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Ghana: Insektizide gegen Moskitos, die Malaria übertragen. Die Krankheit fordert jährlich mehr als 400 000 Menschenleben.
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Ghana: Insektizide gegen Moskitos, die Malaria übertragen. Die Krankheit fordert jährlich mehr als 400 000 Menschenleben.

Malaria-Impfung

Durchbruch bei der Forschung nach einem Malaria-Impfstoff: „Ein fantastisches Ergebnis“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Seit 80 Jahren forscht die Menschheit an einem Impfstoff gegen Malaria. Nun ist bei einem Feldversuch in Burkina Faso ein Durchbruch gelungen, der bei Fachleuten Hoffnungen weckt.

Burkina Faso - Bei der jahrzehntelangen Suche nach einem Impfstoff gegen Malaria ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Durchbruch gelungen. Bei einem Feldversuch unter Kleinkindern in dem westafrikanischen Staat Burkina Faso hat sich der in der britischen Oxford-Universität entwickelte Impfstoff „R21/Matrix-M“ in mehr als Dreiviertel der Fälle als wirksam erwiesen. Es ist somit das erste Medikament, das die von der Weltgesundheitsorganisation WHO gesetzte Hürde einer 75-prozentigen Wirksamkeit übersteigt.

„Das ist ein fantastisches Ergebnis“, jubelte der burkinabische Chef des Feldversuchs, Professor Halidou Tinto: „Womöglich werden wir die Zahl der Malaria-Toten in den nächsten fünf Jahren von jährlich mehr als 400 000 auf wenige Zehntausend verringern können.“ Mit 394 000 Menschen, vor allem Kindern, sind in Afrika im vergangenen Jahr mehr Erkrankte an Malaria als an Covid-19 gestorben. Das Coronavirus tötete knapp 120 000 Afrikanerinnen und Afrikaner.

Suche nach einem Malaria-Impfstoff: Bislang mehr als 140 Vakzine getestet

Die ersten Versuche mit einem Malaria-Impfstoff fanden bereits vor 80 Jahren statt. Bis heute wurden mehr als 140 Vakzine ausprobiert, deren Wirksamkeit meist weit unter 50 Prozent blieb. Der erste und bislang einzige lizensierte Malaria-Impfstoff „Mosquirix“ erreicht lediglich eine Effizienz von rund 30 Prozent. Als Grund für die wesentlich kompliziertere Entwicklung eines Malaria-Vakzins geben Forschende vor allem die Tatsache an, dass ein Malaria-Parasit mehr als 5000 Gene aufweist, der Sars-CoV-2-Virus lediglich zwölf. Außerdem ist die Übertragung des Parasiten von der Anopheles-Stechmücke auf den Menschen und wieder zurück sehr viel komplizierter als beim Coronavirus, der mit einem einzigen Protein an menschliche Zellen andockt.

Die jahrzehntelange Suche nach einem Malaria-Impfstoff habe bei der nur Monate dauernden Entwicklung eines Covid-Vakzins entscheidend geholfen, sagte Adrian Hill, Direktor des Jenner Instituts an der Universität Oxford. Dort wurde neben „R21/Matrix-M“ auch der Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca entwickelt.

Feldversuch soll ausgeweitet werden

Der Feldversuch in Burkina Faso begann im Mai 2019 unter 450 Kindern im Alter zwischen fünf und 17 Monaten. Von den 147 lediglich gegen Tollwut geimpften Kindern erkrankten in den kommenden Monaten 105 an Malaria, während sich von den 292 mit „R21/Matrix-M“ behandelten Säuglingen nur 81 den oft tödlichen Parasiten einfingen. Der Versuch soll jetzt auf knapp 5000 Kinder im Alter zwischen fünf Monaten und drei Jahren in vier afrikanischen Staaten ausgeweitet werden.

Ein „Ärzte ohne Grenzen“-Team im Einsatz gegen Malaria in der Zentralafrikanischen Republik.

Malaria ist eine der ältesten und verheerendsten Geißeln der Menschheit: Von dem Parasiten wurden bereits die affenähnlicheren Vorfahren des Homo Sapiens geplagt. Noch heute erkranken weltweit jährlich rund 230 Millionen Menschen an Malaria, mehr als 400 000 sterben – davon weit über die Hälfte Kinder und 90 Prozent in Afrika. Ein Fünftel aller afrikanischen Kinder, die ihr fünftes Lebensjahr nicht erreichen, sterben an Malaria, und mehr als zehn Prozent der Frauen, die im Kindsbett sterben. Mehr als 60 Prozent der Krankenhausaufenthalte von Afrikaner:innen sind dem Parasiten zuzuschreiben. Vor allem durch Krankheits-Ausfälle vernichtet die Krankheit jährlich 1,3 Prozent des kontinentalen Wirtschaftswachstums.

Malaria-Sterbefälle: Fachleute haben Hoffnung

Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, Malaria-Sterbefälle bis zum Jahr 2030 um 90 Prozent zu verringern. Während nach der Jahrtausendwende durch die Verteilung von Moskitonetzen, den Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln und besseren Medikamenten zunächst erhebliche Fortschritte erzielt wurden, blieb die Erkrankungs- und Todesrate in den vergangenen Jahren fast konstant. In der überwiegenden Mehrheit der 44 afrikanischen Staaten, in denen Malaria endemisch ist, wäre das WHO-Ziel bis zum Jahr 2030 bei weitem nicht erreicht worden.

Nun kommt unter Fachleuten wieder Hoffnung auf: „Wenn die Regierungen die nötigen Mittel bereit stellen, kann noch unsere Generation Malaria besiegen“, meint Gareth Jenkins von der britischen Nichtregierungsorganisation „Malaria No More“. Der Covid-19-Impfstoff werde derzeit innerhalb von Monaten in aller Welt verteilt, fügt der Oxforder Vakzinologe Hill hinzu: „Warum sollte das nicht auch mit ,R21/Matrix-M‘ möglich sein?“ (Johannes Dieterich)

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