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US-Präsident Joe Biden.
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Keine Eucharistie für den Präsidenten: In den USA planen katholische Bischöfe Joe Biden von der Kommunion auszuschließen.

Kirche in den USA

Joe Biden, das „moralisch Böse“: Katholische Kirche legt sich mit Präsidenten an

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Joe Biden setzt sich für progressive Ziele wie etwa Abtreibung ein. Dafür wollen ihn konservative US-Bischöfe von der Eucharistie ausschließen.

Washington, D.C. – US-Präsident Joe Biden ist als gläubiger Katholik bekannt. Regelmäßig geht er in die Kirche, auch bei seinen Reisen im Ausland. Daheim bekommt er nun allerdings Ärger: In der vergangenen Woche stimmten US-Bischöfe mit deutlicher Mehrheit einem Beschluss zu, der dazu führen könnte, dass progressiven Politikern wie Joe Biden die Eucharistie verweigert wird. Dies berichtet die New York Times.

In einer Abstimmung anlässlich der Nationalen Konferenz der katholischen US-Bischöfe stimmten 73 Prozent für den Vorschlag, nur 24 stimmten dagegen. Er sieht vor, Politiker:innen von der Eucharistie auszuschließen, die nicht mit der gängigen Lehrmeinung der katholischen Kirche übereinstimmen. Bis November soll nun das Ganze verschriftlicht werden, dann soll es offiziell werden. Die Eucharistie ist eines der heiligsten Rituale im Katholizismus, daher ist es auf den ersten Blick überraschend, dass sie den erst zweiten US-Präsidenten katholischen Glaubens als Zielscheibe nehmen. Joe Biden sagte dazu, er glaube nicht, dass der Beschluss tatsächlich umgesetzt werde.

Ausschluss von der Eucharistie: Bischöfe wollen Abtreibungsbefürworter loswerden

Tatsächlich geht es jedoch um ein für die in der Tendenz erzkonservativen US-Bischöfe um ein wichtiges Thema: Abtreibung. Erzbischof José H. Gomez aus Los Angeles sagte laut New York Times anlässlich von Bidens Amtseinführung sogar, das der neue Präsident für eine Politik stehen würde, die das „moralische Böse“ voranbringen würde. Vor allem Bidens liberale Positionen zur Abtreibung, Verhütung, Ehe und Gender geraten seitdem immer wieder ins Kreuzfeuer der katholischen Geistlichen in den USA. Beim Kindesmissbrauch durch katholische Priester hat der Großteil von ihnen jedoch Jahrzehntelang geschwiegen

Das in den USA hochbrisante Thema der Abtreibung spaltet besonders die Katholiken. Auf der einen stehen Seite die Konservativen, die sie für Teufelswerk halten, auf der anderen eher liberalere Vertreter, wie auch Joe Biden, die eine eher liberale Ausrichtung des Glaubens wollen. Bidens Administration hat bisher einiges getan, um die Macht von Abtreibungsgegnern, die diese noch unter Bidens Vorgänger Donald Trump genossen, einzuschränken.

USA: Republikanische Bundesstaaten erlassen harte Regeln für Abtreibung

Doch allein in den vergangenen fünf Monaten, so die New York Times, habe es mehr als 500 neue Einschränkungen für Abtreibungen auf Bundesstaatenebene gegeben. Aufgrund der von Donald Trump durchgesetzten konservativen Mehrheit im US-Supreme Court haben die meisten davon eine gute Aussicht auf Erfolg. Mississippi verbietet etwa Abtreibungen nach 15 Wochen, was gegen das in der US-Verfassung garantierte Recht auf Abtreibung verstoßen wird. Der Supreme Court wird sich nun damit befassen. Dort haben die Republikaner die Mehrheit.

Mit dem Ausschluss von der Eucharistie wollen die erzkonservativen Bischöfe Druck auf Joe Biden und andere progressive US-Politiker:innen ausüben. Die Bischöfe wollen im November über das nun zu verfassende Statement entscheiden, zufällig kurz vor den Midterm-Wahlen. Damit geben die den Republikanern neue Munition in die Hand. Die Rechten in den USA nutzen Abtreibung seit Jahren als Thema im Wahlkampf.

Entscheidung über Eucharistie-Ausschluss Joe Bidens soll vor Midterms gefällt werden

Der Termin sei aber nur Zufall, beteuert Bischof Kevin C. Roades, der das Bischofskomitee für Doktrinen leitet. Damit die Wahlen beeinflussen zu wollen „würde mir niemals einfallen, auch dem Komitee nicht“. Er betonte, dass der Beschluss einer für alle Katholiken sein werde. „Wir müssen akzeptieren, dass jene die wiederholt schwere Sünde manifestieren, von der heiligen Kommunion ausgeschlossen werden müssen“, brachte Roades seine mittelalterliche Glaubensauffassung auf den Punkt. Bei Bidens Vorgänger Donald Trump schienen dessen wiederholten Vergehen gegen Moralvorstellungen allerdings kein Problem zu sein. Dies hielt aber etwa auch die Evangelikalen nicht davon ab, für Trumps Wahlsieg zu beten.

Die Entscheidung, dessen Beschluss wohl eine Formalität ist, kann jedoch höchstens als Richtlinie genutzt werden. Kardinal Wilton Gregory aus Washington machte etwa unmissverständlich klar, dass er die Entscheidung nicht unterstütze. Andere, wie William Koenig aus Wilmington, Delaware, und damit für Bidens Heimatstadt zuständig, halten sich in der Sache bisher bedeckt.

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US-Bischöfe stellen sich in Entscheidung um Eucharistie-Ausschluss von Joe Biden gegen Vatikan

In der Entscheidung stellten sich die Bischöfe gegen den Vatikan. Papst Franziskus, der als erster Papst die Ehre hatte, im Kapitol zu sprechen, hatte in der Vergangenheit wiederholt vor einem solchen Beschluss gewarnt. Auch er gilt als eher liberal und will dem Kampf gegen Ungleichheit und soziale Probleme mehr im Mittelpunkt des Glaubens verorten. Zunehmend zeigt sich in den USA ein Riss zwischen seinen Unterstützern und den konservativen Hardlinern.

Bischof Robert W. Elroy aus San Diego, der als Unterstützer von Franziskus gilt, sagte: „Wenn wir abhängig von ihren Entscheidungen Politiker von der Eucharistie ausschließen – und das ist die Richtung, in die es geht – dann laden wir all die politischen Feindseligkeiten die unsere Nation spalten in unsere Kirchen ein.“ Und er fügte hinzu: „Das heilige Sakrament, welches uns eins machen soll, wird für Millionen von Katholiken ein Symbol der Spaltung werden.“ (als)

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