Harry Potter-Autorin

„Böses Blut“: J. K. Rowlings aktueller Roman löst erneut Transphobie-Vorwürfe aus

  • vonMirko Schmid
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Neue Vorwürfe gegen Joanne K. Rowling. Die „Harry Potter“-Autorin soll in ihrem neuen Buch „Troubled Blood“ transphobe Stereotype bedienen.

  • Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling hat unter ihrem Pseudonym „Robert Galbraith“ den Roman „Troubled Blood“ (deutsch: „Böses Blut“) veröffentlicht.
  • Der Vorwurf gegen J.K. Rowling: Der Kriminalroman bedient transphobe Stereotype.
  • Immer wieder werden Joanne K. Rowling transphobe Äußerungen vorgeworfen.

Großbritannien - Joanne K. Rowling hat unter ihrem Pseudonym „Robert Galbraith“ einen neuen Bestseller veröffentlicht. Das Buch „Böses Blut“ (Originaltitel „Troubled Blood“) ist das fünfte Werk aus der Reihe um den Privatdetektiv „Cormoran Strike“ und bereits ein Bestseller. Doch im Fokus stehen nach der Veröffentlichung des neuen Buchs der „Harry Potter“-Autorin die Vorwürfe, Rowling würde Transphobie verbreiten. Mal wieder.

Joanne K. Rowling: Fällt immer wieder mit transphoben Meinungen auf

Rowlings Pseudonym „Robert Galbraith“ - Pionier der „Konversionstherapie“ mit wie Elektroschocks und „Gehirnwäsche“ 

Die Vorwürfe beginnen bereits bei der Wahl des Pseudonyms. Rowling schrieb auf ihrer Webseite, dass ihr Kunstname sich aus dem Vornamen ihres politischen Idols, Robert Kennedy und ihrem Kindheits-Fantasienamen „Ella Galbraith“ zusammensetzt, wie „The Guardian“ berichtet. Eine putzige Anekdote, möchte man meinen. Wie für ihre Fans gemacht. Nur: Diese Anekdote hat einen gewaltigen Haken.

Wirft man die Suchmaschine an und sucht dort nach dem vermeintlich unverfänglichen Namen Robert Galbraith, wirft die Websuche einen gewissen Psychiater namens Robert Galbraith Heath, geboren 1915, gestorben 1999, aus. Dieser Robert Galbraith war ein Pionier der Konversionstherapie. Heaths „medizinischer“ Ansatz bestand darin, Homosexuelle „heilen“ zu wollen von ihrer „Krankheit“. Mit Elektroschocks. Und „Hirnstimulation“. Ein erstaunlicher Zufall, bedenkt man die Vorwürfe der Transphopbie, die immer wieder gegen Rowling vorgebracht werden.

Joanne K. Rowling verbreitet unter dem Namen eines „Schwulenheilers“ transphobe Vorurteile

Der Plot wäre also schon einmal gesetzt. Joanne K. Rowling schreibt Bücher unter dem Namen eines berüchtigten „Schwulenheilers“. Der von ihr behauptete Zufall, ihre niedliche Kindheitsanekdote - nur hartgesottenste Fans, gestählt durch die Magie der Potter-Reihe, sollten in der Lage sein, Rowling das ohne weitere Nachfrage durchgehen zu lassen. Die Autorin selbst gibt sich wenig Mühe, ihre Legende zu untermauern. Aus ihrer Abneigung gegenüber Trans-Personen macht Rowling offenbar keinen Hehl.

Antagonist ihres neuen Machwerks ist ein gewisser Dennis Creed. Ein Mörder, der sich als Cisgender-Mann bezeichnet, Frauenkleider trägt und in gestohlene Damenunterhosen masturbiert. Seine Neigung, Kleider und Schmuck zu tragen, soll Rowling als Fetischisierung und als Ergebnis eines Traumas darstellen, so die Kritik. Rowling würde hier mit zwei der häufigsten Vorurteilen gegenüber Menschen, die gegen traditionelle „Geschlechtsnormen“ verstoßen, spielen.

Das Motiv des Cross-Dressing-Killers hat dabei durchaus eine lange Geschichte in der Popkultur. Es fällt nicht schwer, umgehend an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Psycho“ zu denken. Inzwischen ist der Begriff so prominent, dass der Netflix-Dokumentarfilm „Disclosure“, in dem mediale Darstellungen von Trans-Menschen untersucht werden, ihm einen ganzen Abschnitt widmet.

Als Kriminalautorin lässt J. K. Rowling ihren Bösewicht Dennis Creed Kleider tragen, um das gewalttätige Monster darunter zu maskieren. Seine weiblichen Tendenzen lassen einige Menschen denen er begegnet glauben, er sei schwul - was unangenehm an homophobe Vorurteile der 1970er und 1980er erinnert, die schwule Menschen als Raubtiere brandmarken.

Rowlings Protagonist Strike: „Durch eine sorgfältige Darstellung der Weiblichkeit getäuscht“

Nicht anders versuchen aktuelle Anti-Trans-Bewegungen heute Transsexualität zu framen. Rowlings Protagonist Cormoran Strike sagt an einer Stelle des Buches, dass Creeds Opfer „durch eine sorgfältige Darstellung der Weiblichkeit getäuscht wurden“. Im Verlaufe der 944 Seiten des Buches wird Creeds Interesse an Frauenkleidern als Folge des Missbrauchs begründet, dem er in seiner Kindheit selbst ausgesetzt war. Außerdem ist Creed ein Voyeur, der seine „Verkleidung“ für seine kranken Fantasien nutzt.

„Ich war nicht nur von den offensichtlich sinnlichen Aspekten, sondern auch von dem Gefühl der Macht erregt. Ich hatte das Gefühl, ich hätte ihnen etwas von ihrer Essenz gestohlen und das genommen, was sie für privat und verborgen hielten.“ So erklärt Rowlings Antagonist seine voyeuristischen Triebe. Ein böser Mann also, der sich als Frau verkleidet, um Frauen zu bespannen.

Name der Schriftstellerin:Joanne K. Rowling (Pseudonym: Robert Galbraith)
Alter und Geburstort: 55 Jahre, * 31. Juli 1965 in Yate, South Gloucestershire, England
Werke:Harry Potter-Heptalogie (1997-2007), Ein plötzlicher Todesfall (2012), Cormoran-Strike-Serie (ab 2013), Der Ickabog (2020)
Verfilmte Werke: Harry Potter, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Ehepartner: Jorge Arantes (1992 - 1993), Neil Murray (seit 2001)

Rowling hat sich zum bekanntesten Gesicht der Anti-Trans-Bewegung in Großbritannien entwickelt 

Auch wegen solcher Darstellungen wurde Rowling inzwischen - freiwillig oder unfreiwillig - zu einer der prominentesten Protagonistinnen einer zunehmend toxischen Anti-Trans-Bewegung in Großbritannien. Viele prominente Medienkolumnisten haben in Großbritannien in den letzten Jahren jede Gelegenheit genutzt, um die Menschlichkeit von Trans-Menschen in Frage zu stellen und diese als Bedrohung für Frauen und junge Mädchen darzustellen.

Rowling vertritt dabei eine Version des „Feminismus“, nach der Trans-Menschen und insbesondere Trans-Frauen als Bedrohung für Cisgender-Frauen (also Frauen, die als solche geboren wurden und sich auch als solche empfinden) gelten. Obwohl Trans-Menschen, insbesondere Trans-Frauen, in Wirklichkeit selbst einem schrecklichen Ausmaß an Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt sind.

Rowling verbreitet die Angst davor, dass Trans-Menschen Frauen überfallen

Im Juni, nachdem Joanne K. Rowling eine Reihe transphober Tweets abgefeuert und sich über ein "intolerantes Klima" beschwert hatte, berichtete sie davon, selbst Opfer von häuslichem Missbrauch und sexuellen Übergriffen zu sein. Sie schilderte ihre Angst davor, dass Trans-Menschen in Frauen vorbehaltene Räume eindringen als logisches Ergebnis dieses Traumas, obwohl solche Ängste inzwischen als gründlich entlarvt gelten.

Wie die Kritikerin Kelly Lawler für USA Today schreibt, haben Rowlings Kommentare die Trennung von Kunst und Künstlerin so gut wie unmöglich gemacht. Die Prämisse von „Böses Blut“, nach der ein Mann eine Perücke und ein Kleid anzieht, um Frauen zu terrorisieren, ist untrennbar mit Rowlings Panik über Trans-Menschen verbunden, die in „Nur-Frauen“-Räume „eindringen“.

„Neue Nadelstiche gegen Trans-Menschen“: Kritik an Rowlings Transphobie kommt auch aus Deutschland

Das deutsche Online-Magazin „Queer.de“ bezeichnet Rowlings Buch als „neue Nadelstiche“ gegen Trans-Menschen. Der Artikel verweist auf die deutsche Bloggerin und grüne Kommunalpolitikerin Julia Probst, die sich in ihren Tweets deutlich positioniert. Man könne Joanne K. Rowling nicht einfach „totale Unwissenheit“ zugestehen, da sie schon häufiger als Trans-Menschen ausschließende Feministin („TERF“) aufgefallen sei. Rowling wisse um den Einfluss ihrer Bücher und stelle Trans-Menschen dennoch bewusst als böse dar und schließe diese von der Gesellschaft aus.

Die Aussage ist klar: Die Buchautorin, die mit ihrer Harry Potter-Reihe Millionen Menschen verzaubert und damit noch viel mehr Millionen verdient hat, würde sich - nicht anders lässt sich ihr Buch lesen - wissentlich vor den Karren einer transphoben Bewegung spannen lassen. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Dia Dipasupil/Getty Images/AFP

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