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Gefährliches Vergnügen: Feuerwerk in der Silvesternacht (Archivbild).

Silvester

Jugendlicher verliert drei Finger durch Böller

Ein Mann erleidet schwere Verletzungen von einem selbstgebauten Böller. In Hamburg konfisziert die Polizei 850 Kilogramm Feuerwerk. Ärzte warnen vor erhöhten Feinstaubwerten zu Silvester.

Einem 14 Jahre alten Jugendlichen sind bei der Explosion eines Silvesterböllers in Hamburg drei Finger abgerissen worden. Der Sprengkörper war unmittelbar nach dem Anzünden in der linken Hand des Jungen detoniert, wie ein Polizeisprecher am Sonntag mitteilte. Rettungskräfte brachten den schwer verletzten Jugendlichen zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Einem Internet-Film zum Böllerbau sind drei Freunde in Niedersachsen gefolgt und haben dabei einen folgenschweren Unfall ausgelöst. Ein 18-Jähriger erlitt schwere Verbrennungen und lag auch am Samstag noch mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher in Verden sagte. Die drei Freunde hätten am Donnerstagabend versucht, anhand einer YouTube-Anleitung einen Böller zu bauen.

Die Bastler nutzten dabei nach Polizeiangaben Utensilien wie ein Küchensieb oder eine Waage. Der selbstgebaute Böller zündete aber nicht wie geplant und 60 Prozent der Haut des 18-Jährigen verbrannten. Ein Gleichaltriger wurde leicht verletzt, der dritte Freund nicht. Die Feuerwehr löschte die Flammen in der Scheune, in der die drei mit den explosiven Substanzen hantiert hatten.

Hamburger hortet 850 Kilo Böller und Raketen

Die Hamburger Polizei hat Hunderte Kilogramm Feuerwerkskörper aus der Wohnung eines 23-jährigen Mannes geholt. Die Beamten trugen am Samstag rund 850 Kilo Böller und Raketen aus den Wohnräumen, dem Keller und zwei Kleintransportern des Mannes, wie eine Sprecherin der Hamburger Polizei sagte. „Zum Glück ist bei dem Einsatz im Stadtteil Rahlstedt nichts Schlimmes passiert“, sagte die Sprecherin am Sonntag. Mehr Details waren zunächst nicht bekannt.

Ärzte warnen vor erhöhten Feinstaubwerten

Wegen der Folgen für kleine Kinder, Senioren und chronisch Kranke hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dazu aufgerufen, weniger Feuerwerk einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Diese Gruppen litten zu Beginn des neuen Jahres besonders häufig unter Husten und Atembeschwerden, es komme vermehrt zu Krankenhauseinlieferungen.

Das Umweltbundesamt (UBA) erwartet zu Silvester die Freisetzung von rund 4500 Tonnen Feinstaub – kleinste, für das menschliche Auge meist unsichtbare Teilchen. Das sei in etwa die Größenordnung der Vorjahre, sagte UBA-Meteorologin Ute Dauert der Deutschen Presse-Agentur. „Wie groß die tatsächliche Feinstaubbelastung in der Silvesternacht wird und wie schnell sie wieder abklingt, hängt dann aber auch von den Wetterverhältnissen ab.“

In der ersten Stunde des neuen Jahres können die Feinstaubwerte, die normalerweise um die 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen, mitunter auf 2000 oder bis hin zu 4000 in die Höhe schießen, wie Dauert erläuterte. Herrsche eine kalte Hochdruckwetterlage mit sehr eingeschränktem Luftaustausch, gehe die Feinstaubbelastung nur sehr langsam zurück. Das heißt, dass sich die winzigen Stückchen, die beim Abbrennen von Feuerwerk entstehen, durchaus mehrere Tage in der Luft halten – für Städte kann das der Expertin zufolge im Einzelfall extrem hohe Tagesmittelwerte von mehr als 500 Mikrogramm pro Kubikmeter bedeuten.

Zumindest aus gesundheitlicher Sicht wäre auf Regen und Sturm in der Silvesternacht zu hoffen: Dann sinken die Feinstaubwerte in der Regel innerhalb von Stunden wieder auf Normalniveau ab. Das war etwa an Silvester 2017/2018 der Fall. Erfahrungsgemäß trifft eine hohe Feinstaubbelastung zu Silvester besonders Städte wie Berlin, München und Hamburg. Ballungsräume, in denen viele Menschen auf engem Raum Feuerwerk abschießen, zum Beispiel auf Feiermeilen. Generell wird laut UBA in vielen Städten am ersten Januar der höchste Feinstaubwert des ganzen Jahres erreicht.

Gefahr für Kinder und Senioren

Extrem hohe Feinstaubwerte können kleinen Kindern, Senioren, aber auch Asthmatikern und chronisch Lungenkranken akute Probleme wie Husten und Atembeschwerden bereiten. Schützen könnten sich diese Menschen kaum, da selbst Atemschutzmasken die Mini-Teilchen nicht komplett filterten, so die DGP. Auch Gesunde dürften das Halskratzen und das Brennen in den Augen nach dem Feuerwerk kennen.

Für die Gesundheit der Menschen sind laut UBA zwar dauerhaft erhöhte Werte bedeutender als einzelne Ereignisse wie Silvester. Expertin Dauert betonte aber auch, dass es für Feinstaub keine Schwelle gibt, unterhalb derer keine schädigende Wirkung für die Bevölkerung zu erwarten ist.

Der Anteil von Feuerwerk an den Gesamt-Feinstaubemissionen in Deutschland betrage gut zwei Prozent, sagte Dauert. Zieht man nur die Straßenverkehrsemissionen als Vergleich heran, so macht Feuerwerk rund 15 Prozent der jährlich freigesetzten Menge aus.

Feinstaub entsteht im Verkehr durch Verbrennungsmotoren, aber auch durch Reifenabrieb. Weitere Quellen sind zum Beispiel die Industrie, Kraftwerke und Holzöfen. Hinzu kommen natürliche Feinstaubquellen, so dass eine gewisse Grundbelastung unvermeidlich ist.

Feinstaub kann je nach Teilchengröße nicht nur tief in Lunge und Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. Insgesamt verliere die Bevölkerung in Deutschland durch Luftverschmutzung mit Feinstaub jährlich 600 000 Lebensjahre, teilte die DGP mit. Inzwischen wird Feinstaub auch als Risikofaktor für Demenz diskutiert.

Die EU-Grenzwerte für Feinstaub wurden in Deutschland in den vergangenen Jahren weitgehend eingehalten – das liegt aber auch daran, dass die zulässigen Werte teils deutlich höher liegen als die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerte. (dpa)

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