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Moderatorin Nemi El Hassan
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Nemi El-Hassan könnte künftig doch für die WDR-Wissenschaftssendung „Quarks“ arbeiten.

TV-Sender WDR

Interne WDR-Mail geleakt - Antisemitismus-Vorwürfe gegen TV-Moderatorin

  • VonNadja Austel
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Antisemitismus-Vorwürfe gegen TV-Moderatorin: Nemi El-Hassan könnte künftig nun doch für die Wissenschaftsshow Quarks im WDR arbeiten.

Köln – Der Fall der Antisemtismus-Vorwürfe gegen Nemi El-Hassan hatte im September für Schlagzeilen gesorgt. Ursprünglich war die 28-Jährige als neue Moderatorin des Wissenschaftsmagazin Quarks vorgestellt worden, kurz nach der Ankündigung wichen der WDR und Intendant Tom Buhrow jedoch wieder von der Entscheidung ab.

Der Grund: El-Hassan sah sich Antisemitismus-Vorwürfen gegenübergestellt, unter anderem weil sie 2014 am antisemitischen und israelfeindlichen Al-Kuds-Marsch in Berlin teilgenommen hatte. Zwar distanzierte El-Hassan sich später von ihrer Teilnahme an dem Marsch, dennoch entband der Sender sie vorzeitig von ihrer geplanten neuen Aufgabe.

TV-Sender WDR erwägt, El-Hassan als Autorin zu beschäftigen

Die öffentliche Diskussion über El-Hassans politische Einstellung geht jedoch weiter. Ein Grund dafür ist, dass die in Deutschland geborene Frau mit palästinensischen Wurzeln auch zuletzt noch israelfeindliche Beiträge in den sozialen Netzwerken mit einem Like bedachte, so berichtet die Jüdische Allgemeine (JA). Darunter seien zwei Posts der antizionistischen amerikanischen Gruppierung Jewish Voice for Peace gewesen. Einer der Beiträge feiere den Ausbruch verurteilter palästinensischer Terroristen aus einem israelischen Gefängnis, ein anderer habe zum Boykott von Produkten aufgerufen, um die „israelische Apartheid“ zu beenden.

Intendant Buhrow nannte diese Likes als Gründe für die Entscheidung, El-Hassan nicht vor der Kamera als Moderatorin der Sendung Quarks einzusetzen, berichtet die JA weiter. Man erwäge aber weiter, El-Hassan als Autorin zu beschäftigen.

Auf Nachfrage der JA zeigte sich El-Hassan verwundert über die Begründung. Sie müsse „zur Kenntnis nehmen, dass die Likes offenbar schwerer wiegen als meine journalistische Arbeit und mein Engagement der letzten Jahre für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Dialog, gegen Gewalt und gegen Antisemitismus – und ich bedaure das“, sagte sie dort.

El-Hassan zur Diskussion über WDR-Position

Ihre Likes für die angesprochenen Posts von Jewish Voice for Peace verteidigte sie. Wer ihr Antisemitismus unterstelle, mache es sich zu einfach, sagte sie der JA. Ihre eigene Familiengeschichte sei „geprägt von Krieg und Flucht, auch in Bezug auf den Staat Israel.“ Diese Erfahrungen könne sie nicht einfach ablegen. Eine propalästinensische Perspektive dürfe nicht mit Hass auf Israel und Sympathie für Terror gleichgesetzt werden, und es müsse möglich sein, für die Freiheit der Palästinenser einzustehen, ohne sich dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt zu sehen, sagte El-Hassan weiter.

Der WDR habe ihr bislang kein konkretes Angebot, sondern nur einen vagen Entwurf für eine künftige Zusammenarbeit hinter der Kamera übermittelt. „Dabei ist mir unklar, was das eigentlich heißt“, sagte sie gegenüber der JA weiter. „Ich habe mich nie versteckt, sondern stand immer auch als Person zu meiner Botschaft. Und ich möchte mich auch in Zukunft nicht verstecken.“

Die Frage der JA, ob sie sich die Zusammenarbeit mit dem WDR weiter vorstellen könne, beantwortete El-Hassan so: „Die Entscheidungsgewalt darüber, inwiefern man mich in Zukunft partizipieren lässt, liegt beim Sender. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Sendung noch immer moderieren.“

Antisemitismus im TV: Muss der WDR klare Stellung beziehen oder genügen Verhandlungen?

Unterdessen stößt auch die Erwägung, El-Hassan hinter der Kamera einzustellen in der Öffentlichkeit auf massive Kritik. Der Vorsitzende der Rundfunkratssitzung, Andreas Meyer-Lauber, sagte dazu laut Bericht der JA: „Antisemitische Positionen können und dürfen im WDR keinen Platz haben.“ Und zwar weder vor noch hinter der Kamera, so Meyer-Lauber.

Brisant ist vor dem Hintergrund der hitzigen Debatte auch, dass eine interne Email der WDR-Programmdirektorin und Rundfunkjournalistin Valerie Weber an die Öffentlichkeit geriet: Der Brief, der dem liberal-konservativen Meinungsmagazin Tichys Einblick (TE) vorliegt, wurde demnach am 8.10.2021 an alle Mitarbeiter der Direktion per Mail versendet.

TV-Sender WDR: Email aus der Direktion geleakt – Haltung des Senders in der Kritik

Darin ist bezüglich der Sache El-Hassan zu lesen: „Hinter den Kulissen sind wir mit der Kollegin weiter im direkten Austausch. Mein Fazit: Wir werden für die Zusammenarbeit jetzt erstmal die Pausetaste drücken, solange jede wissenschaftliche Arbeit für Quarks derart politisiert wird. Im neuen Jahr werden wir uns dann mit ihr über die mögliche Zusammenarbeit als Autorin abstimmen“, so Weber in ihrem Schreiben.

Weiter heißt es: „Wer Quereinsteiger:innen eine Chance geben will und Diversität fördert, hat dann als potentieller Arbeitgeber eine gewisse Fürsorgepflicht, kulturelle Konflikte auch gemeinsam zu durchlaufen“, zitiert TE. Was mit dem gemeinsamen Durchlaufen kultureller Konflikte gemeint ist, bleibt dabei offen.

Auch nach Jahrzehnten voller Gewalt ist ein dauerhafter Frieden im Nahen Osten nicht in Sicht. Im Frühjahr 2021 eskalierte der bewaffnete Konflikt zwischen Israel und Palästina erneut. (na)

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