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Schweres Erdbeben erschüttert Fukushima: Druck in Atomreaktor-Sicherheitsbehälter gesunken

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Von: Isabel Wetzel, Nail Akkoyun, Sarah Neumeyer

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Ein starkes Erdbeben hat das japanische Fukushima erschüttert. Mehrere Menschen sind bei dem Beben ums Leben gekommen, zahlreiche verletzt worden.

Update vom Donnerstag, 17.03.2022, 11.32 Uhr: Das starke Erdbeben im japanischen Fukushima hat mindestens vier Todesopfer gefordert und beträchtliche Schäden angerichtet. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden, berichtete der Fernsehsender NHK am Donnerstag. In der Atomruine Fukushima sei der Druck im Sicherheitsbehälter eines der drei zerstörten Reaktoren abgefallen. Der Betreiber Tepco sei dabei, die Ursache zu ermitteln. Die Messstationen auf dem Gelände des fast auf den Tag genau vor elf Jahren durch ein schweres Erdbeben und einen gewaltigen Tsunami havarierten Kernkraftwerks zeigten aber keine erhöhten Strahlenwerte.

Eine zunächst ausgegebene Warnung vor einem einen Meter hohen Tsunami wurde am frühen Morgen (Ortszeit) aufgehoben. In mehr als 2,2 Millionen Haushalten fiel zwischenzeitlich der Strom aus, allein in Tokio waren rund 700.000 betroffen. Die Regierung von Ministerpräsident Fumio Kishida schickte das Militär in den Nordosten Japans, um wegen unterbrochener Wasserleitungen bei der Trinkwasserversorgung mitzuhelfen.

Menschen räumen eine Straße frei, die von eingestürzten Mauern eines Gebäudes bedeckt ist. Bei dem starken Erdbeben im Raum Fukushima sind mehrere Menschen ums Leben gekommen oder verletzt worden.
Menschen räumen eine Straße frei, die von eingestürzten Mauern eines Gebäudes bedeckt ist. Bei dem starken Erdbeben im Raum Fukushima sind mehrere Menschen ums Leben gekommen oder verletzt worden. © dpa

Schweres Erdbeben in Fukushima: Kühlsystem für die Abklingbecken in zwei Atomreaktoren stoppte

Im Reaktorblock 1 der Atomruine Fukushima, wo sich in Folge der Kernschmelze vor elf Jahren noch geschmolzener Brennstoff befindet, sei der Druck im Sicherheitsbehälter unmittelbar nach dem Beben gestiegen und dann bis unter den Stand von vor dem Erdbeben gefallen, meldete NHK. Da die Überprüfung des Vorfalls Zeit benötige, sei der geplante Einsatz eines weiteren Roboters zum Aufspüren des vor elf Jahren geschmolzenen Brennstoffs in dem Reaktor verschoben worden, hieß es. Der Reaktorblock 1 ist einer von drei Reaktorblöcken, die bei der Tsunami-Katastrophe vom 11. März 2011 zerstört worden waren.

Die Regierung hatte zunächst von keinen neuen Unregelmäßigkeiten gesprochen. Doch auch das Kühlsystem für die Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente in den Reaktoren 2 und 5 stoppte in Folge der starken Erschütterungen vorübergehend, wie lokale Medien unter Berufung auf den Betreiber weiter meldeten. Auch ein Kühlsystem in einem Abklingbecken im zweiten Atomkraftwerk Fukushima Daini zwölf Kilometer südlich der Atomruine fiel aus, konnte aber ebenfalls wieder aktiviert werden. Ebenso sei das Kühlsystem für abgebrannte Brennelemente im Kernkraftwerk Onagawa in Miyagi betroffen gewesen. Im Turbinengebäude des Reaktors Nr. 5 der Atomruine Fukushima Daiichi ging ein Feueralarm los, es seien aber keine Anomalien festgestellt worden, versicherte die Atomaufsichtsbehörde.

Schweres Erdbeben erschüttert Fukushima: Es gibt Tote und viele Verletzte

Update vom Donnerstag, 17.03.2022, 07.05 Uhr: Bei dem schweren Erdbeben in Fukushima in Japan ist eine Katastrophe wie vor elf Jahren ausgeblieben – dennoch wird das Ausmaß der Zerstörungen in der Region nun nach und nach sichtbar. Den Angaben der japanischen Behörden zufolge sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. 107 Menschen erlitten Verletzungen. Ob die Todesfälle eine direkte Folge des Bebens der Stärke 7,4 seien, werde aktuell noch geprüft, sagte Regierungssprecher Hirokazu Matsuno am Donnerstag (17.03.2022). Die Meteorologische Behörde gab die Stärke zunächst mit 7,3 an, korrigierte sie später jedoch auf 7,4 nach oben.

In der Atomruine in Fukushima gab es nach Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde keine größeren Unregelmäßigkeiten. In der Atomruine in Fukushima war infolge des Bebens in der Nacht zum Donnerstag Feueralarm ausgelöst worden. Einen Brand habe es aber nicht gegeben, versicherte die Atomaufsichtsbehörde. Ein ausgefallenes Kühlsystem in einem Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe des zweiten Atomkraftwerks Fukushima Daini zwölf Kilometer südlich der Atomruine konnte wieder aktiviert werden.

Ein beschädigtes Haus ist nach einem Erdbeben in der Präfektur Fukushima zu sehen: Das Erdbeben hat erhebliche Zerstörung hinterlassen – die große Katastrophe blieb jedoch aus.
Das Erdbeben an der japanischen Küste vor Fukushima hat erhebliche Zerstörung hinterlassen – die große Katastrophe blieb jedoch aus. © Kyodo News/dpa

Heftiges Erdbeben in Japan: Millionen Haushalte ohne Strom – Infrastruktur zerstört

Das starke und ungewöhnlich lang andauernde Erdbeben war auch in anderen Teilen Japans, unter anderem im 250 Kilometer entfernten Tokio, zu spüren. In mehr als 2,2 Millionen Haushalten des Landes fiel zwischenzeitlich der Strom aus, allein in Tokio waren demnach rund 700.000 Haushalte betroffen. Mittlerweile ist der Stromausfall nach Angaben des Betreibers behoben worden. 4300 Haushalte hatten zwischenzeitlich zudem kein fließendes Wasser.

Durch die Erschütterungen entstanden tiefe Risse in Autobahnen, in Läden fielen Waren aus den Regalen. Der japanische Fernsehsender NHK zeigte am Donnerstag Bilder von teils schwer beschädigten Häusern und Schreinen. Durch das Beben entgleiste auch ein Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug - die rund 100 Passagiere an Bord des Shinkansen blieben laut Medienberichten jedoch unverletzt.

Die Wetterbehörde hatte auch vor hohen Tsunami-Wellen gewarnt. Die Warnung wurde allerdings am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) wieder aufgehoben, nachdem an der Pazifikküste nur relativ kleine Flutwellen von etwa 20 bis 30 Zentimetern Höhe registriert worden waren.

Schweres Erdbeben in Fukushima: Behörden warnen vor Tsunami

Update vom Mittwoch, 16.03.2022, 19.52 Uhr: Das Zentrum des neuen Erdbebens in Japan mit einer Stärke von 7,3 hat nach Angaben des Potsdamer Geoforschungszentrums (GfZ) fast genau unterhalb von Fukushima gelegen, wo sich vor elf Jahren die schwere Atomkatastrophe ereignete. „Für japanische Verhältnisse ist es mittelgroß“, sagte der Seismologe Marco Bohnhoff gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Zwar sei das Beben in mehr als 50 Kilometern Tiefe wesentlich schwächer gewesen als das von 2011 mit einer Magnitude von über 9. Es werde aber erhebliche Erschütterungen verursacht haben: Er erwarte Erschütterungen von 8 bis 9 auf einer Skala von 1 bis 12, erklärte der Wissenschaftler.

Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in der Präfektur Fukushima. (Archivbild)
Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in der Präfektur Fukushima. (Archivbild) © dpa

Es sei kein unerwartetes Ereignis, betonte Bohnhoff. Die pazifische-ozeanische Erdplatte schiebe sich unter Japan, dieser Prozess werde aufgehalten, wenn sich die Platten verhakten. Dann sammele sich im Laufe von Jahren bis zu Jahrhunderten Energie, die sich schlagartig entlade. Es sei nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich, dass jetzt unmittelbar noch ein größeres Beben folge.

Erdbeben in Fukushima: Unklar, ob es Schäde in der Atomruine gibt

Erstmeldung vom Mittwoch, 16.03.2022, 16.04 Uhr: Fukushima – Ein starkes Erdbeben hat am späten Mittwochabend (Ortszeit) Fukushima erschüttert. Japans Meteorologische Behörde gab eine Warnung vor einem Tsunami für die Präfekturen Fukushima und Miyagi aus. Ob es in der Atomruine in Fukushima Schäden gab, war zunächst nicht bekannt.

Das lang anhaltende Beben der Stärke 7,3 ereignete sich kurz vor Mitternacht (Ortszeit), fast auf den Tag elf Jahre, nachdem die Region im Nordosten des asiatischen Inselreiches von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 9 und einem dadurch ausgelösten gewaltigen Tsunami verwüstet worden war. Das Beben vom Mittwoch (16.03.2022) war auch im rund 300 Kilometer entfernten Tokio zu spüren.

Japan: Starkes Erdbeben der Stärke 7,3 erschüttert Fukushima

Die Wetterbehörde warnte vor einer bis zu einem Meter hohen Flutwelle. In Fukushima kam es zu Stromausfällen, berichteten örtliche Medien. Die Regierung in Tokio richtete einen Notfallstab ein. Das schwere Beben im Nordosten weckte schlagartig Erinnerungen an die verheerende Katastrophe vor elf Jahren. Eine gigantische Flutwelle hatte sich an jenem 11. März 2011 an der Pazifikküste aufgebäumt und alles niedergewalzt: Städte, Dörfer und riesige Anbauflächen versanken in den Wasser- und Schlammmassen.

Rund 20.000 Menschen riss die Flut damals in den Tod. In Fukushima kam es in der Folge im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu einem Super-GAU*. Er wurde in aller Welt zum Sinnbild der „3/11“ genannten Dreifach-Katastrophe - auch wenn keiner der Todesfälle auf die Strahlung zurückgeführt wird. Der Betreiber Tepco prüfe, ob es durch das erneut starke Beben zu Unregelmäßigkeiten kam, hieß es in der Nacht zum Donnerstag. Japan ist eines der am stärksten von Erdbeben gefährdeten Länder der Welt. Japan liegt wie auch Indonesien im „Ring of Fire“, einer Region um einen Großteil des Randes des Pazifischen Ozeans, in der Vulkanausbrüche und Erdbeben häufig sind. Vor wenigen Tagen kam es in Indonesien zu einem starken Erdbeben. (sne/nak/iwe mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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