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Iranische Kampfhubschrauber: Vor seiner Flucht war das Mehrdad Abdarbashis Arbeitsplatz.
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Iranische Kampfhubschrauber: Vor seiner Flucht war das Mehrdad Abdarbashis Arbeitsplatz.

Versuchte Entfürhung

Iran schickt Agenten in die Türkei - „keine Stadt mehr sicher“

  • VonMax Schäfer
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Iranische Oppositionelle verlassen immer wieder das Land - auch in die Türkei. Aber sind sie dort sicher? Eine jüngste Agentengeschichte wirft Fragen auf.

Van – Beinahe wäre Mehrdad Abdarbashi unfreiwillig in seine Heimat Iran zurückgekehrt. Ende September 2021 versuchten iranische Agenten den geflüchteten ehemaligen iranischen Hubschrauberpiloten in der Türkei zu vergiften und zurück in den Iran zu schleppen. Türkische Sicherheitskräfte haben das verhindert. Dafür ist Abdarbashi dankbar, dennoch fürchtet er um sein Leben. „Ich bin in keiner Stadt der Türkei sicher“, sagte er dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera.

Mehrdad Abdarbashi war Kapitän eines Kampfhubschraubers der iranischen Armee, wollte jedoch 2015 aus dem Militär ausscheiden. Das wurde ihm verboten, sein Reisepass wurde eingezogen, um Reisen zu verhindern. Er blieb, bis er 2018 den Befehl erhielt, nach Syrien zu gehen. Er weigerte sich, weil er nicht an einem Stellvertreterkrieg teilnehmen wolle, erklärte er Al Jazeera. Deshalb entschloss er sich zur Flucht in die Türkei.

Iranischer Dissident in der Türkei: Ständige Angst vor iranischen Agenten

In der Stadt Van im Osten des Landes beantragte Abdarbashi Asyl und bat die türkischen Behörden, in eine andere Stadt gebracht werden. Er sei nicht sicher in der Stadt, die etwas mehr als 80 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt liegt. Das sei jedoch aufgrund des Corona-Lockdowns nicht möglich gewesen, erklärt er. Die türkische Polizei war allerdings dazu bereit, ihn zu schützen.

Seine Abdarbashis Sicherheitsbedenken erwiesen sich als begründet: Nach einer Zeit kontaktierte ihn ein Mitarbeiter der türkischen Einwanderungsbehörde, der dort als Übersetzer tätig war. Er forderte Abdarbashi auf, mit ihm essen zu gehen. Die Polizei vermutete einen Hinterhalt und riet von dem Treffen ab.

Türkische Polizei verhindert Entführung durch iranische Agenten

Daraufhin nahm eine Frau über das Internet Kontakt zu Mehrdad Abdarbashi auf. Die türkische Polizei sah das als Gelegenheit herauszufinden, ob sie für den iranischen Geheimdienst arbeitete. Die Polizisten gaben Abdarbashi ein Gerät, womit sie das Smartphone der Frau überwachen konnten. Die Strategie ging auf: Die Frau telefonierte mehrmals mit dem Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde, berichtet Al Jazeera, dem Aufnahmen vorlagen. Dieser drängte sie dazu, sich Abdarbashi anzunähern und sein Vertrauen zu gewinnen. Im Gegenzug sollte sie 10.000 Dollar erhalten. Daraufhin versuchte sie, Abdarbashi zu einem Ausflug aus der Stadt zu überreden. Er lehnte ab - auf Anraten der Polizei. Die Beamten warnten ihn außerdem, mit ihr essen zu gehen, weil sie ihn dann betäuben und entführen könne.

Trotzdem lud Mehrdad Abdarbashi die Frau am 24. September 2021 zum Essen bei sich zuhause ein. Sicherheitskräfte folgten jedoch den späteren Entführer:innen. Um 21 Uhr war es dann so weit und die Frau kam mit zwei weiteren Männern im Schlepptau bei Abdarbashi an. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte nahmen sie dann fest, berichtet Al Jazeera. Am 4. Oktober 2021 mussten sich die Festgenommenen vor Gericht wegen Spionage und Verschwörung verantworten.

Mehrdad Abdarbashi rechnet jedoch damit, dass es nicht der einzige Versuch der iranischen Geheimdienste sein wird, ihn zu entführen oder anzugreifen. „Dieses Mal werden sie mich nicht entführen, sie werden mich töten“, sagte er Al Jazeera.

Iranische Dissidenten in der Türkei: Immer wieder kommt es zu Entführungen und Angriffen

Tatsächlich ist Abdarbashi kein Einzelfall. Im Oktober 2020 besuchte Babib Chaab, Anführer einer iranischen Separatistengruppe, eine Frau in Istanbul. Dort soll er in einen Lieferwagen gezerrt und 2000 Kilometer zur iranischen Grenze gefahren worden sein, berichten türkische Behörden. Im iranischen Fernsehen tauchte er schließlich auf und legte ein Geständnis ab.

Im Februar 2021 nahemen türkische Sicherheitskräfte einen Mitarbeiter des iranischen Konsulats in Istanbul fest, der den iranischen Wissenschaftler Masoud Molavi erschossen haben soll. Der Iran bestreitet jedoch jegliche Verantwortung.

Geopolitische Entwicklungen entscheiden über Iraner:innen in der Türkei

Das geopolitische Geschehen in der Region entscheidet über die Schicksale der iranischen Dissident:innen in der Türkei, sagte Nahost-Experte Galip Dalay von der Universität Oxford Al Jazeera. Im Syrien-Krieg standen sich beide Staaten zunächst gegenüber, ehe sie im Astana-Prozess mit Russland kooperierten, um den Krieg zu beenden. Im Krieg in Berg-Karabach zwischen Armenien und Aserbaidschan standen sich jedoch beide Nationen gegenüber. Derzeit stehen die Zeichen jedoch eher auf Kooperation: der türkische Innenminister Suleyman Soylu aus dem Kabinett von Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein iranischer Kollege Ahmad Vahidi vereinbarten kürzlich eine Zusammenarbeit zur Sicherung der Grenze, Terrorismusabwehr und dem Kampf gegen Drogen- und Menschenhandel. Für flüchtende Dissident:innen wie Mehrdad Abdarbashi sind das keine guten Neuigkeiten. (Max Schäfer)

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