+
Ungeduldig: Marlène Schiappa drängt Frankreichs Justiz, Ermittlungen aufzunehmen. 

Jeffrey Epstein

Die „French Connection“: Epstein-Affäre erreicht Frankreich

  • schließen

Vertreter der französischen Regierung verlangen eine Untersuchung über die Ableger der Epstein-Affäre in der Pariser Modeszene.

Staatssekretärin Marlène Schiappa und ihr Ministerkollege Adrien Taquet drängen die französische Justiz, Ermittlungen in der Affäre Epstein zu starten. „Es scheint uns wesentlich, dass eine Untersuchung eröffnet wird, um Licht in die Affäre zu bringen“, erklärten die beiden Regierungsmitglieder in Paris. „Der Tod von Herr Epstein darf die Opfer nicht um die Gerechtigkeit bringen, auf die sie Anspruch haben. Sie ist die Bedingung für den inneren Wiederaufbau und ihren Schutz“, meinte Schiappa, die unabhängig von der Affäre im Herbst ein Gesetz gegen sexuelle Gewalt vor das französische Parlament bringen will.

Warum gerade die Stadt Paris in der Epstein-Affäre aktiv werden soll, deutete Schiappa nur an: US-Ermittlungen hätten „Bezüge zu Frankreich“ ans Tageslicht gebracht, meinte sie. Pariser Medien nennen auch Namen, etwa den des Modelagenten Jean-Luc Brunel. Er ist einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, spielte aber in der Modebranche seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle und lancierte über seine selbst gegründeten Agenturen auch bekannte Topmodels wie Jerry Hall. 

Jean-Luc Brunel besuchte Epstein offenbar Dutzende Male im Gefängnis

Das australische Ex-Mannequin Zoë Brock hatte 2017 schriftlich behauptet, Brunel habe sie in den neunziger Jahren noch als Minderjährige unter Drogen gesetzt und versucht, mit ihr Sex zu haben. Als enger Freund Epsteins – Brunel besuchte ihn offenbar Dutzende Male im amerikanischen Gefängnis – habe er diesem mehrere Mädchen im Alter von zwölf bis 24 Jahren in die USA vermittelt.

Pariser Medien zitieren ferner aus dem Buch „Der schreckliche Handel mit schönen Frauen“ des Journalisten Michael Gross. Darin gaben Vertreter der Modebranche bereits 1995 zu Protokoll, Brunel sei eine „Gefahr“ für die Models, weil er „Drogen und stumme Vergewaltigung“ möge. Brunel hatte die Vorwürfe schon beim ersten Epstein-Prozess 2015 „kategorisch“ bestritten und erklärt, er habe „weder direkt noch indirekt an den Herrn Jeffrey Epstein zur Last gelegten Handlungen teilgenommen“.

Epsteins Hauptanklägerin Virginia Roberts Giuffre hatte bei ihrer Einvernahme im Jahr 2016 nicht nur Einzelpersonen belastet, sondern auch erklärt, Brunel scheine „über ein Arrangement mit der amerikanischen Regierung verfügt zu haben“, um für die Mädchen Reisedokumente zu erhalten.

Staatsanwaltschaft prüft mögliche Untersuchung

In Paris wird diese „French Connection“ fast schamvoll diskret behandelt. Nur wenige Modemagazine wie „Marie Claire“ brechen nach eigenen Worten das frühere „Gesetz des Schweigens“. Fast scheint es, als ginge vielen Beteiligten erst jetzt auf, welche Verhältnisse hinter den Kulissen der Pariser Modeszene zumindest noch vor 20 und 30 Jahren geherrscht hatten.

In der französischen Regierung herrscht offenbar keine Einigkeit über das weitere Vorgehen. Ohne sich explizit auf das Prinzip der Gewaltentrennung zu berufen, erklärte Justizminister Nicole Belloubet, es liege nicht an der Exekutive, ein Justizverfahren in Gang zu setzen. Unabhängig davon ließ die französische Staatsanwaltschaft verlauten, sie prüfe, ob sie eine Untersuchung einleiten werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion