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Ein Karpfen in einer Pfanne.
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Ein Karpfen in einer Pfanne.

DER FR-ADVENTSKALENDER

Jetzt aber den Fisch auf den Tisch!

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Wie ein Karpfen über Jahrzehnte eine Familie zusammenhalten kann: Teil 17 unserer FR-Adventsgeschichten.

Seit ich denken kann, oder mich zumindest daran erinnere, gibt es bei meiner Familie an Weinachten zum Mittagessen Karpfen. Das war so als ich zwölf war, als ich sechszehn wurde und das ist auch noch jetzt mit 34 so. Es gibt aber keinen gewöhnlichen Karpfen, sondern den aus Thalberg. Das Nest kennen Sie nicht? Kein Wunder, diese Geschichte spielt im fernen Brandenburg, wo laut Landeshymne dunkle Kiefernwälder und märkischer Sand vorherrschen.

Mein Elternhaus liegt in der Kurstadt Bad Liebenwerda, vermutlich klingelt es da auch nicht bei Ihnen, aber da sprudelt ein ganz gutes Mineralwasser. Doch zurück zur Tradition und dem Weihnachtsmorgen. An dem setzen wir uns ins Auto und fahren die knapp fünf Kilometer bis zur Teichwirtschaft. Früher begleiteten uns Schnee oder Nebel, die Teiche links und rechts des Weges waren mitunter auch gefroren. Heute sind wir schon froh, wenn etwas Reif an den Blättern der Bäume haftet.

Weihnachtsrituale

Für die einen ist es die Gans an Heiligabend, für die anderen muss es „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Nachmittagsprogramm sein. Wir alle haben bestimmte Geschichten, Filme oder auch Rituale, die zu Weihnachten gehören – und ohne die unsere Adventszeit nur halb so festlich wäre. In diesem Jahr finden Sie im FR-Adventskalender nicht nur die beliebten persönlichen Geschichten, sondern hin und wieder auch Verlosungen. Viel Glück und auf jeden Fall: Frohes Fest! FR

Vor Ort suchen wir im Verkaufsraum einen Fisch aus. Je älter ich und mein Bruder wurden, desto größer musste der Fisch werden, um alle satt zu bekommen. Ist der passende Fisch im Kescher, geht es in die Plastikwanne, wo ein Stromschlag ihn betäubt. Danach wird er so aufgeschnitten, dass er ausblutet. Merkwürdig, dass das Fest der Geburt Jesu immer auch mit toten Tieren auf Tellern einhergeht.

Eine Rückfahrt später, zurück in der heimischen Küche, wird der Fisch ausgenommen. Anfangs von meinem Vater, später auch von mir und meinem Bruder. Der schlug irgendwann die Laufbahn Koch ein. Seitdem bereitet er Jahr für Jahr das Mittagessen an Weihnachten zu. Karpfen blau muss es sein – nicht gebacken, nicht gebraten. Dazu Apfel-Meerrettich, Kartoffeln und eine köstliche Soße.

Was heute so perfekt klingt, ist die Quintessenz aus vielen Jahrzehnten des Ausprobierens und Verfeinerns. Unvergessliche Fehlschläge gab es immer wieder. Mal war der Fisch zu klein, mal so groß, dass er nicht in den Topf passte. In einem Jahr waren wir unbedarft, legten den Karpfen ins heiße Wasser und machten den Deckel nicht drauf. Mit einem Satz war er wieder draußen, riss Lorbeerblätter und heißen Sud mit sich und tanzte noch ein paar Mal auf den weißen Fließen in der Küche.

Genutzt hat ihm der Fluchtversuch nix, er landete erst auf der Fischplatte auf dem Stubentisch und dann in unseren Mägen. Seither kommt sofort der Deckel drauf und wird festgehalten, bis keine Gefahr mehr besteht. Die Geschichte ist heute Anekdote und Mahnung zu gleich. Und wird mindestens einmal während des Mittagsschmauses zum Besten gegeben. Nach dem Essen bedanken wir uns auch beim Karpfen. Denn er macht uns nicht nur satt, sondern führt uns auch Jahr für Jahr zusammen – egal, wie viele Kilometer heute zwischen uns liegen.

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