Suche nach Impfstoff

Nicht zu viel Optimismus: WHO glaubt noch nicht an Corona-„Allheilmittel“

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona läuft auf Hochtouren. Bei der WHO herrscht Zurückhaltung, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts macht Hoffnung.

  • Noch immer läuft das Rennen um einen Impfstoff gegen Corona.
  • Mit einem Mittel der US-Biotech-Firma Moderna soll es Tests an mehreren tausend Personen geben.
  • Verschiedene Unternehmen führen inzwischen Versuche mit ihren Wirkstoffen durch.

+++ 15.15 Uhr: Während das Paul-Ehrlich-Institut viel Zuversicht verbreitet, was die Suche nach einem Impfstoff betrifft (siehe Update um 9.43 Uhr), gibt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wesentlich zurückhaltender. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte jetzt jedenfalls eindringlich vor zu viel Optimismus bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus: „Im Moment gibt es kein Allheilmittel, und vielleicht wird es nie eines geben.“ Deshalb sei weiterhin der beste Schutz, alle Standardregeln wie etwa das Tragen von Masken, häufiges Händewaschen und Abstandhalten zu befolgen.

Weltweit wird derzeit unter Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus geforscht, dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt. Auch die deutschen Unternehmen Biontech und Curevac sind daran beteiligt. Die WHO hatte bereits am Wochenende erklärt, sie rechne nicht mit einem baldigen Ende der Corona-Krise. Die Pandemie werde „sicher sehr lang“ andauern, teilte das WHO-Notstandkomitee mit.

Laut Paul-Ehrlich-Institut könnte bald ein Impfstoff kommen

Update von Montag, 03.08.2020, 09.43 Uhr: Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, ist zuversichtlich, dass es zeitnah einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird. „Wir haben aus den ersten klinischen Prüfungen Ergebnisse erhalten, die zeigen, dass einige Impfstoffe tatsächlich eine spezifische Immunreaktion beim Menschen gegen SARS-CoV-2 erzeugen können“, sagte Cichutek am Sonntagabend im ZDF-„heute-journal“. „Das sind sehr gute Neuigkeiten.“ Weltweit gebe es schon 140 bis 150 Impfstoffprojekte in diesem Bereich.

Es liefen 26 klinische Prüfungen. Sechs davon befinden sich laut Cichutek schon in einem Stadium, in dem nun noch einmal statistische signifikante Sicherheitsdaten und Wirksamkeitsdaten erhoben würden. Das Paul-Ehrlich-Institut ist für die Genehmigung der klinischen Prüfung und Zulassung Arzneimitteln zuständig.

Erstmeldung vom Dienstag, 28.07.2020, 06.52 Uhr: Firmen auf der ganzen Welt befinden sich derzeit im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Neben dem Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und dem US-Konzern Pfizer arbeitet derzeit auch die US-Biotech-Firma Moderna an der Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs. Nachdem ein experimentelles Mittel der Firma Moderna bereits erste erfolgversprechende Ergebnisse liefert, wird der Wirkstoff laut der Nachrichtenagentur dpa AFX nun an Menschen getestet.

Test mit Impfstoff gegen Corona an rund 30.000 Menschen

In der so genannten klinischen Phase wird der mögliche Impfstoff laut der zuständigen Gesundheitsbehörde an etwa 30.000 Probanden und Probandinnen geprüft. Es handelt sich dabei um freiwillige Erwachsene, die nicht mit Covid-19 infiziert sind. Es soll dabei herausgefunden werden, ob der Impfstoff tatsächlich vor einer Infektion mit dem Virus schützen kann.

Der Impfstoff von Moderna wurde bereits bei an wenigen Personen getestet. Bei 45 Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren traten keinerlei Nebenwirkungen auf und die Forscher stellten fest, dass sich Antikörper gegen das Coronavirus entwickelten – mehr als diejenigen Personen, die unter einer Covid-19-Infektion litten. Daher soll der Impfstoffkandidat jetzt an einer Vielzahl von Personen durchgeführt werden, um die bisherigen Ergebnisse zu überprüfen.

Zuversicht bei Moderna bei Forschung an Corona-Impfstoff

Auf Twitter teilte die Firma Moderna ein Zitat des CEOs Stéphane Bancel, in dem er sich bei den Unterstützenden und Teilnehmenden der Studie für den Impfstoff bedankt und seine Freude über die nun beginnende dritte Phase äußert. Er scheint dabei mit positiven Ergebnissen zu rechnen: „Wir freuen uns auf diese Studie, mittels deren wir das Potenzial unseres Impfstoffs demonstrieren und diese Pandemie besiegen können.“

Laut US-Behörden ist noch unklar, wann genau mit ersten Ergebnissen der dritten Testphase zu rechnen ist. Manche Teilnehmenden erhalten ihre zweite Impfdosis offenbar erst Ende November. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist der Impfstoff gegen Corona der US-Biotech-Firma Moderna nicht das einzige Mittel, dass sich in einer fortgeschrittenen Testphase befindet. Es werden derzeit anscheinend auch Wirkstoffe anderer Firmen an Testpersonen erforscht. (Teresa Toth)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Hans Pennink/AP/dpa

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