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Wie Mode am besten erzählt wird, weiß Marina Hoermanseder.

Kolumne

Jetzt mal Butter bei die Modefische

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Die Mode vieler Designer des Landes ist signifikant und sinnlich, intelligent und intim. Sie hat alles, was gute, was große Mode braucht, Gefühl, Spannung, Intellekt. Was fehlt, ist ein Rahmen.

Oder lieber doch nicht? Man könnte im Rückblick auf die Modewoche in alte Muster verfallen. Nicht in Karos oder Streifen, Tupfen oder Pünktchen – sondern in den modemedialen Kanon, der verlässlich kaum ein gutes Haar an den Berliner Formaten lässt. Auch in den vergangenen Tagen waren die Gespräche geprägt von den Krisen der Woche, von den internationalen Gästen, die fernbleiben, dem Kalender, der klein geworden ist. Aber wie würde eine Rückschau aussehen, in der es wirklich nur um die Kollektionen geht?

Auch da mag sich die bedrückende Stimmung vielfach niederschlagen – schließlich ist es nicht nur in der Mode eine Binse, dass gerade in schwierigen Zeiten die Lust auf Spaß und Schönheit wächst. Und von dieser Überlegung ist es nur ein kleiner Stöckelschritt zu den vielen luxuriösen, dekorativen Linien, die in Berlin gezeigt wurden.

Der Designer William Fan sagte etwas ganz Bemerkenswertes, als ich ihn in den vergangenen Tagen zufällig auf der Friedrichstraße traf. Einen Satz, der die deutsche Mode gut umschreibt, verlangte ein anderer vorbeieilender Journalist von uns. Während ich noch mit den Worten rang, sagte Fan in seiner gewohnt nonchalanten Art dieses kleine, hübsche Wort: „persönlich“.

Und der Mann hat recht: Die Mode vieler Designer des Landes ist signifikant und sinnlich, intelligent und intim. Sie hat alles, was gute, was große Mode braucht, Gefühl, Spannung, Intellekt. Meine sechs liebsten Schauen  zeugen genauso davon wie die Arbeiten jener Marken und Designer, die mittlerweile auf internationale Messeformate vorgerückt sind, Vladimir Karaleev, Michael Sonntag, die Labels Kaviar Gauche, Lala Berlin oder Fommes.

Was einigen mittlerweile fehlt, ist der geeignete Rahmen, um ihre Mode auch im eigenen Land zu präsentieren. Das mag schmerzen – und darf trotzdem nicht sein, was von dieser Modewoche im Gedächtnis bleibt. Denn die besten Designer machen mit ihren Kleidern doch ohnehin jeden Rahmen vergessen.

Und das ist eine verdammt gute Nachricht.

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