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Familienvater Johannes Hentschel und seine Ehefrau Sabine mit ihrem Sohn Simon aufgenommen am 15. April 2009 im Jemen.
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Familienvater Johannes Hentschel und seine Ehefrau Sabine mit ihrem Sohn Simon aufgenommen am 15. April 2009 im Jemen.

Familie Hentschel

Im Jemen entführte Familie für tot erklärt

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Vor fünf Jahren wurde die sächsische Familie Hentschel im Jemen entführt. Das Auswärtige Amt gibt die Hoffnung auf, die Familie lebend wiederzufinden.

Fünf Jahre Hoffen und Bangen sind vorbei. Nun herrscht Gewissheit in Sachsen: Sabine und Johannes Hentschel sind tot. Ermordet irgendwo, irgendwann in der Geiselhaft jemenitischer Extremisten oder Verbrecher. Genau wird man es wohl nie wissen. Ein Schreiben des Auswärtigen Amtes beendete jüngst die Tragödie: „Gemäß hier vorliegendem zuverlässigen nachrichtendienstlichen Aufkommen wurden Johannes, Sabine und Simon Hentschel im Verlauf ihrer Entführung im Jemen getötet bzw. verstarben.“

Simon war der einjährige Sohn der Hentschels. Zusammen mit ihm, ihren Töchtern Lydia (10) und Anna (8) und einigen Freunden wollten die Eltern am 12. Juni 2009 nach der Arbeit in die Berge in der nordjemenitischen Provinz Saada fahren. Für ein Picknick. Die Kollegen, die zurückblieben, erinnern sich, dass die Hentschels beim Wegfahren vergnügt winkten – es wird ihr letztes Lebenszeichen sein. Nur die beiden Töchter der Entwicklungshelfer der christlichen Hilfsaktion „Worldwide Services“ am staatlichen Krankenhaus in Saada – sie Krankenschwester, er Haustechniker – überleben.

Lydia und Anna kamen 2010 unter immer noch unklaren Umständen frei. Gerüchten nach soll ein Spezialkommando des saudischen Geheimdienstes sie freigekauft oder befreit haben. Die beiden Mädchen wurden nach der Entführung wohl vom Rest der Familie getrennt. Bei ihrer Freilassung waren sie angeblich „herausgeputzt wie Prinzessinnen“, nannten sich Sarah und Fatima und sprachen Arabisch. Sie leben heute in der Familie eines Onkels in Sachsen. Ihr kleiner Bruder Simon erkrankte angeblich in der Gefangenschaft und starb. Die Mädchen berichteten später, er habe viel geweint. Eine Frau habe ihn genommen, dann sei sie weggefahren und ohne ihn wiedergekommen.

Drei andere Entführte der Picknick-Tour – zwei deutsche Krankenschwestern und eine südkoreanische Lehrerin – wurden in der Zwischenzeit erschossen aufgefunden. Von einem britischen Ingenieur fehlt weiter jede Spur, man vermutet, er sei auch tot.

Ermittlungen nach den Entführern oder eine juristische Klärung wird es wohl nie geben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weder 2009, gleich nach der Entführung, noch jetzt. Die Hintergründe der Entführung seien völlig unklar, Ansatzpunkte für ein Verfahren demnach nicht für die Behörden auszumachen. Ein terroristischer Hintergrund konnte 2009 nicht hinreichend belegt werden und sei es heute auch nicht, so ein Behördensprecher.

Die Hentschels waren nicht die ersten Deutschen, die im Jemen entführt wurden. Prominentestes Opfer war der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog, der mit Frau und drei erwachsenen Söhnen im Dezember 2005 verschleppt wurde, aber körperlich unversehrt wieder frei kam.

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