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Kristallklares Wasser, weißer Sandstrand und viel Ärger: die Insel Budelli.

Italien

Insel-Verkauf sorgt für Ärger

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Ein neuseeländischer Banker hat eine kleine italienische Insel nördlich von Sardinien gekauft. Umweltschützer laufen Sturm.

Fünf Millionen Euro sollte sie kosten, die Perle des Maddalena-Archipels nördlich der Urlaubsinsel Sardinien – mit kristallklarem Wasser, idyllischen Buchten und einem feinsandigen rosa Strand, auf dem der Regisseur Michelangelo Antonioni in den 60ern Filmszenen drehte. „Seychellen-Feeling“ im Mittelmeer biete das Eiland Budelli, versprach im Internet-Inserat die Hamburger Vladi Private Islands GmbH, spezialisiert auf den Verkauf von Privatinseln weltweit.

Verschwiegen wurde nicht, dass die 1,6 Quadratkilometer große Insel in einem Nationalpark mit strengen Naturschutz-Auflagen liegt. Außer Wildkaninchen lebt nur ein einziger Mensch auf Budelli: der Wächter. Touristen dürfen nur in Begleitung von Nationalpark-Mitarbeitern landen.

Allzu viele Kaufinteressenten fanden sich nicht. Budelli wurde Anfang Oktober gerichtlich versteigert, ein neuseeländischer Banker erhielt den Zuschlag – für 2,9 Millionen Euro. Michael Harte von der Australischen Commonwealth Bank hat einen Ruf als Naturschützer und erklärte, das Ökosystem der Insel bewahren und mit dem Nationalpark zusammenarbeiten zu wollen. Es hätte schlimmer kommen können.

85.000 Unterschriften

Doch der Verkauf ist zum Politikum geworden, über das auch in Australien und Neuseeland berichtet wird. Denn italienische Umweltschützer drängen den Staat, ein Vorkaufsrecht zu nutzen, das er nie in Betracht gezogen hatte, das aber noch bis 8. Januar 2014 gilt. Ex-Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio stellte sich an die Spitze der Bewegung „Retten wir Budelli“ und sammelte in einer Online-Petition in kurzer Zeit 85.000 Unterschriften. Es gehe um die Frage, ob Naturschutz Privatsache sein könne, argumentieren die Retter Budellis. Die Insel sei ein Symbol Italiens. Sie müsse den Bürgern zurückgegeben werden.

Nun war Budelli aber immer privat. Erst gehörte es einer sardischen Familie, dann einem Mailänder Immobilienunternehmen. Zudem verbietet es das Haushaltsrecht dem Staat, Immobilien zu erwerben – weil er hoffnungslos verschuldet ist. Italien sucht gerade verzweifelt nach Einnahmequellen. Staatliche Schlösser, Unternehmensanteile und Kasernen sollen verkauft werden. Zwar wird nicht wie in Griechenland über die Privatisierung von Inseln diskutiert, aber über die Privatisierung der Strände. Die kleine linke Partei SEL hat dennoch eine Ausnahme beantragt, um Budelli zu verstaatlichen. Und am Sonntag stimmte das Parlament zu. 2,9 Millionen Euro sollen abgezweigt werden, um dem Banker das Eiland zu entreißen. Der Preis sei schließlich lächerlich, hatten die Retter Budellis erklärt. So viel müsse man für eine Eigentumswohnung in Rom hinblättern.

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