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Blick auf das New Yorker Metropolitan Correctional Center, in dem Jeffrey Epstein Suizid begang.

Jeffrey Epstein

Die Nacht, in der Jeffrey Epstein starb: Viele Fragen bleiben offen

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Nach dem Suizid von Jeffrey Epstein in einem Gefängnis in New York gibt es erste Anklagen gegen Gefängniswärter. 

Michael Thomas und Tova Noel hassten die Nachtschichten im New Yorker Metropolitan Correctional Center regelrecht, dem Hochsicherheitsgefängnis im Süden von Manhattan. Sie waren von beinahe einschläfernder Langeweile geprägt, gepaart mit einer unwirtlichen Umgebung aus Waschbeton und Neonlicht.

So machten die beiden Gefängniswärter es sich so bequem, wie nur eben möglich. Sie surften im Internet, schauten etwa nach neuen Motorradteilen oder Möbeln, schauten sich die Sportnachrichten an, dösten auch mal ein wenig.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die beiden gerade ihr Nickerchen hielten, um halb vier Uhr morgens, nahm der prominenteste Häftling in ihrem Trakt, Jeffrey Epstein, sein Bettlaken, band es an sein Stockbett und ließ sich so heftig fallen, dass sein Genick brach. Als Noel und Thomas um 6.30 Uhr am Morgen ihre Runden machten, fanden sie Epstein tot auf seinem Zellenboden.

Tod von Jeffrey Epstein: Zwei Gefängniswärter angeklagt

Der Suizid von Jeffrey Epstein, dem New Yorker Financier, der in Haft saß, weil er prominenten Geschäftsfreunden minderjährige Mädchen zum Sex zugeführt hatte, wird Thomas und Noel nun zum Verhängnis. Am Dienstag (19.11.) wurden sie in New York wegen einer grober Vernachlässigung ihrer Dienstpflicht, sowie wegen der Fälschung von Dienstpapieren angeklagt.

Der Trakt, in dem Noel und Thomas in jener Nacht Dienst taten, war ein Gefängnisbereich der höchsten Sicherheitsstufe. Laut Dienstprotokoll hätten die beiden alle 30 Minuten nach den Gefangenen schauen müssen, auch nach Epstein. Doch zwischen 22.30 und 6.30 Uhr sind sie nicht ein einziges Mal von ihrem bequemen Sessel aufgestanden. In ihr Dienstprotokoll schrieben sie jedoch, dass sie vorschriftsmäßig ihre Runden gedreht hätten.

Die Anklagen gegen Noel und Thomas zu Beginn dieser Woche sind das erste handfeste Ergebnis einer von drei strafrechtlichen Untersuchungen des Todes von Jeffrey Epstein, die Justizminister William Barr nach Epsteins Tod im August dieses Jahres angeordnet hatte. In dem Untersuchungsgefängnis, in dem Epstein untergebracht war, so Barr, habe es „ernsthafte Unregelmäßigkeiten gegeben“.

Tod von Jeffrey Epstein: Insgesamt 15 Angestellt des Gefängnisses vor Gericht

15 Angestellte des Gefängnisses wurden in dieser Woche vor Gericht geladen, Noel und Thomas waren die ersten, gegen die eine Anklage erhoben wurde. Weitere werden zweifelsohne folgen. Die Nachlässigkeit der beiden Wärter war nur eine der Unregelmäßigkeiten in dem Gefängnis, in dem Jeffrey Epstein starb.

Sie erklärt, wie er es schaffte, in einem so eng bewachten Zellentrakt Suizid zu begehen. Doch es bleiben viele Fragen offen. So hatte Jeffrey Epstein bereits am 23. Juli in seiner Zelle einen Suizidversuch unternommen.

Jeffrey Epstein war allein in seiner Zelle

Er wurde danach sogar in eine gläserne Zelle verlegt, in der Insassen rund um die Uhr bewacht werden können. Solche Zellen stellen eine reine Folter dar. Das Licht ist 24 Stunden lang angeschaltet, die Häftlinge sind bis auf einen groben Umhang, der nicht zu einer Schlinge geknüpft werden kann, nackt. Der Raum hält bis auf das eiserne Liegegestell keine Einrichtung breit.

Epstein wurde nach nur sechs Tagen aus dieser Zelle wieder in eine normale Zelle verlegt, obwohl die Suizidgefahr noch lange nicht ausgeschlossen werden konnte. Hinzu kommt, dass nur einen Tag vor seinem Tod sein Zellengenosse verlegt wurde. Epstein war, entgegen der Vorschriften, alleine in seiner Zelle.

Jeffrey Epstein - Schlechter Zustand Tage vor dem Tod

Prinz Andrew legt nach seinem umstrittenen TV-Interview zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der Epstein-Affäre seine öffentlichen Aufgaben als Mitglied des Königshauses nieder.

In den Tagen vor seinem Tod, das berichtete die „New York Times“ nach Interviews mit Angestellten des Gefängnisses, habe sich der Zustand von Epstein verschlechtert. Er habe die Hygiene vernachlässigt und auf dem Boden anstatt auf seiner Matratze geschlafen. Die Treffen mit seinen Rechtsanwälten zogen sich über den ganzen Tag hin, nur, damit Epstein nicht in die Zelle zurück musste.

Die Verteidiger von Thomas und Noel, die auf eine außergerichtliche Einigung hoffen, versuchen nun als mildernde Umstände die schlechte Personallage im Gefängnis geltend zu machen. Beide Wärter hatten massiv Überstunden abgeleistet. Thomas war eigentlich bereits im Ruhestand, schob jedoch wegen der Personalnot freiwillige Schichtdienste.

Tod von Jeffrey Epstein: Gefängnis war unterbesetzt

Auch in der Nacht, in der Epstein starb, war das Gefängnis unterbesetzt. 18 Wärter waren im Dienst, um 750 Insassen zu bewachen. 10 von ihnen, darunter die beiden Wärter, die für Epstein zuständig waren, leisteten Überstunden.

Die Personalprobleme im Manhattaner Untersuchungsgefängnis sind symptomatisch für die Probleme in vielen Bundesgefängnissen. Wegen Budgetkürzungen durch die Trump-Regierung sind Bundesgefängnisse in den gesamten USA gefährlich unterbesetzt. Fast überall werden ungelernte Aushilfen beschäftigt. Die Situation ist in vielen Gefängnissen bedrohlich geworden.

Krude Verschwörungstheorien, die nach Epsteins Tod kursierten, werden mittlerweile allerdings ausgeschlossen. Die Obduktion ergab eindeutig Suizid. Auch, dass die beeidete Aussage der beiden Wärter vor Gericht nun Hintermänner zutage fördert, ist eher unwahrscheinlich.

Hilfe für Betroffene

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Hilfe bietet auch der Krisendienst Frankfurt unter 069-611375. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.bsf-frankfurt.de.

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