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Iran-Experte von Amnesty International: „Jeden Tag werden Menschen getötet“

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Von: Moritz Serif

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Solidaritätsplakat
„We Are All Mahsa Amini“ betont ein Teilnehmer. Der Tod der jungen Frau hat die Proteste im Iran ausgelöst. © Paul Zinken/dpa

Dieter Karg, Iran-Experte von Amnesty International, gibt eine Einschätzung der Lage ab. Die Situation habe sich deutlich verschlimmert.

Saghes/Teheran – Sie wollten um die ermordete Mahsa Amini trauern: Nun sind sie selbst tot. Sogenannte „Sicherheitskräfte“ im Iran haben nach Angaben von Amnesty International mindestens acht Menschen getötet. Der Staat habe Tränengas eingesetzt und auf Trauernde und Protestierende geschossen. Fast 10.000 Menschen waren laut der Menschenrechtsorganisation in ihre Heimatstadt Saghes gezogen und versammelten sich auf dem Friedhof.

Die Proteste um Amini dauern nun bereits seit September an. Was könnte geschehen, wenn die Demonstrationen gegen das Mullah-Regime noch weiter anhalten? Wie sollte der Westen reagieren? Und in welcher Lage befinden sich die Menschen, die mutig genug sind, trotz Gefahr für Leib und Leben, gegen die Unterdrückung aufzubegehren? Darüber hat die Frankfurter Rundschau mit Dieter Karg, Iran-Experte von Amnesty International in Deutschland, gesprochen.

„Iranische Staatsführung hat immer mit Gewalt reagiert“

Karg sagt, dass es schwierig sei, einzuschätzen, was geschehe, wenn die Demonstrationen noch weiter anhalten. „Bis jetzt hat die iranische Staatsführung immer mit Gewalt auf aufkommende Proteste reagiert und sie letztendlich niedergeschlagen“, erklärt er. Sie handele auch dieses Mal genauso. „Dies dürfte wohl zu noch mehr Gewalt und Inhaftierungen führen“, prognostiziert Karg. Dass der Staat das zurückfahre, zeichne sich aktuell nicht ab.

Seiner Ansicht nach müsse der Westen entschlossen auf die neuesten Tötungen reagieren. „Die internationale Staatengemeinschaft sollte Maßnahmen gegen die Angehörigen der Staatsführung ergreifen. Wir haben schon gefordert, dass Staatspräsident Raisi wegen seiner Verantwortung für die Massenhinrichtungen in iranischen Gefängnissen 1988 vor Gericht gestellt werden soll“, so der Iran-Experte. Außerdem müsse ein unabhängiges Gremium auf UN-Ebene die Tötungen und Verhaftungen untersuchen lassen.

Iran: „Jeden Tag werden Menschen getötet“

Vor allem habe sich die Lage verschlimmert. „Jeden Tag werden Menschen getötet. Alleine bei den Protesten am 40. Tag nach dem Tod von Mahsa Jina Amini gab es mindestens acht Tote in den kurdischen Gebieten. Insgesamt soll es Hunderte von Toten, Tausende von Verhaftungen geben“, so Karg. Menschen, die an den Protesten teilnehmen, drohe die Todesstrafe. (Moritz Serif)

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