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Im Namen des Vaters

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Von: Peter Riesbeck

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Kelly de Vries und ihr Bruder Royce de Vries vor Gericht. imago images
Kelly de Vries und ihr Bruder Royce de Vries vor Gericht. imago images © Imago Images

In den Niederlanden läuft der Prozess um den Mord an dem Journalisten Peter R. de Vries. Dessen Kinder wollen die Arbeit ihres Vaters fortsetzen.

Das Wort am ersten Prozesstag galt nicht den Angeklagten. „Die Verdächtigen sind für unsere Trauer nicht fassbar“, sagte Royce de Vries und wandte sich lieber an den Richter. Mit eindringlichen Worten schilderte er das Leben seines Vaters Peter R. de Vries und erklärte: „Er war ein Fels in der Brandung.“

Das galt für die Familie. Und für viele Verbrechensopfer in Holland. Denn der niederländische Journalist Peter R. de Vries war mehr als ein TV-Fahnder. Unermüdlich setzte er sich für die Rechte von Geschädigten ein und ermittelte notfalls auch selbst. Dafür bezahlte er mit seinem Leben. Im Juli 2021 wurde de Vries, 64, in Amsterdam auf offener Straße erschossen, vermutlich wurde ihm seine Unterstützung für einen Kronzeugen in einem Drogenprozess zum Verhängnis. Zwei Verdächtige müssen sich derzeit in Amsterdam vor Gericht verantworten: Delano G. und Kamil E. Die Staatsanwaltschaft beantragte lebenslange Haft. Das für Donnerstag erwartete Urteil, wurde am Montag verschoben.

Royce de Vries und seine Schwester Kelly wollen aber zur Urteilsverkündung wieder im Gericht sein. So wie am ersten Tag des Verfahrens. Einmütig traten beide in den Zeugenstand. „Er war immer für uns da“, sagte der Sohn. „Er stand ein für Gerechtigkeit – auch wenn das unbequem war“, erklärte Tochter Kelly de Vries.

Beide treten im Prozess als Nebenkläger:innen auf. Beide setzen das Erbe des Vaters fort. Royce de Vries studierte Jura, er arbeitete zeitweise in der Firma seines Vaters. Seine Schwester unterstützt mit einer Stiftung Kinder in Ghana. Vor Gericht stehen sie gemeinsam für das Werk von Peter R. de Vries ein.

„Man muss der Trauer Raum geben“, hatte Royce de Vries schon vor Prozessauftakt erklärt. Die Kinder machen das auf ihre Weise. Zum ersten Jahrestag des Anschlags am 6. Juli riefen sie die Peter R. de Vries-Stiftung ins Leben. Sie führen die Arbeit des Ermittlers weiter, der vor seinem Tod über Crowdfunding online Geld eingeworben hatten, um ungelöste Straffälle aufzuklären. Cold Cases heißen sie in der Sprache der Ermittler:innen. In der Sprache von Kelly R. de Vries klingt das so: „Mit der Stiftung erweisen wir der Arbeit unseres Vaters die Ehre, einem besonderen Journalisten und einem besonderen Menschen.“

Kelly de Vries übernahm den Vorsitz der Stiftung. Royce de Vries wird die Arbeit als Anwalt begleiten. Auch er hatte zu Jahresbeginn Todesdrohungen erhalten. Ein Mandat rund um einen Drogenprozess hatte er schon zuvor ruhen lassen. Die Sache rund um Hollands organisierte Kriminalität schwelt weiter. Mutmaßliche Hintermänner des Mordes an Peter R. de Vries mit Kontakten zum Chef einer Drogenbande wurden erst vorige Woche festgenommen. In einem getrennten Verfahren steht der Drogenboss vor Gericht, bei dem viele Fäden rund um ungeklärte Todesfälle zusammenzulaufen scheinen. Auch die rund um den Mord an Peter R. de Vries. Die Zeitung „NRC Handelsblad“ hat das in diesen Tagen in einem Dossier nochmal nachgezeichnet.

Royce de Vries und seine Schwester Kelly vertrauen nun auf die Justiz. „Ein Mord kostet viele Leben“, heißt der Titel eines Buchs ihres Vaters. Kelly de Vries hatte es in ihrem Plädoyer zu Prozessbeginn aufgegriffen. „Der Mord hängt vielen nach – uns und auch ihren Lieben“, sagte sie in Richtung Anklagebank. Bald sollen die Richter das letzte Wort haben. Dann folgt ein Urteil. Kein Schlussstrich. Der Kampf von Royce und Kelly de Vries für Gerechtigkeit geht weiter. Von nun an im Namen des Vaters.

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