Frankfurt am Main, Mainz und Augsburg sind Christentums-Satire und Osterspaziergängen geplant.

An den sogenannten stillen Tagen wie dem Karfreitag, dem Totensonntag und dem Volkstrauertag besteht in weiten Teilen Deutschlands ein Verbot öffentlicher Tanz- und Sportveranstaltungen. Die stärksten Einschränkungen gelten in Hessen und Baden-Württemberg: Zwischen Gründonnerstag und Ostermontag gilt dort das Tanzverbot nahezu durchgängig. Einige Bundesländer haben die Tanzverbote in der jüngsten Zeit gelockert.

Nach Überzeugung von Kardinal Reinhard Marx ist der Sonntagsschutz fester Bestandteil der christlichen Kultur. "Wo der Sonntag gefährdet wird und nicht mehr unterschieden wird vom Werktag, da verschwindet auch sehr schnell die christliche Prägung eines Landes", sagte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der katholischen Deutsche Bischofskonferenz am Gründonnerstag in München. (epd)

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