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Epidemiologin nennt Infektionsschutzgesetz eine „Notlösung“ und warnt: „Werden nie wieder 2019 haben“

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Von: Stella Henrich

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Das neue Infektionsschutzgesetz stößt auf Kritik. Die Epidemiologin Berit Lange sieht Handlungsbedarf, um künftig besser auf Corona vorbereitet zu sein.

Hamburg − „Ich finde, man merkt dem Gesetz an, dass es nur für sehr begrenzte Zeit, nämlich bis September, gedacht ist. Man kann so ein Gesetz für vier Monate machen - es ist aber meines Erachtens eine Notlösung. Es ist kein Gesetz, das uns weitsichtig durch den nächsten Herbst oder die Zeit danach hilft“, kritisiert Berit Lange im Interview mit dem NDR das neue Corona*-Infektionsschutzgesetz. So sei die Hotspot-Regelung sehr schwammig und Basisschutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht fehlten oftmals. Ihr fehlt auch das Verständnis dafür, dass die Arbeitsschutzmaßnahmen nun wieder komplett bei den Arbeitgebern liegen.

Infektionsschutzgesetz: Überlastungen des Gesundheitssystems vorprogrammiert

So könnten die Vorkehrungen, die in den Hotspots möglich sind, lediglich kleinere Infektionswellen abfedern. Komme es zu einer neuen Variante, vor der die Impfung weniger gut schütze oder die zu deutlich mehr schweren Verläufen führe als derzeit die Omikron-Mutation, sieht die Epidemiologin große Probleme mit den aktuellen Hotspot-Regelungen, um Überlastungen des Gesundheitssystems künftig zu verhindern. Es fehle außerdem an Pflegekräften, die bereit sind, die Belastungen auch langfristig mitzumachen. Auch unter Politikern stießen die beschlossenen Corona-Lockerungen auf große Kritik.

Eines müsse man sich jetzt bereits klarmachen, „dass wir nie wieder 2019 haben werden“, warnt Berit Lange. „Wir haben jetzt eine neue Infektionskrankheit, bei der wir saisonal immer wieder hohe Infektionswellen sehen werden.“ Auch die aktuell hohen Inzidenzen in Deutschland sprechen für den Weitblick der Epidemiologin. Wie hoch zukünftige Corona-Wellen zu welchen Zeitpunkten sein werden, lasse sich noch nicht abschätzen. „Denn wir wissen noch nicht, wie viele Menschen sich regelmäßig impfen lassen werden und wie gut langfristig jene geschützt sind, die nur eine gewisse Grundimmunität durch eine frühere Impfung oder Infektion haben.“

Maskenpflicht am Arbeitsplatz - jetzt bestimmt der Arbeitgeber die Verhaltensregeln.
Ob eine Maske im Büro getragen werden muss, bestimmt jetzt der Arbeitgeber. © Cavan Images/Imago

Aufgrund einer fehlenden Datenlage ließen sich auch Fragen wie „Welche Gruppen sind gerade besonders vom Infektionsgeschehen betroffen?“, „Wie ist das Kontaktverhalten der Menschen aktuell?“, oder „Wie ist die Immunität in der Bevölkerung?“, nicht rasch beantworten. Für solche Studien brauche es eine vorbereitete Infrastruktur, bei der unterschiedlichste Institutionen zusammenarbeiteten und regelmäßig kleinere Untersuchungen durchführten – zum Beispiel jeweils nach der Grippewelle, erklärt Berit Lange weiter. Mehr Wissen trägt dazu bei, auch schwere Covid-19 Verläufe zu verhindern.

Coronavirus: Forschende müssen voneinander lernen

Aber es besteht Hoffnung in der Corona-Pandemie. Inzwischen tauschten sich Forschende verstärkt aus, teilten ihre Ergebnisse und lernten voneinander. Lange sieht zudem Nachholbedarf bei Interventionsstudien zum Wohle der Bevölkerung. Ein gutes Gesundheitssystem allein reiche nicht, man müsse wirklich vor dem Ausbruch einer Pandemie vorausschauend Ressourcen in passende Infrastrukturen stecken − wie beispielsweise Luftfilter in Klassenräumen. Daher sei es wichtig, „die Pandemiepläne von früher mit den aktuellen Erfahrungen zu vergleichen und zu ergänzen“, fordert Berit Lange.

Zuletzt verriet eine Studie, wieso manche Menschen gesund bleiben, obwohl sie Kontakt mit dem Coronavirus hatten. NRD/sth *Merkur.de ist ein Angebot von Ippen Media

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