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Besucher des Naturschutzgebietes Dana in Jordanien stehen an einem Aussichtspunkt mit Blick in das Tal von Dana. (Archivbild)
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Besucher des Naturschutzgebietes Dana in Jordanien stehen an einem Aussichtspunkt mit Blick in das Tal von Dana. (Archivbild)

Umwelt

Jordanien: Gigantische Kupfermine bedroht das größte Naturschutzgebiet des Landes

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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In Dana, Jordaniens ältestem und größten Naturreservat, soll zukünftig Kupfer abgebaut werden. Naturschützer:innen kritisieren das Vorhaben heftig.

Dana – Hügelige Landschaften und mehr als 800 verschiedene Pflanzen- und Tierarten locken jedes Jahr zahlreiche Menschen in den Dana Nationalpark in Jordanien. Das Reservat liegt im Westen des Landes, unweit der alten nabatäischen Hauptstadt und historischen Ruinenstätte Petra. Mit 320 Quadratkilometern ist Dana das größte sowie gleichzeitig älteste Naturschutzgebiet Jordaniens.

Die Ruhe des Nationalparks wird jedoch durch ein Vorhaben der jordanischen Regierung bedroht. Zukünftig soll dort nämlich Kupfer abgebaut werden, wie das arabische Nachrichtenportal Al-Jazeera berichtet. Laut der jordanischen Regierung gibt es in Dana schätzungsweise 45 Millionen Tonnen Kupfer.

Naturschutzverbände kritisieren Bauvorhaben im Dana Nationalpark in Jordanien

Im August beauftragte die Regierung das Umweltministerium, einen Teil des Gebiets für die Kupfergewinnung abzustecken. Außerdem wurde ein Komitee gebildet, das nach neuem Land suchen soll, um die abzubauenden Gebiete zu ersetzen. Das genaue Gebiet, das zwischen 60 und 106 km² groß sein soll, wird noch verhandelt.

Zahlreiche Naturschutz- und Umweltverbände äußerten bereits heftige Kritik an den Bauplänen. Das 1989 gegründete Reservat beherbergt mehr als 800 verschiedene Pflanzenarten und 215 Vogelarten, die etwa ein Drittel der jordanischen Pflanzenarten und die Hälfte aller Vogelarten darstellen. Einige gelten als bedroht und einige von ihnen sind nur in Dana zu finden. Die Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN), eine Nichtregierungsorganisation, die Jordaniens Reservate verwaltet, verurteilte die Entscheidung der Regierung und sagte, sie würden alle rechtlichen Maßnahmen ergreifen, um das Reservat zu schützen.

Biosphärenreservat DanaVerwaltet durch die Royal Society for the Conservation of Nature
Fläche320 Quadratkilometer
Gründung1989
Vogelarten215
PflanzenartenÜber 800

Bedrohte Tierarten im Dana Nationalpark in Jordanien könnten Lebensraum verlieren

„Es ist ein sehr vielfältiges Gebiet mit vier verschiedenen biogeografischen Zonen und es gibt auch wichtige archäologische Stätten. Seine Artenvielfalt und sein Erbe müssen geschützt werden“, sagte Fares Khoury, Professor für Tierbiologie und Mitbegründer der NGO Jordan Birdwatch. Mehrere bedrohte Vögel, wie der Syrische Serin und der Rußfalke seien auf das Reservat angewiesen. „Die Gegend ist sehr sensibel. Wenn das Projekt voranschreitet, wird es nur Zerstörung hinterlassen.“

Auch benötige der Bergbau viel Wasser – in einer Gegend, der es ohnehin schon an Wasser fehle, so Muna Hindiyeh, Professorin für Umwelttechnik. „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Schwermetalle ins Grundwasser gelangen und es verschmutzen“, sagte sie. Laut Hindiyeh würde der Bergbau auch die Bodenerosion erhöhen und zu einem Verlust der biologischen Vielfalt führen. Daher müssten die negativen Auswirkungen des Projekts sorgfältig geprüft werden.

Dana Nationalpark in Jordanien – Einstufung als Unesco-Welterbe in Gefahr

Entsprechende Studien zur Umweltverträglichkeit gibt es für das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. „Wir brauchen vollständige Studien über die genauen Kosten der Kupfergewinnung und die Umweltauswirkungen, die sie auf die Region haben würden“, äußerte der Vorsitzende des RSCN, Khaled al-Irani, gegenüber Al Jazeera. Naturschützer:innen kritisieren zudem, dass die Regierung bisher nur intransparente Schätzungen als Zahlen abgegeben habe. Jordaniens Ministerien für Umwelt, Energie und Bodenschätze sollen nicht auf die Interviewanfragen von Al Jazeera reagiert haben.

Neben der Sorge, dass der Bergbau irreparable Umweltschäden verursachen wird, machen sich auch viele Sorgen darüber, wie sich das Projekt auf die archäologischen Stätten der Region von der Altsteinzeit bis zur römischen und islamischen Zeit auswirken könnte.

Fachleute befürchten zudem, dass der Bergbau die Einstufung des Dana Nationalparks als Unesco-Welterbe verhindern könne. Derzeit wird das Reservat noch für diese Position geprüft. Das Jordans International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) sieht in der Entscheidung, das Reservat für Bergbauinvestitionen zu öffnen, zudem einen gefährlichen Präzedenzfall, der sich auch auf andere Naturschutzgebiete auswirken könnte.

Jordaniens Regierung verteidigt Mine zum Kupferabbau im Naturreservat Dana

Trotz des öffentlichen Protests hat die Regierung das Bergbauprojekt verteidigt und argumentiert, dass es tausend Arbeitsplätze schaffen würde und eine Investition in die Zukunft sei, zumal die Nachfrage nach Kupfer exponentiell steige.

Im Jahr 2016 erteilte die Regierung der Firma „Jordanian Integrated Mining and Exploration Company“ eine Lizenz zum Abbau von Kupfer. Das Unternehmen gehört zu der Gruppe Manaseer, die in Öl, Gas und Bergbau investiert. Laut Manaseer würde das Bergbauprojekt „die Volkswirtschaft unterstützen“ und Arbeitsplätze in einem Land schaffen, in dem die Arbeitslosenquote alarmierende 25 Prozent erreicht hat. Tafila, das südliche Gouvernement, in dem Dana liegt, ist besonders stark von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Auch soll ein Sprecher von Manaseer auf einer Pressetour gesagt haben, dass das Projekt die Umwelt nicht beeinträchtigen werde – die es im Reservat ohnehin nicht geben würde.

Naturschutzgebiet Dana in Jordanien verfolgt nachhaltigen Tourismus

Das Traurige sei, dass die Manaseer-Beamt:innen die Tier- und Pflanzenwelt im Reservat gar nicht wahrnehmen würden, sagte Mohammad Asfour, ein Umweltschutzaktivist, gegenüber Al-Jazeera. „Sie sehen nichts als kurzfristigen Gewinn.“ Es sei jedoch wichtiger, sich auf nachhaltige Lösungen zu konzentrieren und „nicht auf Megaprojekte, von denen nur wenige profitieren“, so Asfour. Kupferminen stehen immer wieder in der Kritik, Menschenrechte zu verletzen und schlechte Arbeitsbedingungen zu fördern. Da die meisten angebotenen Bergbaujobs schlecht bezahlt und von kurzer Dauer wären, argumentiert Asfour, wäre der Tourismus eine bessere Investition.

Der Nationalpark Dana verfolgt die Idee eines nachhaltigen Tourismus. Statt großer Hotels gibt es die Feynan Eco-Lodge inmitten einer Wüstenlandschaft. (Archivbild)

Der Nationalpark Dana gilt international als Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus und Naturschutz. Das Reservat wird von der lokalen Bevölkerung verwaltet und erwirtschaftet laut RSCN jährlich etwa 3 Millionen US-Dollar. Ein Jahr vor der Corona-Pandemie zog der Nationalpark etwa 80.000 Besucher:innen an. (Anna Charlotte Groos)

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