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Zerstörung und Tote in der Karibik.

Hurrikan

"Irma" nimmt Kurs auf Florida

Hurrikan "Irma" verursacht schwere Verwüstungen und macht Tausende obdachlos. Florida bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Nach seinem verheerenden Zug über die Karibik nimmt Hurrikan „Irma“ Kurs auf Florida und droht Zerstörungen historischen Ausmaßes anzurichten. „Die Frage ist nicht mehr, ob Florida getroffen wird, sondern wie hart“, hieß es am Freitag vom US-Katastrophenschutz. Millionen Menschen wappneten sich für „Irmas“ Eintreffen am späten Samstag oder Sonntag. Es ist einer der stärksten jemals gemessenen Stürme im Atlantik. Dass er von Kategorie 5 auf 4 heruntergestuft wurde, macht ihn kein bisschen weniger gefährlich.

In der Nacht zum Freitag kostete der Hurrikan in der Karibik mindestens 17 Menschen das Leben. Reisende, auch aus Deutschland, wurden zu besonderer Vorsicht aufgerufen. „Es ist, als wäre jemand mit einem Rasenmäher vom Himmel über die Insel gegangen“, sagte eine Augenzeugin auf dem niederländischen Inselteil Sint Maarten dem Rundfunk NOS.

„Irma“ verursachte nach Berechnungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Karibik Schäden von rund 10 Milliarden Dollar. „Gemessen an der Schadenssumme war dies der schlimmste Sturm in der Karibik aller Zeiten“, sagte James Daniell vom „Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology“ (CEDIM) am Freitag in Karlsruhe. Besonders schwer getroffen seien die Überseegebiete Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande. 

„Irma“ schlägt eine Schneise der Verwüstung

Die Not auf der schwer getroffenen niederländisch-französischen Karibikinsel Saint-Martin ist nach Angaben der niederländischen Regierung riesig. „Den Inselbewohnern fehlt es an den wichtigsten Lebensgrundlagen“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag in Den Haag nach einem Treffen des Krisenstabs. „Es herrscht totales Chaos.“

Auf dem notdürftig reparierten Flugplatz des niederländischen Inselteils Sint Maarten könnten zur Zeit nur Militärmaschinen landen. Der Seehafen sei nur für Marineschiffe erreichbar. Zwei niederländische Marineschiffe brachten Wasser, Nahrung und andere Hilfsgüter. Weitere Transporte mit Zelten, Medikamenten und Decken sollten folgen.

135 Soldaten sind den Angaben zufolge bereits auf dem niederländischen Teil der Insel eingetroffen, um bei Aufräumarbeiten zu helfen. Weitere 100 sollten am Samstag ankommen. „Wir lassen Sint Maarten nicht im Stich“, sagte Rutte. Über die Zahl der Opfer ist noch wenig bekannt. Bislang war von einem Todesopfer berichtet worden. Sint Maarten gehört mit rund 40.000 Einwohnern als autonomes Land zum Königreich der Niederlande. 

Der französische Teil der Insel sei „zu 95 Prozent zerstört“, zitierte die britische Zeitung „Guardian“ einen örtlichen Beamten. Es gebe keinen Strom, ein Großteil der Straßen sei unpassierbar. Der französische Innenminister Gérard Collomb bezifferte die Zahl der Toten dort und in den anderen französischen Überseegebieten auf acht. 23 Menschen seien verletzt worden. Bereits zuvor war je ein Mensch auf Anguilla (Großbritannien) und Barbuda gestorben.

Außerdem gab es Berichte über Plünderungen. Der staatseigene französische Rückversicherer CCR rechnet damit, dass die Sturmschäden auf den französischen Karibikinseln deutlich über 200 Millionen Euro liegen. Das sagte CCR-Chef Bertrand Labilloy am Freitag im Sender CNews. Es sei allerdings noch viel zu früh, um präzise Zahlen zu geben.

Auf der zu den USA gehörenden Insel Puerto Rico und den amerikanischen Jungferninseln starben zusammen sieben Menschen, wie der „Guardian“ berichtete. Bis zu neun Meter hohe Wellen schlugen über die Insel. Mehr als eine Million Menschen seien ohne Strom. Es wird erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da hinter „Irma“ bereits der nächste Hurrikan „José“ heranzieht.

An der Insel Hispaniola, die zur Häfte aus Haiti und zur anderen aus der Dominikanischen Republik besteht, zog „Irma“ nördlich vorbei. In Haiti verursachte der Hurrikan weniger Schäden, als zunächst befürchtet worden war. „Hätte „Irma“ einen südlicheren Weg eingeschlagen, wäre es zur Katastrophe gekommen“, sagte Martin van de Locht, Leiter der Internationalen Programme von World Vision. Zwei Menschen wurden in der Hafenstadt Cap-Haïtien verletzt, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Außerdem zerstörte der Sturm eine Brücke zum Nachbarland Dominikanische Republik. Die Menschen auf Haiti leiden noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und des Hurrikans „Matthew“ im vergangenen Jahr.

„Irma“ schwächt sich auf zweithöchste Warnstufe ab

Über die südlichen Ausläufer der Bahamas zog der Hurrikan am frühen Freitagmorgen (Ortszeit), wie das nationale US-Hurrikan-Warnzentrum in Miami mitteilte. Dabei schwächte er sich von einem Hurrikan der höchsten Warnstufe fünf auf Stufe vier ab. „Irma“ bleibe aber ein „extrem gefährlicher Stufe-vier-Hurrikan“, schrieben die Meteorologen. Der Premierminister der Bahamas, Hubert Minnis, sagte dem „Guardian“, die Regierung habe sechs Inseln im Süden der Inselgruppe komplett geräumt. Es sei die größte Evakuierung in der Geschichte der Bahamas gewesen.

Bis Samstag (Ortszeit) soll das Zentrum von „Irma“ nun über das Meer an der Nordküste Kubas entlangwandern. An der bei Touristen beliebten Küste werden Gäste in Sicherheit gebracht, Anwohner des Gebiets wurden aufgerufen, ins Innere der Insel zu ziehen.

Trump-Club Mar-a-Lago wird wegen „Irma“ geräumt

Am Wochenende soll der Sturm auf Florida treffen. Das Zentrum soll am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Inselgruppe der Florida Keys auf Höhe von Marathon und die Südküste des US-Bundesstaats erreichen. Erste Ausläufer könnten den Staat, für den der Notstand gilt, schon am Samstag gegen 8.00 Uhr (14.00 Uhr MESZ) erreichen. Für die gesamte Südküste Floridas, vom Atlantik bis in den Golf von Mexiko, gilt eine Warnung vor bis zu drei Meter hohen Wellen. Hunderttausende Menschen an der Atlantikküste müssen ihre Häuser verlassen. Der Bürgermeister von Miami Beach, Philip Levine, sagte CNN, er sei zutiefst besorgt. Auch Donald Trumps „Winter White House“ Mar-a-Lago muss geräumt werden.
 

Am Freitag hatte „Irma“ laut US-Meteorologen die Größe von Texas. Letzten Vorhersagen zufolge zieht der Sturm mit dieser gewaltigen Ausdehnung über die gesamte Breite der Halbinsel Florida über Orlando hinweg hoch ins Landesinnere. Modelle des Hurrikanzentrums sehen „Irmas“ Zug bis hinauf nach Atlanta reichen. In seiner Folge werden Überflutungen auch an den Küsten Georgias sowie South und North Carolinas erwartet. Warnungen gelten auch für Küstenstädte wie Savannah und Charleston.

US-Präsident Donald Trump twitterte: „Irma hat epische Ausmaße, vielleicht größer als wir es jemals gesehen haben. Passen Sie auf sich auf und gehen sie ihm aus dem Weg, wenn möglich.“ (dpa)

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