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Tennisstar Boris Becker muss in London erneut vor Gericht

Boris Becker

„Immer noch zwei Mark fünfzig“

Von der Tennis-Legende zum „Pleite-Promi“: Die zwei Gesichter des Boris Becker.

Keine 48 Stunden liegen zwischen den zwei Auftritten: Beim Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum sitzt Boris Becker Ende September mit Sonnenbrille und Freizeithemd auf der Tribüne. Bei seiner Pressekonferenz plaudert der 52-Jährige bestens gelaunt über den besten deutschen Tennisspieler Alexander Zverev.

Zwei Tage später: Mit verkniffenem Gesichtsausdruck ist Becker in seiner Wahlheimat London auf dem Weg ins Gericht. Er trägt Nadelstreifen-Anzug und Krawatte, die schwarze Schirmmütze ist tief ins Gesicht gezogen. Der Ärger um sein privates Insolvenzverfahren zieht sich.

Am kommenden Donnerstag hat Becker einen weiteren unangenehmen Termin: Sein Fall wurde an den Southwark Crown Court in London verwiesen. Der Tennis-Star will sich dort gegen Vorwürfe der britischen Insolvenzbehörde wehren. Die Behörde wirft ihm – erneut – vor, in seinem Verfahren nicht genügend kooperiert zu haben. Becker streitet das vehement ab.

In diesen Tagen sind die beiden Gesichter des Boris Becker präsent wie selten. Während die einen auch nach Jahrzehnten noch den einst weltbesten Tennisspieler feiern, sehen andere in ihm den Pleite-Promi. Als 17-Jähriger hatte sich der Rotschopf aus Leimen mit seinem Wimbledonsieg in die Tennis-Geschichtsbücher katapultiert.

Heute ist Becker TV-Experte für Eurosport oder die britische BBC, Chef der Herren-Abteilung im Deutschen Tennis Bund und wurde jüngst von Alexander Zverev & Co. zum Teamchef für einen neuen Wettbewerb auserkoren. Für seine Analysen während der French Open wurde er zuletzt wieder mit Lob überhäuft.

Aber da sind eben auch die Fehltritte und die leidige Finanzmisere. „Das Thema Geld war für mich nie vordergründig. Manchmal hat man mehr, manchmal hat man weniger. Ich habe deswegen nie Dinge gemacht. Es war nie ein Grund, dass ich Tennis gespielt habe oder heute arbeite“, sagte Becker bei einem Event in Dessau und versicherte: „Ich verdiene immer noch zwei Mark fünfzig.“

Weiter unter Verdacht

Ganz so entspannt verliefen die vergangenen Jahre für Becker in dieser Hinsicht nicht: 2017 erklärte ein britisches Gericht den Wahl-Londoner für zahlungsunfähig. 2019 zwangsversteigerte man insgesamt 82 seiner Trophäen, Medaillen und Uhren.

Insolvenzverfahren können in England bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden, doch in Beckers Fall wurden die Insolvenzauflagen um zwölf Jahre verlängert – demnach muss sich der Ex-Profi bis zum 16. Oktober2031 bestimmten Einschränkungen für zahlungsunfähige Personen in Großbritannien unterwerfen. Grund ist, dass Becker Transaktionen aus der Zeit vor und nach dem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß gemeldet haben soll. Um ähnliche Vorwürfe geht es jetzt erneut. Es laufen strafrechtliche Ermittlungen.

Der Boulevard, der ihn als 17-Jährigen zum Nationalheiligen ausrief, stürzt sich nun genüsslich auf den gefallenen Helden. Es werde seit 30 Jahren allerhand über ihn geschrieben, das meiste davon stimme zum Glück nicht, so Becker. Wird der Prozess zum Wendepunkt? Laut Beckers Twitter werde sein Team seine Unschuld „zu gegebener Zeit“ beweisen. W. Müller, R. Semmler und L. Schwedes, dpa

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