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Frisch verheiratet: Andrew Wale und Neil Allard in Brighton.
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Frisch verheiratet: Andrew Wale und Neil Allard in Brighton.

Homo-Ehe in Großbritannien

Ja-Wort um Mitternacht

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
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In Großbritannien haben Homosexuelle seit dem Wochenende das Recht zu heiraten. Zwar gilt das neue Gesetz bisher nur in England und Wales, aber auch in Schottland darf ab dem kommenden Sommer geheiratet werden.

Um Mitternacht sind Andrew Wale (49) und Neil Allard (48) am Samstag in der englischen Küstenstadt Brighton vor den Standesbeamten getreten. Sie nutzten die erste Gelegenheit, als sich mit dem Glockenschlag die Gesetzeslage änderte. „Ich bin froh, dass wir jetzt von Ehe reden können“, sagte Wale, ein Theaterregisseur: „Es gibt keine Gleichberechtigung, solange wir für dieselbe Sache einen anderen Namen verwenden müssen.“

Wie Wale und sein Partner Allard, so haben sich am Wochenende überall in England und Wales homosexuelle Paare trauen lassen. Das britische Parlament hatte im letzten Jahr den Weg für gleichgeschlechtliche Ehen freigemacht, und zu Feier des Tages wurden am 29. März vielerorts die Standesämter schon nachts geöffnet. „Wir sind ein Land, das seine stolze Tradition des Respekts, der Toleranz und der gleichen Wertschätzung für alle fortsetzt“, schrieb der konservative Premierminister David Cameron in einem Beitrag für die Zeitschrift „Pink“, ein Homosexuellen-Magazin: „Wenn die Liebe der Menschen durch das Gesetz entzweit wird, dann ist es das Gesetz, das sich ändern muss.“

Camerons Bündnis-Partner Nick Clegg, der Parteichef der Liberaldemokraten, erinnerte an junge Männer und junge Frauen, die vor dem Coming-out ständen, aber möglicherweise das Urteil der Gesellschaft fürchteten: „Wenn sich nur Einer durch die Gesetzesänderung sicherer und gestärkter fühlt“, sagte er, „dann hat sich die Regierungskoalition für mich gelohnt.“

Bisher nur England und Wales

Bereits 2005 wurde im Vereinigten Königreich die eingetragene Lebensgemeinschaft eingeführt: Damals gingen die Bilder von Elton John und seinem Partner David Furnish um die Welt, die als eines der ersten Paare eine solche „civil partnership“ eingingen.

Das neue Gesetz führt darüber hinaus: Denn Großbritannien folgt nun Staaten wie den Niederlanden, Spanien, Schweden, Portugal oder Brasilien, die ebenfalls die Homo-Ehe in vollem Umfang der traditionellen Ehe von Mann und Frau gleichsetzen. Auch vor den Altar zu treten, ist für Schwule und Lesben von nun an möglich. Freilich haben die Kirchen hier das letzte Wort. Die Church of England, die anglikanische Staatskirche, gestattet kirchliche Trauungen noch nicht.

Bisher sind die neuen Regelungen nur in den Landesteilen England und Wales wirksam. In Schottland hat das Regionalparlament zwar ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, aber heiratswillige schwule und lesbische Paare im Norden der Insel müssen sich noch bis zum Sommer gedulden. In Nordirland, das noch immer konfessionellen Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken erlebt, wird das Thema als politisch zu heikel betrachteten.

Die Zeitung „The Times“ nannte die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe eines der seltenen Gesetze, die den Steuerzahler wenig kosten und die Menschheit insgesamt ein bisschen glücklicher machen. Gleichwohl waren erhebliche Widerstände zu überwinden, ehe dieses Gesetz im vergangenen Jahr die Hürde des Parlaments nehmen konnte.

Aufschwung für die Wirtschaft

Die Hälfte der Tories stimmte dagegen, und der konservative Premier Cameron war auf die Hilfe seines liberalen Koalitionspartners und der Labour-Partei angewiesen. Ein mittlerweile suspendierter Gemeinderat der rechtspopulistischen UKIP-Partei ging so weit, Naturkatastrophen wie Überschwemmungen mit dem „arroganten Hinwegsetzten über das Evangelium“ in Zusammenhang zu bringen.

Nun aber hat sogar der Erzbischof von Canterbury signalisiert, dass die anglikanische Kirche ihren Segen zur Homoehe geben könnte: „Das Gesetz hat sich geändert, wir akzeptieren das“, sagte das Kirchenoberhaupt. Bisher dürfen anglikanische Pfarrer keine gleichgeschlechtlichen Trauungen vornehmen, und die Kirchenführung hat homosexuellen Priestern die Heirat untersagt.

Der Herausgeber der Zeitschrift „Pink“, Benjamin Cohen, sah die Sache in einem anderen Licht und verwies auf all die Hotels, Restaurants und Fotografen, die nun in England und Wales zusätzlich profitieren: „Was immer man von Homosexuellengleichstellung galten mag“, erklärte er: „Jeder sollte sich über den damit verbundene Aufschwung für die Wirtschaft freuen.“

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