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Zwergwale ? hier im Hafen von Kushiro - könnten getrost wieder gefangen werden, meint die japanische Regierung.

Walfangkommission

Japan bläst zur Jagd auf Wale

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Das Land steigt aus der Internationalen Walfangkommission aus, um wieder kommerziell Jagd auf Wale zu betreiben. Dabei gilt Walfleisch selbst in Japan als Nischenprodukt. Umweltschützer reagieren bestürzt.

Die japanische Regierung hat genug. Nicht reformierbar sei diese Behörde, klagten Regierungsvertreter. Die Internationale Walfangkommission (IWC) sei zu einem reaktionären Verbotsverwalter verkommen, klammere sich an alte Zahlen, um ihr seit 32 Jahren geltendes Moratorium gegen kommerziellen Walfang aufrechtzuerhalten.

Das habe sich zuletzt wieder daran gezeigt, dass Japans Antrag für eine Aufhebung des Fangverbots von der Kommission abgelehnt wurde: Nur 27 Mitgliedsländer stimmten dafür, 41 waren dagegen. Die japanische Sicht ist deutlich: Mit dieser Ablehnung blockiere die IWC nicht nur eine Anpassung an neue Umstände, sie verrate sogar ihre eigenen Ideale. Schließlich befürworte der Vertrag laut Statuten einen nachhaltigen Fang von Walen.

Am Mittwoch zog Japans Regierung Konsequenzen. Das ostasiatische Land verlässt den internationalen Vertrag, dem es für 67 Jahre angehört hat, ab 2019 gehört es der IWC nicht mehr an. Die Jagd zu Geschäftszwecken soll ab Juli wieder aufgenommen werden. Man werde sich aber auf Japans territoriale Gewässer und exklusive Wirtschaftszone beschränken.

Die Begründung: Die Populationen einiger Walarten hätten sich in den vergangenen Jahre wieder stabilisiert, ein gänzlicher Fangstopp sei daher längst nicht mehr nötig, bloß noch politisch motiviert. Japans Verhandlungsführer Hideki Moronuki sagte: „Bei der letzten Kommissionssitzung haben wir festgestellt, dass der Neustart des Walfangs weder aus wissenschaftlichen noch irgendwelchen anderen Gründen abgelehnt wurde, sondern einfach nur, weil diese Nationen dagegen sind.“

Kaum Appetit auf Walfleisch

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verurteilte die Entscheidung: Die Regierung müsse dringend handeln, um maritime Ökosysteme zu schützen statt kommerziellen Walfang wiederaufzunehmen, so ein Sprecher. Auch Australien übte Kritik. Ihre Regierung sei „extrem enttäuscht“, sagte die australische Umweltministerin Melissa Price.

Laut der japanischen Regierung sind es insbesondere Zwergwale, die fortan wieder gefangen werden könnten, ohne dass deren Überleben als Spezies gefährdet wäre. Dabei wurden diese in letzter Zeit ohnehin gejagt. Seit dem Moratorium ab 1986, das den Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken ausgeklammert hatte, stachen japanische Schiffe immer wieder mit der Flagge der Forschung in See und führten so den Walfang de facto fort.

Was jahrelang von Nichtregierungsorganisationen und mehreren der IWC-Mitgliedsländer kritisiert wurde, erklärte im Frühjahr 2014 auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag für rechtswidrig. Die 200 bis 1200 Wale, die jedes Jahr in der Antarktis gefangen wurden, stünden in keinem Verhältnis zu möglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen. In Japan wurde dieses Urteil weitgehend ignoriert. Nun, mit dem Ausstieg aus der IWC, könnten die Zahlen wieder stark ansteigen; im Jahr vor dem Moratorium 1986 hatten japanische Schiffe noch 2600 Tiere gefangen.

Nur noch wenige Japaner essen Walfleisch

Dabei haben japanische Konsumenten längst kaum noch Appetit auf das Fleisch. Laut Umfragen hat eine klare Mehrheit aller Japaner in den vergangenen zwölf Monaten kein einziges Mal Walfleisch gegessen. Beliebt war das Fleisch kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als es im Land an anderen Lebensmitteln mangelte. Die Generationen, die später zur Welt kamen, verbinden mit Walfleisch eher Armut als Luxus.

Zwar finden sich auch heute Restaurants in Japan, die Walfleisch roh als „sashimi“ oder frittiert als „karaage“ anbieten, allerdings sind dies Nischenprodukte. Dies zeigte sich auch in einer Studie der Nichtregierungsorganisation International Fund for Animal Welfare von 2013, die auf offiziellen Zahlen des japanischen Fischereiministeriums beruhte. Die Untersuchung ergab, dass die politisch gut vernetzte Walfangbranche seit Jahren Verluste machte und maßgeblich von Steuergeldern am Leben gehalten wurde. Während die Zahl der Walfleisch essenden Verbraucher über die Jahre tendenziell gesunken war, stiegen die Subventionen.

Ab nächstem Jahr könnten die Kosten für den Steuerzahler also weiter steigen. Ob dadurch aber der Appetit für das Fleisch steigt, ist ungewiss. Kaum fraglich ist allerdings, dass selbst ohne gestiegene Nachfrage bald wieder mehr Tiere sterben werden.

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