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Ein längerer Aufenthalt in den Straßen Manhattans ist derzeit kein Vergnügen.

Kältewelle in den USA

„Erderwärmung, komm schnell zurück“

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Die US-Kältewelle hat mehrere Todesopfer gefordert. Passend zu den Temperaturen erreicht auch das Niveau von Trumps Tweets einen Tiefpunkt.

Der Fake-News-Präsident hat wieder zugeschlagen. „Was zum Teufel ist mit der Erderwärmung los? Bitte komm schnell zurück, wir brauchen dich“, schrieb Donald Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Das war die zynische Reaktion des US-Präsidenten auf die beißende arktische Kälte, die den Mittleren Westen der USA heimgesucht hat und nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes auch die nächsten Tage dort und in den östlichen Landesteilen verharren wird. Die Behörden in den betroffenen Landesteilen hatten gewarnt, dass die extremen Niedrigtemperaturen lebensgefährlich seien. Tatsächlich hat es auch bereits mehrere Kältetote gegeben, wie US-Medien berichteten.

Die Temperaturen sind in der Tat rekordverdächtig niedrig. In Grand Forks im Bundesstaat North Dakota wurden minus 37 Grad, die auf der Haut „gefühlte Temperatur“ lag sogar bei minus 52 Grad. In Chicago, der drittgrößten Stadt der USA, sank das Thermometer auf minus 22 Grad Celsius.

Vielerorts blieben Geschäfte, Schulen und Behörden geschlossen. Auch die US-Post stellte in vielen Regionen im Mittleren Westen den Dienst ein. Tausende Flüge auf den beiden Airports von Chicago und in Kanada wurden abgesagt. Behörden in den Bundesstaaten Michigan, Illinois und Wisconsin hatten am Mittwoch bereits Notstandsmaßnahmen in Kraft gesetzt. Für Obdachlose wurden Notunterkünfte eingerichtet, unter anderem auch Busse als Kälteschutz zur Verfügung gestellt, so in Chicago und Minneapolis. Der Gouverneur von Illinois, J. B. Pritzker, warnte, es bestehe ein reales Risiko, dass Menschen erfrieren könnten. Bürger sollten nach Möglichkeit in Räumen bleiben.

Ursache für die Frostwelle sind arktische Luftmassen, die sich vom Polarwirbel gelöst haben. Der Polarwirbel kreist normalerweise relativ geschlossen um den Nordpol, im aktuellen Fall bildete sich eine Abspaltung davon, die sich Richtung Süden bewegt hat. Klimaforscher haben bereits angesichts früherer Kälteeinbrüche dieser Art darauf hingewiesen, dass solche Instabilitäten eine Ursache in aufgrund des Klimawandels veränderten Strömungsverhältnissen in der Atmosphäre haben könnten. Andererseits zählen Kältewellen ganz einfach zu nordamerikanischen Wintern dazu. Und sowieso gilt: Wetter ist nicht gleich Klima.

Echte Fakten gemäß Stand der Wissenschaft

Trumps erneuter Spott über die angeblich fehlende globale Erwärmung blieb nicht unwidersprochen. Die US-Klimabehörde NOAA nutzte ebenfalls Twitter zu einer Klarstellung: „Schneestürme sind in einem sich erwärmenden Klima nicht nur möglich, sie könnten sogar wahrscheinlicher werden.“ Verlinkt war der Tweet mit einer längeren Erläuterung zu der Frage, warum die Erwärmung der Ozeane polare Kältewellen und Schneefall-Rekorde mit auslösen könnten.

Doch nicht nur die NOAA, die Atmosphäre und Ozeane beobachtet und zu den führenden Klimainstituten weltweit zählt, versucht, Aufklärung gegen die grassierenden Fake-News zum Klimawandel zu setzen. Auch die altehrwürdige Nationale Akademie der Wissenschaften sieht offenbar die Zeit gekommen, offensiver mit „falsche Wahrheiten“ in Zusammenhang mit der globalen Erwärmung umzugehen.

Sie plant den Aufbau einer speziellen „schnellen Reaktionseinheit“, die als Reaktion darauf echte Fakten gemäß dem Stand der Wissenschaft liefern soll – möglichst innerhalb von 48 Stunden, wie es in einem jetzt veröffentlichten ausführlichen Papier zur künftigen Informationsstrategie der Akademie heißt. Besonders wichtig sei das, „wenn Klimaforschung falsch dargestellt oder ignoriert wird, speziell bei sehr einflussreichen Einzelpersonen oder Gruppen“. Allerdings denkt man auch daran, die Öffentlichkeit sozusagen vorbeugend in Situationen zu informieren, „wenn Desinformation droht“.

Natürlich nahmen weder die NOAA noch die Akademie in ihren Stellungnahmen direkten Bezug auf Trumps Tweets. Doch wer damit wohl vor allem gemeint war, mussten sie ja nun auch wirklich nicht hinzufügen.

Kälter als auf dem Mars

Im Mittleren Westen der USA wurden in der Nacht zum Donnerstag Temperaturen von fast minus 40 Grad Celsius gemessen. Zum Mittleren Westen zählen Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Michigan, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, Ohio, South Dakota und Wisconsin. In Illinois, Wisconsin und Minnesota wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Bis Mittwoch starben dem Sender „ABC“ zufolge acht Menschen an den Folgen der Kälte.

Chicago stand im Zentrum der großen Kälte. In der Millionenmetropole im Bundesstaat Illinois wurden am Donnerstag Temperaturen von minus 33 Grad Celsius erwartet – das sei kälter als in Teilen der Antarktis. Medien fanden heraus, dass es in einigen US-Orten derzeit kälter ist als auf dem Mars.

In Indiana starb örtlichen Medien zufolge ein Zebra auf einer Farm in der Kälte. Haustierbesitzer wurden gewarnt, ihre „pelzigen Freunde“ möglichst drinnen zu behalten.  Tausende Flüge entfielen oder verzögerten sich. Das Bahnunternehmen Amtrak sagte am Mittwoch alle Zugverbindungen von und nach Chicago ab. (dpa)

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