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Hektik und Eile auf der Zeil in Frankfurt.
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Hektik und Eile auf der Zeil in Frankfurt.

Der FR-Adventskalender

Innere Ruhe und Frieden finden am zügigsten Ort der Welt

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Hektik und Eile gehören zu Frankfurt. Dennoch sollte man seine innere Ruhe und Frieden finden.

Frankfurt ist eine hektische Stadt. Ständig sind alle in Eile, überall hupt und rast und flitzt was, die Gehenden ringen mit den Radelnden um das bisschen Platz neben der Hölle aus Abgasen, Stahl und Aluminium. Die Kinder balgen sich wie im Kleingarten um Parzellen in den Sandkästen der städtischen Spielplätze, selbst die Natur scheint ständig auf dem Sprung.

Hier muss ein Baum fallen, dort flattert eine Taube auf, angetrieben von den Durchsagen aus dem Lautsprecher: „Achtung bitte an Gleis 5, Mittagessen ist heute außerplanmäßig an Tisch 7 zu finden.“

Aber genug gejammert, wem das alles nicht passt, kann ja in den Hintertaunus ziehen. So wie meine Familie und ich. Da genießen wir Platz und Gemütlichkeit, sind in den meisten Dingen zwar ein paar Monate zurück, aber dafür haben wir unsere Ruhe. Nur einmal im Jahr zieht es uns noch vehement in den brodelnden Moloch zurück. Zum ökumenischen Heiligabendgottesdienst der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof.

Denn unter uns: Die meisten Weihnachtsgottesdienste mit ihrer Besinnlichkeit, ihrer heilen Welt, ihren ewig gleichen Liedern, mit ihren U-Boot-Christen, die nur einmal im Jahr in der Kirche auftauchen, sind halt einfach langweilig. Nicht so die Zusammenkunft der evangelischen und katholischen Christen an Gleis 5 im Hauptbahnhof. Mittendrin.

Es beginnt damit, dass gut ein Drittel der Besucherinnen und Besucher überhaupt keine Christen sind. Einige sind Reisende, die fünf Minuten Aufenthalt haben, andere sind Schaulustige, die einfach nachsehen wollen, was das denn nun wieder für eine Menschenansammlung ist. Manche tragen Kopftücher. Obdachlose feiern mit, die Stammkundschaft der Bahnhofsmission. Für uns Dorfbewohner ist das toll: Es gibt auch abseits des eigentlichen Gottesdienstes immer was zu gucken.

Außerdem ist es gelebte Ökumene. Alle Jahre wieder ist es ein Fest zu beobachten, wie die evangelische Pfarrerin (davor der Pfarrer) mit stoischer Gelassenheit gegen den Qualm aus dem Weihrauchtopf ansingt oder predigt, mit nur ein paar klitzekleinen Tränchen im Auge.

Apropos Durchsagen. Natürlich ertönen am Frankfurter Hauptbahnhof alle paar Minuten Durchsagen. „Achtung an Gleis 5, außerplanmäßig hält der ICE Stralsund in verkehrter Wagenreihung, aber nicht in Göttingen.“ Frankfurt ist schließlich ein Drehkreuz, verzeih, liebes Christkind, das platte Wortspiel.

Aber gerade weil der Weihnachtsgottesdienst im Hauptbahnhof so unruhig und von Leben umtost ist, gerade weil Hinz und Kunz dort hin und mittendrin auch wieder weg dürfen, gerade weil die Predigt ab und an gegen eine Durchsage kämpfen muss, ist es eine wunderschöne Feier. Eine Feier, die zeigt, dass wir Menschen zusammen gegen die Widrigkeiten des Lebens halten können, eine Zusammenkunft, die uns am zugigsten Ort der Welt für einen Moment innere Ruhe und Frieden schenkt. Ein Beleg, dass sogar eine scheinbar aus der Zeit gefallene Institution wie Kirche Halt geben, unterschiedliche Menschen zusammenbringen kann.

Jesus fährt übrigens auch ICE. Zumindest ist das 2018 das Weihnachtswunder zu Frankfurt gewesen: Da begab es sich, dass ein Unhold der Bahnhofsmission vor dem Gottesdienst eine kunstvoll geschnitzte Jesusfigur samt Krippe entwendete. In Kassel stellte die Polizei den Dieb und schickte die Figur per Eisenbahn zurück in die Großstadt. Und was soll man sagen? Jesus‘ ICE hatte nur fünf Minuten Verspätung, so kam die Figur des Heilands gerade noch rechtzeitig.

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