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Im Mai war Ivan Milat ins Hospital von Sydney verlegt worden.

Australien

„Das ist, was Milats machen“

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Der australische Serienmörder Ivan Milat ist im Gefängnis gestorben – ohne je ein Geständnis abgelegt zu haben.

Seine Briefe aus dem Gefängnis unterschrieb Ivan Milat mit „Ivan, der Unschuldige“. Dabei sind die Beweise, die die Polizei fand, erdrückend. Doch selbst am Sterbebett gestand der schlimmste Massenmörder Australiens seine Taten nicht. Als er am Wochenende an den Folgen einer Krebserkrankung im Gefängnis Long Bay in Sydney verstarb, nahm er seine Geheimnisse mit ins Grab.

Ivan Milats Mordserie verfolgt die Menschen in Australien bis heute. Um den Belanglo State Forest, ein Waldgebiet südlich von Sydney, in dem Milat mindestens sieben Touristen ermordete und verscharrte, machen die meisten Australier einen großen Bogen. Per Anhalter zu fahren – so hatte Milat seine Opfer in die Falle gelockt – ist inzwischen nicht nur verboten, sondern gar zum Tabu geworden.

Milats Opfer – sieben junge Rucksackreisende im Alter von 19 bis 22 Jahren – verschwanden alle Ende der 1980er, Anfang der 1990er südlich von Sydney. Als ihre Leichen 1992 und 1993 in provisorischen Gräbern im Wald gefunden wurden – allesamt brutal ermordet – wurde der Ort zum Inbegriff des Grauens. Medien aus aller Welt spekulierten, wer der oder die Mörder sein könnten.

Unter den Opfern waren drei Deutsche, zwei Briten und zwei Australier. 1996 wurde schließlich Ivan Milat für die sieben Morde verurteilt, obwohl bis heute gerätselt wird, ob ein weiterer seiner neun Brüder an den Verbrechen beteiligt war. Richter David Hunt erklärte damals, dass aus den Beweisen in mindestens zwei Fällen ersichtlich sei, dass sie nicht nur aus einer Hand stammen konnten, nämlich die Morde an den Britinnen Caroline C. und Joanne W. sowie an dem deutschen Paar Anja H. und Gabor N. Die Opfer wurden erstochen, erschossen und in einem Fall sogar enthauptet. Das weitere deutsche Opfer, Simone S., starb vermutlich alleine. Sie war erstochen worden. Auch die anderen Opfer erlitten grausame Verletzungen. Viele wiesen Folterspuren und Spuren sexuellen Missbrauchs vor oder nach den Taten auf.

Milat, Sohn kroatischer Auswanderer, war dafür bekannt, eine Tendenz zur Gewalt zu haben. Er war wie auch andere seiner insgesamt 13 Geschwister bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Trotzdem wurde er erst überführt, nachdem der Brite Paul O. das letzte Puzzlestück lieferte. O. war Anfang 1990 nur knapp Milats Fängen entkommen. Nichtsahnend war er auf dem Weg von Sydney nach Canberra in das Auto des Serienmörders gestiegen. Schon während der Fahrt wurde O. immer unruhiger.

Weitere Fälle ungeklärt

Milat fragte ihn, ob jemand ihn erwarte und ob er militärisches Training absolviert habe. Als er schließlich anhielt und O. mit einem Gewehr bedrohte, begannen die beiden miteinander zu ringen. O. gelang die Flucht. Seine Zeugenaussage über den Mann mit Schnauzbart brachte die Polizei Jahre später auf Milats Spur. Als in dessen Haus Besitztümer der Toten – Campingausrüstung, ein T-Shirt und ein Rucksack – aufgefunden wurden, wurde Milat 1994 verhaftet und zwei Jahre später zu siebenmal lebenslänglich – einmal für jedes Opfer – verurteilt.

Niemand sonst wurde jedoch für die Morde an den sieben jungen Rucksacktouristen belangt. Zudem sind weitere Morde ungeklärt, mit denen Milat in Verbindung gebracht wird. Als drei Frauen Ende der 1970er nördlich von Sydney spurlos verschwanden, arbeitete Milat in der Region als Straßenarbeiter.

Und auch das Grauen endete mit Milats Verhaftung nicht: 2012 beging ein weiterer Verwandter Milats ein grausames Verbrechen – ebenfalls im berüchtigten Belanglo State Forest. Der Großneffe des Mörders tötete einen 17-jährigen Freund mit einer Axt und soll später vor Freunden geprahlt haben: „Das ist, was Milats machen.“

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