Tod einer Legende

„Auffassungsgabe und sein Wortwitz“ Kabarettist Herbert Feuerstein galt als unangepasster Clown

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Der Kabarettist Herbert Feuerstein stirbt im Alter von 83 Jahren. Er gilt als eine Comedy-Legende und als Erfinder von „Schmidteinander“ bekannt.

  • Herbert Feuerstein ist mit 83 Jahren in der Nähe von Köln verstorben.
  • Feuersteins Wortwitz drängte ihn zur Comedy.
  • Feuerstein ist eine deutsche Comedy-Legende.

Sein Nachname verband ihn mit der weltberühmten Comicfigur Fred Feuerstein, aber anders als dieses naiv-gewichtige Vorbild glänzte Herbert Feuerstein eher mit Hintersinn und retardierenden Pointen. Das mag einiges mit seinem musikalischen Grundverständnis zu tun haben, obwohl dem 1937 in Zell am See geborenen Österreicher eine Karriere als Musikkritiker früh verwehrt wurde.

Als er eine Komposition des Präsidenten der Salzburger Festspiele verrissen hatte, wurde ihm nahegelegt, das Mozarteum, an dem er studierte, zu verlassen. Seine Auffassungsgabe und sein Wortwitz ließen ihm kaum eine andere Wahl, als in die Rolle des unangepassten Clowns zu schlüpfen, als der er auch wegen seiner geringen Körpergröße wahrgenommen wurde.

Herbert Feuerstein in der Rolle des unangepassten Clowns

Aus der wohl die erste Hälfte seines Lebens bestimmenden Erfahrung, auch deswegen unterschätzt zu werden, schlug er sein unerschöpfliches komödiantisches Kapital. Dabei war Feuerstein weniger ein Darsteller klassischer Sketche, die auf einen Gag als Höhepunkt zustreben. Seine große Kunst bestand eher in der permanenten Abschweifung, eine Situationskomik, die ihn oft als deplatzierte Alltagsfigur erscheinen ließ, die eher zufällig zur Stelle war.

Perfektioniert wurde die Rolle im Zusammenspiel mit Harald Schmidt, in der Rateshow „Psssst“ sowie als Co-Moderator und Chefautor bei „Schmidteinander“. Feuerstein prägte im deutschen Fernsehen die Rolle des „Sidekicks“, ein Stichwortgeber für Schmidt, der sich der Bedeutung seines Partners jedoch stets bewusst war.

Herbert Feuerstein: Zwölf Stunden auf Sendung

Seine performative Eigenständigkeit stellte Feuerstein 1997 grandios in der WDR-Sendung „Feuersteins Nacht“ unter Beweis, in der er ununterbrochen zwölf Stunden lang auf Sendung war. Das Kabarettgenre befreite er so von dem Verdacht, auf schnell verständliche Witzproduktion aus zu sein.

Feuerstein hatte seine Charakteristika zu einer plausiblen Kunstfigur verfeinert, in der er den Charme leicht übersehener Alltagsfiguren herausarbeitete.

Wichtig für die Entwicklung seiner Weltwahrnehmung dürfte ein Aufenthalt im New York der 1960er gewesen sein, wo er Korrespondent der Satirezeitschrift „Pardon“ war. Zu Beginn der 90er wurde er Chefredakteur der deutschen Ausgabe des Magazins „MAD“, dessen kuriose Titelfigur Alfred E. Neumann nicht zuletzt physiognomisch Ähnlichkeit mit Feuerstein aufwies. Am Mittwoch starb Herbert F. Feuerstein in der Nähe von Köln im Alter von 83 Jahren. (Von Harry Nutt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare