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Winke, winke: Juan Carlos, 2014 in Madrid.
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Winke, winke: Juan Carlos, 2014 in Madrid.

Spanien

Juan non grata

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Spaniens einstiger Monarch würde so gerne wieder heimkehren – sein Sohn, König Felipe, ist einer von vielen, die das nicht wollen.

Juan Carlos de Borbón y Borbón, Spaniens langjähriger König, hat gute Freunde. Er und seine Frau Sofía seien „zwei Helden“, sagt die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso. Zwei Helden, „denen wir den ersten und beständigen, mutigen, einfallsreichen und entschiedenen Anstoß verdanken, der uns die Verfassung brachte“ – die demokratische Verfassung von 1978 nach vier Jahrzehnten Franco-Diktatur. Auch Ex-Ministerpräsident Mariano Rajoy bedauert in einem gerade erschienenen Buch, dass Juan Carlos dennoch „in diesem Land unbarmherzig und ungerecht“ beschimpft werde. Und einer von Rajoys Vorgängern, Felipe González, sagt: „Ich will, dass er zurückkehrt und dass seine Unschuldsvermutung respektiert wird.“

Zurückkehren. Das will der alte König auch. Seit einem Jahr und vier Monaten lebt Juan Carlos im selbst gewählten Exil in Abu Dhabi, was eine Weile seinen Reiz haben mochte, nun aber nicht mehr. Seine Abreise aus Spanien war wahrscheinlich nicht die beste Idee, die er jemals hatte, sie sah zu sehr nach Flucht aus, obwohl ihn damals niemand verfolgte und auch heute nicht. Also könnte er als früherer König und heutiger Königsvater dorthin zurückkehren, wo er hingehört, in seinen Palast vor den Toren Madrids.

Dass eben dies sein Wunsch sei, hat jüngst ein für seine Glaubwürdigkeit geschätzter Journalist, José Antonio Zarzalejos, in der Netzzeitung „El Confidencial“ geschrieben und damit ein wenig Unruhe in Spanien ausgelöst. Juan Carlos zurück im Palast, vom Steuerzahler alimentiert? Für viele unvorstellbar. Die Unschuldsvermutung ist ein juristisches Konzept, aber kein allzu menschliches. Juan Carlos hat nicht nur Freunde in Spanien.

Klares Zeichen: König Felipe VI., 2019 auf Mallorca.

Des Königs loses Mundwerk

Pedro Sánchez, der derzeitige Regierungschef, sagte kürzlich in einem Fernsehinterview mit populistischen Gespür: „Es wäre angemessen, wenn der König Juan Carlos sagte, was seine Meinung über all diese Tatsachen ist, die beunruhigende Informationen sind.“ Konkreter wurde Sánchez nicht. Wer zusah, wusste, was gemeint war: Wenn Juan Carlos nicht korrupt ist, dann hat er zumindest Steuern hinterzogen. Jedenfalls zahlte er im vergangenen Jahr Millionen an Steuern nach, was in gewisser Weise ein Schuldeingeständnis war.

Ansonsten ermitteln ein Schweizer und mehrere spanische Staatsanwälte seit Jahren gegen den Ex-Monarchen, ohne dabei von der Stelle zu kommen. Fürs große Publikum ist das so gut wie eine Verurteilung. Zu diesem Publikum gehört offenbar auch König Felipe. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn habe eine Temperatur „unter dem Gefrierpunkt“ erreicht, schreibt Zarzalejos, unbekannte Quellen zitierend.

Sollte Juan Carlos trotz allem nach Spanien zurückkehren, dürfte er sich auf viele unfreundliche Berichte über ihn einstellen. Jahrzehntelang war die Presse lammfromm, der König wurde als unantastbar behandelt, obwohl er es schon damals nicht war. Jetzt wird alles nachgeholt, unbarmherzig, da hat Ex-Premier Rajoy ganz recht.

Eine der tollsten Geschichten, die sich jetzt allmählich vom Gerücht zur belastbaren Tatsache wandelt, ist eine amouröse Affäre des Königs mit einem Fernsehsternchen namens Bárbara Rey. Die müsste niemanden was angehen, wenn die einstige Miss Madrid Juan Carlos nicht jahrelang erfolgreich erpresst hätte, was gerade ein ehemaliger Geheimdienstchef im Fernsehen bestätigt hat. Offenbar hatte Rey in ihrem Haus etliche Kameras und Mikrofone installiert, die nicht nur die Affäre dokumentierten, sondern auch des Königs loses Mundwerk, der unbekümmert über Staatsaffären plauderte.

„Ich habe nur jemandem zärtliche Zuneigung gegeben, der sie brauchte“, sagte die heimliche Geliebte 1997 in einem Boulevardprogramm. Den Namen des Jemand nannte sie damals nicht. Sie selbst brauchte Geld, das der Geheimdienst bei Königsfreunden besorgte. Außerdem durfte sie beim staatlichen Fernsehen TVE drei Jahre eine Unterhaltungsshow moderieren. Im Namen der Sicherheit des Staates. Immerhin: Bárbara Rey hat bis heute über alle Details ihrer Affäre geschwiegen. Auch wenn das dem guten Ruf des alten Königs auf Dauer nichts genützt hat.

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