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Türchen Nummer 16 des FR-Adventskalenders.
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Türchen Nummer 16 des FR-Adventskalenders.

DER FR-ADVENTSKALENDER

Im Land der unbekannten Traditionen

  • Viktor Funk
    VonViktor Funk
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Weihnachten ist nicht überall: Teil 16 der FR-Adventsgeschichten.

Weihnachten gab es nicht. Zumindest gab es an Weihnachten nichts Besonderes, damals, weit weg von Deutschland. Damals, ganz weit weg, war das Besondere der Abend mit Geschenken, das Neujahrsfest. Aber Weihnachten? Gab es nicht.

Mein erstes Weihnachten in Deutschland war 1990 und es überforderte mich. Zu viele unverständliche Lieder, zu bunt, zu viel Spielzeug in den Geschäften. Zu große Hühnerschenkel auf den Tellern.

Traditionen, oder das, was ich heute als Tradition erkenne, sah ich damals bei Freunden, die in Deutschland geboren und aufgewachsen waren. In einer Familie wurde gewürfelt, wer wann ein Geschenk öffnen durfte. In einer anderen Familie wurden Spaßgeschenke unter die richtigen Geschenke gemogelt. Wieder ein anderer Freund erzählte von Klaviermusik und gemeinsamem Singen. Aber mit 15 oder 16 Weihnachtslieder in einer neuen Sprache in einem neuen Land lernen? Es gab größere Probleme damals.

Heute frage ich mich: Gab es denn wirklich keine Weihnachtstradition in der Familie? Ich greife zum Telefon.

„Papa, als Du klein warst, habt ihr Weihnachten gefeiert?“

„Ja. Wir hatten noch deutsche Nachbarn, Familie Franz vom Hof gegenüber. Die kamen zu uns oder wir gingen zu denen, dann haben wir zusammen gefeiert, am 24. zusammen gegessen, und Geschenke gab es am 25. morgens.“

„Habt ihr zusammen gesungen?“

Weihnachtsrituale

Für die einen ist es die Gans an Heiligabend, für die anderen muss es „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Nachmittagsprogramm sein. Wir alle haben bestimmte Geschichten, Filme oder auch Rituale, die zu Weihnachten gehören – und ohne die unsere Adventszeit nur halb so festlich wäre. In diesem Jahr finden Sie im FR-Adventskalender nicht nur die beliebten persönlichen Geschichten, sondern hin und wieder auch Verlosungen. Viel Glück und auf jeden Fall: Frohes Fest! FR

„Nein, aber Mutter konnte noch deutsche Gedichte, die haben wir auch gelernt.“

„Kannst Du noch eins?“

„Nein, das ist zu lange her. Ich kann mich nicht mehr erinnern.“

„Wieso habt ihr die uns nicht weitergegeben?“

Ja, warum nicht? Eine richtige Antwort fand Vater nicht. Weihnachten habe später, als er und meine Mutter die eigene Familie gründeten, kaum eine Rolle gespielt, sagt er. Wobei, es stimmt nicht ganz: „Wir haben den Tannenbaum immer früher aufgestellt, nicht nur zu Silvester und Neujahr. Wir haben ihn über Weihnachten schon stehen gehabt. Das war ja dort drüben nicht üblich.“ Und weiter nichts. Die Weihnachtstage waren normale Arbeitstage, wir Kinder gingen in die Schule oder in den Kindergarten.

Inzwischen stellt sich mir selbst die Frage, wie wohl eine Tradition entstehen kann. Denn mein Kind, die nächste Generation, ist in Deutschland geboren, wächst hier auf und fiebert dem Weihnachtsfest – und den Geschenken – entgegen. In den vergangenen Jahren – da glaubte der Nachwuchs schon nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber hielt noch an der kindlichen Vorfreude auf die Feiertage fest – schmückte mein Kind ganz allein den Weihnachtsbaum. Es wollte keine Hilfe, hängte die Kugeln alleine auf, dekorierte die Zweige mit Glitzerschlangen und stellte Spielzeugfiguren drunter. Der Baum wirkte klein, da vor der breiten Fensterfront. Und mein Kind lag darunter, spielte mit Figuren und Autos. Ab und an kehrte es die Scherben einer Weihnachtskugel weg.

Jeden Abend, nicht nur während der Festtage, will mein Kind eine Geschichte vorgelesen oder erzählt haben, auch wenn es schon längst selbst liest. Und jetzt, beim Schreiben, kommt eine Idee: Vielleicht ist der Weihnachtsbaum, der trotz vieler Wirren in der Familiengeschichte, immer aufgestellt wurde, doch so etwas wie eine Tradition. Vielleicht kann die traditionelle Zubettgeh-Geschichte am Weihnachtsabend angepasst werden. Vielleicht können wir ja künftig an Heiligabend gemeinsam die Weihnachtsgeschichte lesen. Oder Gedichte.

Vielleicht, denke ich gerade, ist es nie zu spät, eine Tradition zu begründen.

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