1. Startseite
  2. Panorama

Ihr zweites Heim

Erstellt:

Von: Gerd Braune

Kommentare

Kanadas Premier Justin Trudeau reagierte betont emotional auf die Todesnachricht.
Kanadas Premier Justin Trudeau reagierte betont emotional auf die Todesnachricht. © Justin Tang/dpa

Elizabeth II. hat kein anderes Land der vielen Mitglieder des Commonwealth so oft besucht wie Kanada. Trotzdem können sich dort manche nun auch eine Republik vorstellen.

Ottawa, 9. September 2022. Am Parlament, an allen Bundesgebäuden und an den Botschaften Kanadas in aller Welt wurde die kanadische Flagge nach dem Tod von Königin Elizabeth auf halbmast gesetzt. „Sie war eine meiner liebsten Persönlichkeiten“, sagte Premierminister Justin Trudeau sichtlich bewegt über die Verstorbene. „Sie diente uns 70 Jahre lang mit Stärke und Mut.“

Kanada trauert um sein Staatsoberhaupt. Denn Kanada ist konstitutionelle Monarchie und parlamentarische Demokratie. Es besteht aus ehemals britischen Kolonien, die sich ab 1867 schrittweise zum „Dominion of Canada“ zusammenschlossen. Kanada ist eines der 15 Mitglieder des Commonwealth, dem die britische Monarchie vorsteht. Kein anderes Land hatte sie so oft bereist wie Kanada.

Mary Simon ist als Generalgouverneurin Stellvertreterin der Monarchie in Kanada und führt die Amtspflichten des Staatsoberhaupts aus. „Ihre Majestät feierte unsere Erfolge, stand uns in schwierigen Zeiten zur Seite und inspirierte uns mit ihrer felsenfesten Hingabe zum Dienen“, sagte Simon, die die erste indigene Persönlichkeit in dem Amt ist.

Die Krone hatte, zurückgehend in die Zeiten vor Kanadas Staatsgründung, Verträge mit den First Nations geschlossen und besondere Beziehungen zwischen dem kanadischen Staat und den Indigenen begründet. Auf ihren Besuchen hatte die Queen immer wieder den Kontakt mit Kanadas Indigenen gesucht. Im ganzen Land zeigen Menschen Betroffenheit über ihren Tod, viele erinnern sich an Begegnungen mit der Königin. Neun von zehn Kanadierinnen und Kanadiern, so hieß es, haben nur sie als Monarchin erlebt.

Es gibt auch in Kanada eine republikanische Bewegung, die ein wirklich kanadisches Staatsoberhaupt und das Ende der Monarchie in Kanada fordert. Umfragen von Anfang 2021 deuteten darauf hin, dass nur ein Drittel der Bevölkerung glaubt, dass ihr Land auch unter kommenden royalen Generationen Monarchie bleibt. Besonders groß sind die Vorbehalte gegen die Monarchie im überwiegend frankophonen Québec. Geschätzt wird dort aber, dass die Queen fließend Französisch sprach und dies bei ihren Besuchen dort auch zeigte. Eine Debatte über die Umwandlung Kanadas in eine Republik wurde bislang aber noch nicht geführt. Zunächst überwiegt die Trauer.

Auch interessant

Kommentare