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Pandemie

Corona in Indien: Netze im Ganges sollen die Leichen auffangen

  • Yannick Wenig
    vonYannick Wenig
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Während sich hierzulande die Corona-Lage etwas entspannt, ist die Situation in Indien katastrophal. Das indische Gesundheitsministerium zählt mehr als 250.000 Corona-Tote.

Neu Delhi – Durch eine neue Tageshöchstzahl von Todesfällen binnen 24 Stunden ist in in Indien am Mittwoch (12.05.2021) die Schwelle von insgesamt 250.000 offiziell registrierten Corona-Toten überschritten worden. Fachleute vermuten allerdings, dass die Anzahl der tatsächlichen Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus noch deutlich darüber liegt.

Wie das indische Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden insgesamt 4205 neue Todesfälle registriert. Die offizielle Gesamtzahl der vermeldeten Covid-19-Toten stieg damit auf 254.197. Mit fast 350.000 Neuinfektionen stiegt die Zahl der insgesamt registrierten Corona-Infektionen darüber hinaus auf 23,3 Millionen. Das bedeutet für Indien die zweithöchste Zahl hinter den USA.

Corona in Indien: Virus breitet sich in ländlichen Regionen aus - Offizielle Zahlen trügerisch

Besonders in den ländlichen Gegenden, in denen gut zwei Drittel der insgesamt etwa 1,3 Milliarden Einwohner Indiens leben, scheint sich das Coronavirus ungebremst auszubreiten. Es gebe mindestens „drei- oder viermal mehr Todesfälle“ als offiziell verkündet, sagte der unabhängige Gesundheitsforscher Anant Bhan der Nachrichtenagentur AFP.

Mehr als eine Viertelmillion Todesopfer forderte die Corona-Pandemie bereits in Indien. Und ein Ende ist angesichts des hoffnungslos überforderten Gesundheitssystems nicht in Sicht.

Als Beispiel für die abweichenden und womöglich fehlerhaften Zahlen führen Fachleute unter anderem den Bundesstaat Gujarat an: In Rajkot im Westen des Heimatstaates von Indiens Premierminister Narendra Modi gab es laut der Zählung des Gesundheitsministeriums der Hauptstadt Neu Delhi zwischen dem 1. und 23. April lediglich 154 Covid-19-Todesfälle. Die örtlichen Behörden dagegen gehen von 723 Corona-Todesfällen aus.

Corona in Indien: Gesundheitssystem und Krematorien überlastet - Dutzende Tote im Ganges

Indiens ohnehin schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem ist wegen der stetig steigenden Zahl an Corona-Fällen völlig überlastet. In zahlreichen Krankenhäusern des Landes sind trotz der Hilfe aus Deutschland und anderen Nationen Betten, medizinischer Sauerstoff und Medikamente knapp. Seit einigen Wochen sind zudem die Krematorien überlastet. Wie prekär die Situation ist, zeigt die Tatsache, dass inzwischen selbst auf Parkplätzen Leichen verbrannt werden. Teilweise werden Leichen sogar in Flüsse geworfen. Wohl auch, weil sich viele Hinterbliebene in armen Bevölkerungsschichten das Holz für eine Bestattung nicht leisten können.

So wurden dutzende Leichen mutmaßlicher Covid-19-Todesopfer an die Ufer des Ganges gespült. Infolgedessen wurde nun im Norden Indiens ein Fangnetz durch den Fluss gespannt. Dies teilte der Minister für Wasserressourcen im Bundesstaat Bihar, Sanjay Kumar, am Mittwoch auf Twitter mit. Das Netz sei im Ganges an der Grenze von Bihar zum Bundesstaat Uttar Pradesh platziert worden. Außerdem kündigte der Minister weitere Kontrollen am Fluss an.

Der Fund der insgesamt mehr als 70 Leichen an den Ufern des Ganges in Bihar hatte zudem die Befürchtungen gestärkt, dass sich das Coronavirus in den ländlichen Regionen Indiens unbemerkt ausbreitet. Kumar erklärte, die Regierung des ärmlichen Bundesstaates sei über die Tragödie der Verstorbenen und über den Schaden des im Hinduismus als heilig geltenden Flusses betrübt. Obduktionen der gefundenen Leichen sollen ergeben haben, dass die Verstorbenen bereits mehrere Tage tot waren.

In Indien entdeckte Corona-Variante B.1.617 laut WHO „besorgniserregend“

Die in Indien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.617 ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft worden, da die Variante möglicherweise sowohl ansteckender als auch unempfindlicher gegen Antikörper ist. Auch der deutsche Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) warnt vor der Corona-Mutante aus Indien. Laut aktuellen Angaben der UN-Organisation breitete sie sich inzwischen in mehr als 40 Ländern aus.

Die erstmals im Oktober in Indien aufgetretene Mutante sei in „44 Ländern in allen sechs WHO-Regionen“ definitiv nachgewiesen worden, teilte die UNO mit. Zudem lägen Berichte über Nachweise aus fünf weiteren Ländern vor. Außerhalb Indiens wurden in Großbritannien die meisten Fälle mit der indischen Virus-Variante B.1.617 festgestellt. (yw mit afp)

Rubriklistenbild: © Imago/Prabhat Kumar Verma

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