US-Wahlen 2020

Joe Biden besucht Grab des Sohnes – Team von Trump verspottet ihn

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Joe Biden stattet dem Grab seines verstorbenen Sohnes Beau Biden einen Besuch ab. Ein Mitarbeiter von Donald Trump nimmt das zum Anlass, um den demokratischen Präsidentschaftsbewerber zu verspotten.

  • Joe Biden besucht das Grab seines an Krebs verstorbenen Sohnes Beau Biden in Wilmington, USA.
  • Ein Mitarbeiter von Donald Trump macht sich über Bidens Besuch im Internet lustig.
  • Der US-Präsident steht rund zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA weiter unter Druck.

Wilmington – Wahlkämpfe sind immer ein wenig schmutzig. Das ist normal. Doch in den USA hat das Niveau der Auseinandersetzungen mittlerweile einen neuen Tiefpunkt erreicht. Vor allem das Team Trump nimmt keinerlei Rücksicht auf den politischen Gegner. Das war auch am Wochenende nicht anders. Diesmal sorgte Joe Bidens Besuch des Familiengrabs in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware für Hohn und Spott.

Mitarbieter von Donald Trump verspottet Joe Biden

Jedenfalls hielt es ein Mitarbeiter von Donald Trump tatsächlich für nötig, den demokratischen Präsidentschaftsbewerber zu verspotten. Francis Brennan versuchte sich darüber lustig zu machen, dass Biden bei seinem Gang über den Friedhof die Presse einfach ignoriert hätte. Zumindest lässt sich Brennans Tweet so deuten, mit dem er ein Video kommentiert, das Biden zeigt, wie er auf dem Friedhof an wartenden Kamerateams vorbeigeht: „REPORTER: ‚Herr Vizepräsident, sprechen Sie bitte mit uns.‘ Joe Biden schlängelt sich einfach weiter.“

Joe Biden besucht das Familiengrab in Wilmington.

Auf dem Friedhof sind drei Familienmitglieder Bidens begraben. Außer seiner ersten Ehefrau Neilia und Tochter Naomi, die beide 1972 bei einem Autounfall ums Leben kamen, hat auch sein Sohn Beau Biden, der 2015 im Alter von nur 46 Jahren an einem Hirntumor starb, dort seine letzte Ruhe gefunden. Zu seinem Sohn hatte Joe Biden in den Jahren vor dessen Tod eine besonders enge Beziehung. Nach dem Tod des Sohnes hatte Joe Biden 2016 auf eine Präsidentschaftskandidatur verzichtet. Und auch später meinte er noch, dass im Grunde Beau derjenige sein sollte, der für das Amt kandidieren müsste.

Joe Biden besucht Familiengrab, Donald Trump spielt Golf

Der Kommentar von Francis Brennan war auch deshalb etwas merkwürdig, weil sein Boss Donald Trump das Wochenende mal wieder damit verbrachte, einen Golfball über die Wiesen zu jagen, Coronakrise in den USA hin oder her. Die Kritik an dem Tweet fiel auch dementsprechend aus. Während der demokratische Politiker Eric Swallwell noch die Frage offen ließ, ob Brennan ein Mensch sei, war sich die Schauspielerin Mia Farrow ihrer Sache schon sicher: „Joe Biden hat das Grab seines Sohnes besucht. Sie sind nicht einmal ein Mensch.“

Donald Trump verachtet das Militär

Aber vielleicht will die Team Trump ja auch nur in die Offensive gehen, um zumindest ein klein wenig von Trumps eigenen Problemen abzulenken. Der US-Präsident und oberste Befehlshaber hatte einst immerhin Soldaten übel verunglimpft und einen möglichen Besuch auf einem amerikanischen Militärfriedhof in Frankreich im Jahr 2018 abgelehnt: „Warum sollte ich auf diesen Friedhof gehen? Es ist voller Verlierer.“ Statt des Besuchs auf dem Friedhof soll Trump lieber in der Residenz des US-Botschafters in Paris Kunst im Wert von 750.000 Dollar eingepackt haben.

Da das Militär in den USA hoch angesehen ist und gefallene Soldaten als patriotische Helden geehrt werden, sieht sich Donald Trump plötzlich in die defensive gedrängt, Auch der Umstand, dass er wegen eines Fersensporns ausgemustert wurde und so nicht in den Vietnamkrieg ziehen musste, wird in diesem Zusammenhang immer weider gerne erwähnt. Allerdings sieht es hier bei Joe Biden nicht viel anders aus. Bei ihm war es die Diagnose Asthma, die ihm den Einsatz in Vietnam erspart hat.

Beau Biden war im Irak im Einsatz

Einer aber hat wirklich gedient. Beau Biden war als Offizier der Nationalgarde von Delaware von Oktober 2008 bis zum September 2009 im Irakkrieg im Einsatz. Dafür kann ihn niemand so leicht verspotten, nicht einmal das Team Trump. (Von Christian Stör)

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