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Schlangen-Festival in Indien
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Schlangen in Indien: Zwischen Kult und vielen Toten. (Archiv-Bild)

Studie belegt

Indien: Schlangen töten zehntausende Menschen - Regierung verheimlicht wahre Zahlen

  • VonLucas Maier
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Seit Jahren sterben in Indien massenweise Menschen durch Schlangenbisse. Eine Studie belegt weitaus drastischere Toten-Zahlen als die Regierung eingesteht. 

Neu Delhi - Nicht nur die Corona-Pandemie hat Indien hart getroffen: Zehntausende sterben jedes Jahr durch Schlangenbisse - darauf deutet zumindest eine Studie hin. Die Regierung hingegen versuchte bisher die Gefahr kleinzureden.

Die Studie wurde bereits im Jahr 2020 veröffentlicht. Daran waren eine Vielzahl an Universitäten und Forschungsstätten beteiligt. Unter anderem auch die Oxford Universität und der indische Rat für medizinische Forschung. Die Ergebnisse der Studie zeigten ein ganz anderes Bild als das der Regierung.

Gefahr in Indien: 58.000 Tote im Schnitt durch Schlangenbisse

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es in Indien durchschnittlich 58.000 Tote pro Jahr durch Schlangenbisse gibt. Die Ministerin für Gesundheit und Familienfürsorge Ashwini Kumar Choubey erklärte hingegen im Jahr 2018, dass es damals lediglich 689 Tote durch Schlangenbisse gab. Vor dem Hintergrund der repräsentativen Studie erschien dies wie eine Farce.

Die Studie, welche zwischen den Jahren 2000 und 2019 durchgeführt wurde, ging von rund 1,2 Millionen Toten innerhalb des Erhebungszeitraumes aus. Bei über einem Viertel soll es sich hier um Kinder (unter 15 Jahren) gehandelt haben. Alleine im Jahr 2015 hatte es laut der Studie zwischen 1,11 und 1,77 Millionen Bisse in Indien gegeben. Zirka 70 Prozent hiervon führten zu Vergiftungserscheinungen.

Schlangenbisse: WHO will Zahl der Toten bis 2030 halbieren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief bereits im Jahr 2019 eine neue Strategie gegen die Sterblichkeit durch Schlangenbisse ins Leben. Diese hatte sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die Zahl der Toten zu halbieren. Die Zahl der Toten in Indien könnte laut den Autor:innen der Studie durch mehr Präventions- und Behandlungsstrategien erheblich reduziert werden.

Der Schmerz war so groß, dass ich das Gefühl hatte, jemand hätte meine Hand gehäutet.

Shashikant Dubey gegenüber The Daily Beast

Der Feldarbeiter Shashikant Dubey gab gegenüber der Zeitung The Daily Beast ein Interview zur Situation vor Ort. Erst letzten Monat war er selbst gebissen. Dubey war bei der Arbeit gebissen worden. Die Felder auf welchen er damals arbeitete, befanden sich in Niwari im Bundesstaat Madhya Pradesh. Das Risiko in dieser Region durch einen Schlangenbiss zu sterben bevor man das 70. Lebensjahr erreicht, wurde von der Studie mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 0,60 und 0,99 Prozent angegeben. Dieser Teil der Studie bezog sich auf die Jahre 2004 bis 2013. Damals lebten rund 21 Prozent der Inder:innen in Gebiet mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 0,6 Prozent.

Indien: Zehn Kilometer bis zum Gegengift - wären die Toten vermeidbar?

Der Feldarbeiter gab in seinem Interview an, dass er rund zehn Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus fahren musste. Damit sich das Gift nicht zu schnell in seinem Körper ausbreiten konnte, machte er einen Schnitt an der Bisswunde. Dadurch sollte ein Teil des vergifteten Blutes herauslaufen.

Als er im Krankenhaus ankam, war sein Zustand bereits schlecht. In den Folgetagen wurden ihm ganze 40 Dosen des Gegengifts verabreicht. Heute ist er wieder gesund. Allerdings hatten nicht alle soviel Glück. Ein Freund von Dubey verstarb, nachdem er im Schlaf gebissen worden war.

Indien: „Geistige Heiler“ richten viel unheil an

Laut dem 28-Jährigen wären viele nach einem Biss gar nicht erst in ein Krankenhaus gegangen. Die meisten hätten sich bei örtlichen „geistige Heilern“ behandeln lassen, so der Arbeiter. Bei den sogenannten „geistige Heilern“ würde mit Ritualen versucht die Vergiftung abzuwenden. Beispielsweise wurden Verwundete in Milch gebadet. Dadurch sollten die Gottheiten milde gestimmt werden und den Tod abwenden. (Milch gilt in der hinduistischen Kultur als reinigend)

Es gibt viele Quacksalber und Wunderheiler, die noch mehr Zeit verschwenden und die Opfer gehen normalerweise zu diesen Wunderheilern und Quacksalbern, bevor sie sich an medizinische Einrichtungen wenden.

Avinash Visvanathan gegenüber The Daily Beast

Ein Grund für die vielen Toten seien die langen Wege zur medizinischen Versorgung, so Expert:innen. „Die Leute verschwenden viel Zeit damit, medizinische Einrichtungen zu erreichen, was zu vielen Todesfällen führt“, sagte Avinash Visvanathan, Generalsekretär der Friends of Snake Society, gegenüber The Daily Beast. Die Organisation setzte sich für Schlangen ein. Als ein weiteres Problem hatte die Organisation angegeben, dass es im ländlichen Raum zu wenig Gegengifte in den Krankenhäusern geben würde.

Schlangen in Indien

Schlangen werden in Indien massiv verehrt. Im hinduistischen Glauben gibt es gleich mehrere bedeutende Gottheiten in Schlangenform. Es gibt sogar ein eigenes Fest zur Verehrung der Schlangen - es wird „Naga Panchami“ genannt. In den Schlangen wird eine Inkarnation der hinduistischen Göttin Manasa gesehen. Von ihr versprechen sich die Gläubigen Glück für die Erntezeit. Außerdem sollen die Tiere Unheil fern halten.
Quelle: Spiegel.de

Keine Meldepflicht in Indien: Könnten so viele Tote verhindert werden?

Ärzt:innen schlugen auch bereits Alarm. Die Regierungsärztin Dr. Ramachandra Kumar verwies auf ein mangelndes Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung. Das Schlangenbisse nicht gemeldet werden mussten stellt ein weiteres Problem dar.

Lediglich für übertragbare Krankheiten wurde in der Vergangenheit eine Meldepflicht eingeführt, so Priyanka Kadam, Präsidentin und Gründerin der Snakebite Healing and Education Society in Mumbai. Fehlende Daten über Schlangenbisse waren laut Dr. Ramachandra Kumar bisher eines der Hauptprobleme. Ohne diese Daten könne die Schlangen-Krise nicht überwunden werden, so die Ärztin. (Lucas Maier)

Das Land hatte in diesem Jahr nicht nur mit Schlangenbissen und der Corona-Pandemie zu kämpfen, auch ein heftiger Monsunregen suchte Indien heim. (Lucas Maier)

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