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La reina: Penelope Cruz.
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La reina: Penelope Cruz.

Interview mit Penelope Cruz

„Ich wollte nicht als Latina-Girl verheizt werden“

Die spanische Schauspielerin Penélope Cruz über ihren Kampf gegen das Klischee vom schönen Dummchen, Jugendwahn in Hollywood und warum sie ihren Oscar sogar mit an den Strand nimmt.

Die spanische Schauspielerin Penélope Cruz über ihren Kampf gegen das Klischee vom schönen Dummchen, Jugendwahn in Hollywood und warum sie ihren Oscar sogar mit an den Strand nimmt.

Señora Cruz, ist Älterwerden ein Fluch?

Nein, überhaupt nicht. Älterwerden gehört zum Leben dazu.

In Ihrem neuen Film „Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“ suchen Sie mit Johnny Depp nach der Quelle der ewigen Jugend. Wenn wir zynisch wären, würden wir jetzt hinzufügen – genauso wie viele Hollywood-Tycoons, die bei der Besetzung von großen Rollen oft auf Jugendlichkeit fixiert sind. Warum haben es Frauen in der Hinsicht viel schwerer als Männer?

Ich kann Ihnen versichern, selbst wenn es tatsächlich – wie im Film – einen Zaubertrank gäbe, der ewige Jugend verheißt, würde ich nie und nimmer davon trinken! Ich will mich ja nicht konservieren, sondern jedes Lebensalter bewusst und mit Freude durchleben.

In einer Szene fragt Johnny Depp seinen von Keith Richards gespielten Filmvater, ob dieser schon mal von der Quelle der Jugend gekostet habe. Richards verzieht sein von Falten zerfurchtetes Gesicht zu einem breiten Grinsen und sagt: „Sehe ich so aus?“ Hätte diese Szene auch mit einer älteren Frau funktioniert?

Aber sicher. Es gibt viele ältere Schauspielerinnen, die nicht nur in Würde, sondern auch in Schönheit gealtert sind. Nehmen wir nur einmal Dame Judi Dench, die in unserem Film einen kurzen Auftritt hat. Sie hätte das sicher mit genauso viel Aplomb spielen können. Andererseits bin ich mir natürlich sehr wohl bewusst, dass es gerade in Hollywood viele Leute gibt, die immer noch denken, eine Frau jenseits der 30 wäre schon schwer vermittelbar. Ist das nicht furchtbar borniert? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Frauen uns erst jenseits der 30 richtig entfalten. Männern gesteht man diesen Reifeprozess ja ohne weiteres zu. (Lacht) Da reden dann alle von „gutem Wein“, der im Alter angeblich immer besser werden soll. Mich haben solche Macho-Klischees immer kalt gelassen. Ich lasse mich auch nicht von dem grassierenden Jugendwahn irre machen.

Haben Sie Verständnis dafür, wenn vor allem weibliche Stars – ab einem gewissen Alter – ihr Aussehen durch Botox oder Schönheitsoperationen verbessern möchten?

Ich verurteile das nicht. Aber ich heiße es auch nicht gut. Wenn man sich die Ergebnisse später ansieht, ist das ja oft eher tragisch. Das muss jeder für sich entscheiden. Und wer weiß, was ich in zehn, 20 Jahren mache.

Aber der Druck, diesem jugendlichen Schönheitsideal zu entsprechen, muss enorm groß sein, sonst würden sich nicht so viele darauf einlassen, wohlwissend, dass die Ergebnisse, wie Sie es sagen, oft „tragisch“ sind.

Der Druck ist vor allem in Hollywood sehr groß, das stimmt. Ich verstehe mich allerdings als europäische Schauspielerin, die ab und zu in Hollywood arbeitet.

Sie sehen sich nicht mehr als spanische Schauspielerin?

Jetzt haben Sie mich ertappt. Natürlich bin ich das immer noch – und werde es auch immer bleiben. Mein Herz schlägt spanisch. Spanien ist meine emotionale Heimat. Hollywood hat diesbezüglich kein bisschen auf mich abgefärbt, obwohl ich schon viele Filme dort gedreht habe und hoffentlich noch drehen werde. Ich arbeite wirklich gern in Hollywood, aber mein Lebensmittelpunkt ist inzwischen wieder Madrid.

Und Hollywood scheint Ihnen Ihre Verwurzelung in Europa nicht übel zu nehmen. Früher galt für viele nicht-amerikanische Schauspieler: Wer es in Hollywood zu etwas bringen will, muss auch dort leben und präsent sein.

Da hat sich in den letzten Jahren auch viel verändert. Ich habe den Eindruck, dass man auch in den USA inzwischen globaler denkt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie schwer es für mich war, in Hollywood überhaupt Fuß zu fassen. Und das, obwohl ich ja schon eine gewisse Berühmtheit in Spanien erlangt hatte und auch einige Leute in Hollywood kannte, die mir anfangs ein paar Türen geöffnet haben. Aber um die wirklich guten Rollen zu kriegen, musste ich immer sehr hart kämpfen – und muss es auch heute noch. Das Wichtigste für mich war, dass man mich in Hollywood als Schauspielerin ernst nimmt. Ich wollte nicht als Latina-Girl verheizt werden. Denn dafür wäre ich mir viel zu schade gewesen.

Die vielen Facetten Ihrer Schauspielkunst hat vor allem der Regisseur Pedro Almodóvar zum Vorschein gebracht, mit dem Sie immer wieder zusammengearbeitet haben...

Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er war es eigentlich auch, der mir zum Durchbruch in Hollywood verholfen hat. Nachdem ich Ende der 90er Jahre in seinem Film „Alles über meine Mutter“ zu sehen war, lief meine Karriere in Hollywood plötzlich wie von alleine. Ich bin ihm – und noch ein paar anderen Menschen – unendlich dankbar dafür, dass sie an mich geglaubt und mir die Möglichkeit gegeben haben, mich in verschiedenen Rollen auszuprobieren – dass ich ihnen zeigen durfte, was in mir steckt.

Was, meinen Sie, hat den Ausschlag für Ihren Welterfolg gegeben – Talent, Handwerk, Schönheit oder Glück?

All das gehörte sicher dazu. Doch der Schlüssel zu meinem Erfolg war sehr harte Arbeit. Ich habe sehr lange und sehr intensiv Schauspielerei studiert, habe schon in relativ jungen Jahren in vier Sprachen Filme gemacht und war immer sehr auf meine Arbeit fokussiert. Doch das alles führt zu nichts, wenn man keine Chancen bekommt…

…und es schadet sicher auch nicht, wenn man dabei dann noch sehr attraktiv ist…

…ach, das „gute Aussehen“ ist eine sehr ambivalente Angelegenheit. Ich musste sehr lange gegen dieses Beauty-Image ankämpfen. Anfangs dachten die meisten doch nur: hübsches Gesicht, sexy Beine – nichts im Kopf. (Lacht) Aber ich habe es ihnen allen gezeigt! Aber wenn man nicht mit großer Leidenschaft und Aufopferungsbereitschaft für den Beruf bei der Sache ist, ist man – selbst wenn man es geschafft hat – sehr schnell wieder weg vom Fenster. Und ich will auch noch Filme machen, wenn ich jenseits der 50 bin.

Wie lernt man eigentlich, hart zu arbeiten? Hat Ihnen Ihre Ausbildung als klassische Ballerina und Tänzerin dabei genutzt?

Ganz sicher. Als Tänzerin habe ich vor allem eiserne Disziplin und den Willen gelernt, hart an mir zu arbeiten. Beides unbedingte Vo-raussetzungen, wenn man es zu etwas bringen will. Ich bin fast zehn Jahre, also bis ich 15 war, zur Ballettausbildung gegangen. Zur Schauspielerei bin ich dann eher zufällig gekommen.

Was halten Sie von all diesen Casting-Shows, die vorgeben, Superstars zu entdecken? Hätten Sie bei so etwas mitgemacht, wenn es solche Sendungen vor 15 Jahren gegeben hätte?

(Lacht) Wohl kaum. Ich glaube auch nicht, dass man echtes Talent bei solchen Fließband-Projekten finden kann. Aber ich wollte nie ein Star werden, sondern – wenn möglich – eine gute Schauspielerin. Wissen Sie, Schauspielerin wird man aus Passion, aus der Leidenschaft heraus, sich auszudrücken zu wollen und einfach zu spielen. Ich wusste schon im Alter von vier Jahren, dass ich spielte – wenn ich mich als Prinzessin, Piratenbraut oder Hexe verkleidete. Und ich habe damals schon meine verschiedenen „Auftritte“ miteinander verglichen und versucht, mich von Mal zu Mal zu verbessern. Ich fand das ungeheuer erregend. Heutzutage versuche ich, Rollen zu finden, die mich herausfordern. Die anfangs vielleicht sogar etwas zu schwer erscheinen. Aber nur so kann man wachsen. Aber manchmal ist es auch einfach nur die Freude und der Spaß an der Sache.

Dieser Spaß hat Sie in die Champions-League der Schauspieler gebracht. Sie bekommen zumindest für Ihre Hollywood-Produktionen Millionengagen. Man hat nicht den Eindruck, dass Ihnen das zu Kopf gestiegen sei.

Das wird niemals passieren! Das ist in meinen Genen einfach nicht vorgesehen. Sollte ich tatsächlich einmal anfangen, mich wie eine Diva aufzuführen, würden mir Freunde oder Angehörige garantiert sofort den Kopf wieder zurechtrücken. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich bin sehr bodenständig. Das habe ich meiner Erziehung zu verdanken. Meine Eltern haben uns Kinder immer zur Dankbarkeit und Bescheidenheit erzogen. Wir waren glücklich, immer ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch und Menschen zu haben, von denen wir uns geliebt und verstanden fühlten. Das ist eine gute Basis für ein gutes Leben.

Sie und Ihr Ehemann Javier Bardem sind beide international erfolgreiche, Oscar-gekrönte spanische Schauspieler. Gibt es da so etwas wie Konkurrenz zwischen Ihnen?

Nein, überhaupt nicht. Das wäre ja auch ziemlich dumm. Wir unterstützen uns, wo und wie wir nur können. Javier gibt mir seine Drehbücher zum Lesen und ich ihm meine.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder einmal gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Wir suchen immer wieder ganz entspannt nach einem geeigneten Projekt. Aber so etwas wie „Vicky Cristina Barcelona“, in dem wir beide spielten, gibt es selten.

Darin spielen Sie Bardems selbstmordgefährdete Ex-Frau. Ein anderes berühmtes Paar der Filmgeschichte, Richard Burton und Elizabeth Taylor, hat das Drama Ehe mal in dem Film „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ dargestellt. Ist das ein Stoff, der Sie reizen könnte?

Oh Gott, ich glaube nicht, dass dieser Film hilfreich für die Ehe von Elizabeth Taylor und Richard Burton war. Ich finde den Film fantastisch – und ich verehre Liz Taylor. Es gibt also keinen Grund, ihn noch einmal zu machen.

Wo bewahren Sie und Ihr Mann denn Ihre Oscars auf?

Zuhause , in unserer Wohnung in Madrid. Sie stehen mal im Wohnzimmer, mal im Flur, manchmal nebeneinander, manchmal getrennt. Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben, dass ich einen bekommen habe. Als ich ihn vor zwei Jahren für „Vicky Cristina Barcelona“ bekam, habe ich ihn eine Zeitlang sogar überall hin mitgenommen. Als ich in Los Angeles am Venice Beach zum Baden war, hatte er – neben meiner Decke – ein eigenes Handtuch. Und in diversen Nobel-Restaurants in L.A. seinen eigenen Stuhl. (Lacht) Ich war damals ein bisschen verrückt. Aber erzählen Sie es bloß nicht weiter.

Interview: Ulrich Lössl

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