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Die Rolle als Jedi-Ritter begleitet Mark Hamill seit 40 Jahren.

Star Wars

"Ich bin stolz, Teil einer Mythologie zu sein"

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US-Schauspieler Mark Hamill über sein Leben mit Luke Skywalker, die Angst vor einem Rundflug mit Harrison Ford und seine Trauer um Carrie Fisher.

In der achten Episode der „Star Wars“-Saga „Die letzten Jedi“ (ab Donnerstag im Kino) kehrt Mark Hamill noch einmal als Luke Skywalker zurück. An seiner Seite – zum letzten Mal – Carrie Fisher als Prinzessin Leia. Im Interview lässt Hamill die Krieg-der-Sterne-Jahre noch einmal Revue passieren und zeichnet sich dabei vor allem durch bodenständigen Humor und Selbstironie aus. „Ich promote einen Film, über den ich eigentlich gar nicht reden darf“, sagt Mark Hamill mit einem herzlichen Lachen. Und das ist nicht das einzige Paradoxon im Parallel-Universum des Sternenkriegers.

Mr. Hamill, wie geht es Ihnen nach 40 Jahren als Luke Skywalker?
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, als Luke Skywalker in die Filmgeschichte eingegangen zu sein. (Lacht) Wahrscheinlich steht sogar noch auf meinen Grabstein „Hier ruht Luke Skywalker“. Allerdings hätte ich mir nicht träumen lassen, dass diese Rolle mich mein ganzes Leben lang begleiten würde. Anfangs dachte ich, es sei nur eine unter vielen. Heute bin ich schon ein bisschen stolz, Teil einer Kino-Mythologie geworden zu sein, an der sich viele Familien auf der ganzen Welt erfreuen können.

Was ist für Sie die Essenz der „Star Wars“-Saga?
Für mich ist sie mehr Märchen als Science-Fiction. Als ich die ersten Drehbücher gelesen hatte, erinnerte mich das sehr an den „Zauberer von Oz“. Vor allem mag ich den Humor in diesen Filmen. Die meisten Science-Fiction-Filme sind doch sehr ernst – aber wir hatten R2-D2 und C-3PO, zwei Androiden, die sich gegenseitig ständig verulken. Und in den neuen Filmen gibt es das Modell BB8, das ich auch sehr witzig finde.

Werden Sie in „Die letzen Jedi“ länger mit dabei sein als im vorigen Film „Das Erwachen der Macht“? Da waren sie gerade einmal 72 Sekunden zu sehen …
(Lacht) .. darauf können Sie wetten! Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich war schon ziemlich angefressen, weil ich erst ganz am Schluss meinen Mini-Auftritt hatte. Dabei hatte mir das Disney-Studio gesagt, ich müsse für die Luke Skywalker-Rolle topfit sein. Also habe ich mich eineinhalb Jahre lang zweimal in der Woche von einem Personal Trainer im Fitness-Studio quälen lassen. Zum Dreh war ich in absoluter Topform. Und wofür? Damit ich mir am Ende des Films die Kapuze vom Kopf ziehe? Heute weiß ich natürlich, das diente alles zur Vorbereitung auf diesen Film. Und da spiele ich sehr wohl einen wichtigen Part.

Luke Skywalker war immer ein positiv besetzter Charakter. Wechselt er jetzt auf die dunkle Seite der Macht?
(Lacht) Ich werde einen Teufel tun und darauf antworten! Wir sind alle vertraglich zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Das Einzige, das man sagen kann, ist, dass die Jedi wohl … irgendwie … enden. Die Kunst bei diesen Filmen ist doch, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, indem man vertraute Protagonisten in bekannten und unbekannten Galaxien agieren lässt, aber natürlich die Geschichte auch weiter schreibt und Neues, Überraschendes und vor allem Unglaubliches hinzufügt. Bestenfalls wird die Story dann noch tiefer, noch spiritueller, noch bedeutender.

Aber Darth Vader ist schon Luke Skywalkers Vater, nicht?
Das werde ich sehr oft von den Fans gefragt, die es – bis zum heutigen Tag – einfach nicht glauben wollen! Vor allem bei den „Star Wars“-Treffen sind die Fans ja absolut auf die Saga eingeschworen. Da erzählen sie mir, wie diese Filme ihr Leben beeinflusst haben. Ein Fan hat mir mal erzählt, durch diese Filme sei seine Mutter vom Krebs geheilt worden.

Wie reagieren Sie darauf?
Ich bin da schon gerührt. (Nach einer kurzen Pause) Wissen Sie, was man bei solchen Treffen niemals machen sollte? Sich – wie ich – hinstellen und sagen: „Das ist doch nur ein Film!“ Die Fans hätten mich dafür fast gekreuzigt. Dabei hat George Lucas das selber mal so gesagt. Übrigens: Als mich Lucas fragte, ob ich wieder mitmachen wollte, war ich einerseits total begeistert, andererseits hatte ich Zweifel.

Warum?
Ich dachte, was ist, wenn das alles nicht mehr so gut sein würde wie früher? Allerdings hatte ich keine wirkliche Wahl. Denn wenn ich „Nein“ gesagt hätte, wäre ich der meist gehasste Mann im „Star Wars“-Universum gewesen. Und die wütenden Fans hätten sich vor meinem Haus versammelt und versucht, mich mit ihren Laser-Schwertern zu töten.

Zum Filmstart gibt es auch immer „Star Wars“-Spielzeug und Action-Figuren. Sammeln Sie die auch selbst?
Ich finde den Memorabilia-Aspekt dieser Filme sehr faszinierend. Mein Sohn Nathan wurde 1979 geboren, in dem Jahr, als wir „Das Imperium schlägt zurück“ drehten. Und da fragte ich George Lucas, ob ich ein paar „Star Wars“-Gimmicks für meinen Sohn bekommen könnte. Bald kamen also riesige Pakete mit der Aufschrift „Kenner“ bei uns an. „Kenner“ ist der Name der Spielzeugfirma für das „Star Wars“-Merchandising. Nathan war bei jeder Lieferung total aus dem Häuschen. Ich schwöre: Das dritte Wort, das er – nach Mama und Daddy – sagen konnte, war „Kenner“!

So eine Luke-Skywalker-Action-Figur hebt das Selbstbewusstsein schon, oder?
Ach, wissen Sie, als der „Star Wars“-Rummel anfing und dann mit den Jahren immer gigantischer wurde, war ich noch ziemlich jung und konnte den ganzen Hype gar nicht richtig genießen. Ich dachte immer: „Und was kommt danach? Wie schafft du es, als Schauspieler auch in anderen Rollen im Spiel zu bleiben?“ Heutzutage kann ich das Ganze viel entspannter auf mich wirken lassen und habe jetzt auch meinen Spaß daran.

Aber Sie waren auch in anderen Filmen erfolgreich, haben am Broadway gespielt …
… ja, schon, aber wenn ich als Amadeus oder als Elefantenmensch auf der Bühne stand, war ich für viele Kritiker trotzdem nur Luke Skywalker. Aber ich will mich nicht beklagen. Seit einiger Zeit arbeite ich auch erfolgreich als Synchronsprecher. Zum Beispiel leihe ich in der TV-Zeichentrick-Serie „The Killing Joke“ dem Joker meine Stimme. Da muss ich ja gegen ein Hollywood-Schwergewicht wie Jack Nicholson antreten! Anfangs hatte ich also gehörig Manschetten. Aber während der Fahrt ins Studio habe ich mich dann in Stimmung gebracht und im Auto ganz laut den Joker gesprochen. An jeder roten Ampel haben mich die Leute angeschaut, dann aber bloß mit den Achseln gezuckt. In Los Angeles – der Stadt der Verrückten und Ausgeflippten – hat sich niemand über mich gewundert.

In „Die letzten Jedi“ gibt es auf der Leinwand ein Wiedersehen mit Carrie Fisher als Prinzessin Leia …
… und das wird sicher eine sehr emotionale und melancholische Angelegenheit. Carries plötzlicher Tod – kurz nach den Dreharbeiten – hat ein tiefes Loch in meinem Herzen hinterlassen. Wir waren ja über all die Jahre eng befreundet. Wir waren sehr vertraut und haben den „Star Wars“-Wahnsinn von Anfang an miterlebt.

Welchen Wahnsinn? Details bitte!
Wir alle – George Lucas, Harrison Ford, Carrie Fisher und ich – dachten, dass der erste „Star Wars“-Film – optimistisch geschätzt – 30 Millionen Dollar einspielen würde.

Bis heute hat der „Krieg der Sterne“ über eine Milliarde US-Dollar eingespielt ...
... und bei unserer Promotion-Tour für „Krieg der Sterne“ waren wir – als der Film in den USA ins Kino kam – in Kanada. Als wir heimflogen und in Chicago landeten, war da diese unvorstellbar große Menschenmenge am Flugplatz. Und ich sagte: „Harrison, die warten sicher auf einen Rockstar. Vielleicht können wir den auch sehen.“ Dann sah ich genauer hin und sagte: „Carrie, da ist eine, die genauso angezogen ist wie du als Leia.“ Und sie sagte: „Ich habe auch schon ein paar Kids als Luke Skywalker verkleidet gesehen.“ Wir konnten es alle nicht fassen. Wenig später entdeckte ich mein Gesicht auf der Rückseite einer Cornflakes-Packung – zum Ausschneiden! Harrison meinte nur: „Und wenn schon.“

Harrison Ford wirkt selbst an einem guten Tag ziemlich reserviert. War er das auch beim Dreh?
Nein, mit Harrison kann jeder am Set wunderbar auskommen – wenn man gut vorbereitet zum Dreh kommt. Aber wissen Sie, wovor ich mich fürchte?

Nein, wovor?
(Lacht) Dass ich eines Tages einen Anruf von Harrison bekomme und er mich fragt, ob ich mit ihm nicht mal eine Runde fliegen will. Er hat ja Sportflugzeuge, mit denen er gerne den Luftraum über Los Angeles unsicher macht …

… und schon einmal abgestürzt ist und einmal notlanden musste.
Nicht gerade sehr beruhigend, oder? (Lacht) Dabei leide ich ohnehin schon an Flugangst …

Haben Sie Sorge, dass Carrie Fisher im nächsten Film vielleicht als computeranimierte Leia zu sehen sein wird?
Oh Gott, bitte nicht. George Lucas hat ja versprochen, dass das nicht geschehen wird. Andererseits hat er auch gesagt, dass er am liebsten Filme ohne Schauspieler machen würde … Wir werden sehen. Aber das wäre dann doch zu pietätlos. Carrie ist in „Die letzten Jedi“ ganz fantastisch und hat uns damit ein sehr schönes Vermächtnis hinterlassen. Wir alle sollten sie als lebenslustige Frau in Erinnerung behalten. Und als eine, die es faustdick hinter den Ohren hatte.

Wirklich?
Ja, sie war immer zu einem Scherz aufgelegt. Wir sprachen einmal über eine Szene in Mark Twains „Tom Sawyer“. Als alle denken, Tom Sawyer und Huckleberry Finn wären tot, schleichen sich die zwei in die Kirche, um dort – versteckt auf der Empore – ihrer eigenen Beerdigung zuzuschauen. Das fand Carrie wahnsinnig komisch. Sie sagte mal zu mir: „Wenn ich zuerst sterbe, versprichst du mir, dass du meine Beerdigung durch witzige Zwischenrufe störst? Und wenn du zuerst den Löffel abgibst, mache ich das auf deiner!“

Und, haben Sie es gemacht?
Nein, das habe ich mich dann doch nicht getraut.

Interview: Ulrich Lössl

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