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Omikron-Welle: Warum steigen die Corona-Fallzahlen schon wieder? 

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Von: Monja Stolz

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Die Inzidenzzahlen sind nach einem kurzen Abebben in der aktuellen Corona-Welle erneut angestiegen. Das kann verschiedene Auslöser haben. Ein Überblick.

Frankfurt – Nachdem sich die Corona-Situation zuletzt etwas entspannt hatte, steigen die Fallzahlen laut Robert Koch-Institut (RKI) nun schon den sechsten Tag in Folge wieder an. Das RKI meldete am Dienstagmorgen (08.03.22) eine bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz von 1293,6. In der Vorwoche lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche noch bei 1213. Es wird vermutet, dass der eigentliche Wert noch höher ist, aber dass viele Fälle, aufgrund der begrenzten Kapazitäten etwa von Gesundheitsämtern, nicht gemeldet werden.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich zuletzt besorgt über die Entwicklungen, für die es wohl mehrere Gründe gibt.

Steigende Inzidenzzahlen: Der Omikron-Subtyp BA.2 breitet sich aus

Seit Jahresbeginn kursiert die Omikron-Variante BA.2, die sich nach und nach weiter verbreitet. In einer Stichprobe Mitte Februar machte der Subtyp bereits 38 Prozent aller Fälle aus, weshalb vermutet wird, dass BA.2 in Deutschland inzwischen vorherrschend ist.

Intensivmediziner Christian Karagiannidis teilte Mitte Februar ein Preprint eines internationalen Forschungsteams. In der Studie heißt es, dass der Omikron-Subtyp BA.2 wohl deutlich schneller übertragbar sei als die ursprüngliche Omikron-Variante. Lauterbach zeigte sich darüber besorgt: „Das ist keine Kleinigkeit, der Unterschied wird sich bemerkbar machen.“ Auch in den Symptomen unterscheidet sich BA.2 von der Ursprungs-Variante. Zuletzt berechneten Forschende, zu welchen Szenarien der Subtyp führen könnte.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach zeigt sich besorgt über die erneut steigende Corona-Fallzahlen während der Omikron-Welle.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach zeigt sich besorgt über die erneut steigende Corona-Fallzahlen während der Omikron-Welle. © Christophe Gateau/dpa

Die bisherige Omikron-Welle breitete sich eher unter Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren aus. In dieser Altersgruppe sinken die Inzidenzen inzwischen. Aktuell steigen die Fallzahlen wieder bei Menschen ab 65 Jahren. Nach Aussagen des RKI steht der älteren Gruppe der Scheitelpunkt der Welle noch bevor.

Steigende Inzidenzzahlen: Lockerungen der Corona-Beschränkungen als Auslöser

Seit dem 16. Februar werden die Corona-Beschränkungen in einem Drei-Stufen-Plan schrittweise gelockert. Zunächst wurden unter anderem wieder private Treffen mit bis zu 20 Leuten erlaubt. Außerdem gibt es mehr Freiheiten für Nichtgeimpfte. Diese Lockerungsschritte wirken sich auf das Infektionsgeschehen aus.

Seit 4. März befindet sich Deutschland in der zweiten Phase der Lockerungen. Clubs und Bars haben wieder geöffnet, teilweise entfällt sogar die Maskenpflicht. Die Lockerungen der zweiten Phase haben allerdings aufgrund der Zeit zwischen Infektion, Symptombeginn und Fallmeldung noch keine maßgeblichen Auswirkungen auf die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz.

Steigende Corona-Fallzahlen in Deutschland: Corona-Müdigkeit wächst

Eine weitere Ursache für die steigenden Fallzahlen sieht Lauterbach in der Corona-Müdigkeit der Bevölkerung: „Dazu kommt, dass die Bürger mit der Zeit etwas unvorsichtiger werden.“ Entscheidend sei nämlich laut eines Berichts von einer Gruppe von Modellierer:innen um Kai Nagel von der TU Berlin, ob die Bevölkerung die nun wieder möglichen Angebote ausnutze. Sollte es bei den wiederaufgenommenen Freizeitaktivitäten keinen Unterschied in der Kontaktbeschränkung zu vor der Pandemie geben, ließen Modellierungen eine weitere Steigerung der Infektionszahlen erwarten.

Wie sich die Aktivität der Menschen nach den erneuten Lockerungen entwickelt, könnte nächste Woche abgeschätzt werden, sagte Nagel.

Steigende Corona-Inzidenzen: Karneval und Fastnacht mitten in der Omikron-Welle

Erst eine Woche liegt Aschermittwoch (02.03.22) und damit die Karnevals- und Fastnachtszeit zurück. In einigen Städten gab es Veranstaltungen und private Treffen rund um das bunte Treiben. Das könnte zumindest in bestimmten Regionen ein Grund für die steigenden Corona-Fallzahlen sein.

In Nordrhein-Westfalen beispielsweise waren die Corona-Infektionen zuletzt vor allem unter den 20- bis 29-Jährigen gestiegen, was nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen mit dem Karneval zusammenhängen könnte. Stark angestiegene Inzidenzen waren in dem Bundesland vor allem in größeren Städten wie Köln und Düsseldorf zu beobachten.

Weitere Corona-Lockerungen in Deutschland geplant

Der Drei-Stufen-Plan, den Bund und Länder bezüglich der Lockerungen der Corona-Beschränkungen entwickelten, geht am 20. März in die dritte Runde. Es ist im Gespräch, dass an dem „Freedom Day“, wie der Tag teilweise genannt wird, „alle tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen“ entfallen.

Allerdings heißt es in der Beschlussvorlage des Bundes, dass es jedem Schritt gilt „in beide Richtungen zu prüfen, ob die geplanten Maßnahmen der Lage angemessen sind“. Durch die nun wieder steigenden Inzidenzen könnte der Lockerungsplan also noch einmal neu überdacht werden. (mos/dpa)

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