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Jacob Zuma 2017 mit Thobeka Madiba-Zuma.

Südafrika

„Jahre der Hölle“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In seiner Zeit als Präsident Südafrikas hatte Jacob Zuma gleich mehrere Ehefrauen und Verlobte. Diese bezichtigen ihn nun, seinen Unterhaltszahlungen nicht nachzukommen.

Das Sammeln von Ehefrauen mag für ihn selbst einst eine Freude gewesen sein – nun verkommt die Auflösung der Vielehe zum Trauerspiel. Der südafrikanische Ex-Präsident Jacob Zuma hat es zu seinen Hochzeiten auf vier parallel verlaufende Ehen gebracht, abgesehen von einer geschiedenen und einer verstorbenen Gattin. Doch die meisten seiner Lebensbünde werden derzeit wieder aufgelöst. Denn der 78-jährige Patriarch meint, sich die kostspieligen Verbindungen nicht mehr leisten zu können. Ob das stimmt, ist eine andere Frage.

Bei seiner Amtseinführung 2009 hatte Jacob Zuma das Staats-Protokoll in Aufregung versetzt: Der traditionelle Zulu war der erste Präsident Südafrikas, der mit mehr als einer Ehefrau in die offizielle Residenz in Pretoria einzog. Der Titel „First Lady“ musste präzisiert werden. Es gab damals eine First Lady Eins und eine First Lady Zwei, später kamen noch zwei weitere First Ladies hinzu. Zuma hatte seinen erweiterten Haushalt nach außen im Griff. Obwohl der virile Staatschef zumindest zwei uneheliche Kinder zeugte, kam es dadurch zu keinen Skandalen.

Für seine amourösen Abenteuer war Zuma bereits in seiner Zeit als Befreiungskämpfer berüchtigt. Sein damaliger „Comrade“ Ronnie Kasrils weiß von so mancher Affäre zu berichten, die dem Chef der Inneren Sicherheit des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Zudem habe ihn der Unterhalt seiner wachsenden Großfamilie vor immer größere finanzielle Herausforderungen gestellt.

Und für seine dritte Ehefrau Kate Mantsho, mit der er gemeinsam fünf Kinder hatte, seien es an Zumas Seite „Jahre der Hölle“ gewesen. Das schrieb sie in ihrem Abschiedsbrief. Mantsho brachte sich nach 18 Ehejahren um. Sie verfügte zudem, dass ihr Gemahl der Beerdigung fernbleiben solle.

Später, wenige Jahre vor seinem Amtsantritt, musste sich Zuma dann dem Vorwurf der Vergewaltigung erwehren. Er hatte mit der 32 Jahre jüngeren Tochter eines Freundes geschlafen, die den Akt – anders als er – nicht als freiwilligen verstanden hatte. Auf die Frage des Richters, wie er sich vor der HIV-Infektion der bekannten Aids-Aktivistin geschützt habe, antwortete Zuma: „Ich habe anschließend heiß geduscht“. Vom Vorwurf der Vergewaltigung sprach ihn der Richter frei.

Zur Hochform lief der polygame Patriarch als Staatspräsident auf. Zu seinen bis dato zwei simultanen Gemahlinnen legte er sich zwei weitere zu, und noch zwei weitere Partnerinnen galten als Verlobte. Die Zahl seiner Kinder – ehelich und unehelich – stieg auf mehr als 20 an. Zumindest musste sich das Haupt der Großfamilie keine Geldsorgen mehr machen. Er plünderte die Staatskasse, gemeinsam mit den drei Gupta-Brüdern. In deren Unternehmen waren auch zwei von Zumas Söhnen und eine Ehefrau integriert.

Ein weiteres mal geriet der Segen des Zuma-Hauses mit Ehefrau Nompumelelo Ntuli in Schieflage, als deren Bodyguard und angeblicher Geliebter tot in der Badewanne aufgefunden wurde. Die schwangere „MaNtuli“ musste die Schande mit einer Ziege begleichen. Doch die Versöhnung gelang nicht. Wenig später warf ihr Zuma vor, ihn vergiftet zu haben. Der Präsident erkrankte während eines US-Besuchs, Ärzte sollen eine Vergiftung diagnostiziert haben. Obwohl sie den Vorwurf bestritt, musste Ntuli aus Nkandla – Zumas privatem Landsitz – ausziehen. Jedoch ließ die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen sie fallen - die Vorwürfe seien zu vage, hieß es. Heute nagt die zweite First Lady mit ihren drei Kindern am Hungertuch.

Wirklich ungemütlich wurde es in Nkandla, seit Zuma vor zweieinhalb Jahren aus dem Amt entlassen wurde. Eine seiner Verlobten, die mehr als 50 Jahre jüngere Nonkanyiso Conco, bezichtigt den Ex-Präsidenten, seinen Unterhaltszahlungen nicht nachzukommen. Derselbe Vorwurf, den auch Gemahlin Nummer sechs, Thobeka Madiba, erhebt. Vor Gericht sprach sie kürzlich von ihrem „emotionalen Leiden“ im Zuma-Haushalt. Als es zum Krach um eine Telefonkarte kam, habe sie der Hausherr aus Nkandla verbannt.

Der Ex-Präsident selbst hält sich nach eigenen Worten „mit dem Verkauf meiner Socken“ über Wasser. Derartige Behauptungen seien aber vor dem Hintergrund der zahlreichen ihn erwartenden Gerichtsverfahren zu sehen, sagen Experten - sie gehen davon aus, dass die Schätze des korrupten Ex-Staatschef über ein weites Netzwerk verstreut sind. Der Patriarch will offenbar selber entscheiden, wer davon profitieren kann. Es sei denn, die Richter sehen das anders.

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