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"Ich mag starke Frauen"

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Schauspielerin Kate Beckinsale präsentiert ihren neuen Film "Underworld Awakening".
Schauspielerin Kate Beckinsale präsentiert ihren neuen Film "Underworld Awakening". © dapd

Im neuen Teil der der Actionreihe "Underworld" ist die sonst so zarte Schauspielerin Kate Beckinsale wieder als brutale Vampirkriegerin zu sehen. Im Interview erklärt sie, was sie an der Rolle fasziniert und wie ihre Familie damit umgeht.

Im neuen Teil der der Actionreihe "Underworld" ist die sonst so zarte Schauspielerin Kate Beckinsale wieder als brutale Vampirkriegerin zu sehen. Im Interview erklärt sie, was sie an der Rolle fasziniert und wie ihre Familie damit umgeht.

Sie schwebt fast durch den Hotelflur des Berliner Adlon, in einem engen schwarzen und ziemlich kurzen Kleid, mit regelrecht festlichem Make-up und einem großen goldenen Kleopatra-Halsschmuck. Und diese irre hohen Absätze! Kate Beckinsale, 38, die durch ihre Hauptrollen in Kritikerlieblingen wie Martin Scorceses „Aviator“ und in Blockbustern wie „Pearl Harbor“ in die Topliga weiblicher Hollywoodstars aufstieg, stellt ihren neuen Film vor: Im 4. Teil der Actionreihe „Underworld“ spielt sie wieder die Vampirkriegerin Serene und wird damit wohl erneut die Kinocharts dominieren. Mit der brutalen, unterkühlten Serene hat die zarte, schöne Kate freilich keinerlei Ähnlichkeit. Größter Unterschied: Beckinsale lacht sehr viel.

Ms. Beckinsale, Ihre ersten Hauptrollen spielten Sie in Shakespeare-, Henry-Miller- und Jane-Austen-Adaptionen. Viele handelten Sie als kommende Charaktermimin – bis Sie in diesen brutalen, blutrünstigen Fantasy-Filmen auftauchten. Fürchten Sie nicht um Ihren Ruf?

Das würde ich vielleicht, wenn ich nicht mit den Actionrollen angefangen hätte, weil ich befürchtet hatte, auf Dramen und Romantic Comedys festgelegt zu werden. Inzwischen sind die Fantasy-Filme sehr bekannt, aber ich drehe nach wie vor viele Independentfilme, die mir genauso wichtig sind. Und ich glaube, dass ich jederzeit wieder große Popcorn-Romantic-Comedys spielen könnte. Nur leider sind in diesen Filmen die Frauenrollen oft eher ein Hilfsmittel für die Handlung als eine echte Figur. Dafür nehme ich Komödien zu ernst, auch weil mein verstorbener Vater ein berühmter Komödienschauspieler war. Ich würde es eher riskieren, einen schlechten Actionfilm zu spielen als eine schlechte Komödie.

Sie stammen aus einem gutbürgerlichen, intellektuellen Elternhaus in England. Ihre Mutter war sicher stolz auf Ihre Shakespeare-Rollen. Aber was hält sie von dem Gemetzel, das Sie in „Underworld“ anrichten?

Sie liebt es. Sie war ja selbst Schauspielerin und, ganz ehrlich: Sie findet solche Filme spannend. Meine Eltern sind sehr gebildet, sehr politisch, sehen viele Filme und gehen oft ins Theater. Aber sie können ihren Spaß an „Underworld“ als Actionfilm haben, als der er gedacht ist. Sie haben keine snobistischen Vorurteile gegenüber bestimmten Genres.

Anders als viele Journalisten?

(lächelt resignierend) Ja, das spüre ich schon. Aber es ist okay. Es würde mich mehr stören, wenn ein Film verrissen wird, der den Anspruch hat, den Kritikern zu gefallen. Dass sie „Underworld“ nicht mögen, ist Geschmackssache. Es ist, als würde ich in ein Heavy-Metal-Konzert gehen. Ich mag diese Musik einfach nicht, also was sollte ich da schon für eine Besprechung schreiben?

Was mögen Sie denn an der Rolle der wortkargen Kriegerin?

Gerade das. Im ersten Teil war die Figur so düster und rätselhaft – wie eine frühe Clint-Eastwood-Figur, die nicht viel spricht und keine Gefühle zeigt. Das reizte mich. Im Lauf der folgenden Filme bauten wir die Figur immer weiter aus, sie verliebte sich, hat nun eine Tochter ... das wollte ich gern spielen. Und ich mag es, eins der wenigen Mädels zu sein, die diese Art Actionfilme spielen dürfen. Eine starke, dominante Frauenfigur. Ich als Frau mag es, eine Frau zu sehen, die zupackt, Macht und Kraft hat, durchgreift – ohne dass es auf eine schlüpfrige, voyeuristische Weise gezeigt wird. Also ohne dass alle naselang ihre Klamotten von ihr fallen.

Die Kriegerin als Rollenvorbild? Lassen Sie auch Ihre eigene 13-jährige Tochter die Filme sehen – trotz der Splatter-Szenen?

Nein, dafür ist sie wirklich zu jung. Sie hat den Trailer gesehen, und das hat ihr gereicht. Sie steht eher auf Vampirfilme für Teenies, vor allem die „Twilight“-Reihe. Zumal darin ihr Vater mitspielt.

Wie vermitteln Sie Ihrer Tochter eigentlich, dass es im Leben nicht um Äußerlichkeiten geht und Frauen sich nicht zu Objekten männlicher Begierde machen sollten – während Sie selbst sich bei Shootings in Unterwäsche filmen lassen? Der Trailer von 2009, als das Magazin „Esquire“ Sie zur Sexiest Woman Alive kürte, steht bis heute auf YouTube ...

Wenn Sie denken, meine Tochter googelt MICH, dann sind Sie verrückt (lacht). Unter den Millionen Sachen, die sie im Internet ansehen kann, bin ich für sie das uninteressanteste. Ich weiß nicht mal, ob sie diese Wahl bemerkt hat. Ich setze mich ja nicht hin und sage: „Hör mal, ich muss dir etwas sagen: Ich bin die Sexiest Woman Alive ...“

Dennoch: Sie haben in Oxford und Paris russische und französische Literatur studiert, und Ihre Tochter wächst nun in einer oberflächlichen Glitzerwelt auf.

Aber dadurch ist sie im Vorteil: Sie sieht, dass Hollywood sehr oberflächlich ist – ich es aber nicht bin. Sie erkennt, dass unsere Gesellschaft, ja die gesamte westliche Kultur, voller Bilder von Menschen mit unrealistisch perfekten Körpern und Gesichtern ist. Manche Fotos von mir sind ja sogar mir selbst unangenehm. Aber meine Tochter sieht mit eigenen Augen den Unterschied zwischen Endergebnis und Rohmaterial: Sie weiß, dass für solche Fotos ein ganzes Team anrückt, um alles weich auszuleuchten und alle Schwächen wegzuschminken.

Aber normale Mädchen in ihrem Alter messen sich an solchen unrealistischen Fotos.

Das kann tatsächlich ein Problem sein. Deshalb unterstütze ich auch eine Gruppe britischer Psychologen, die zurzeit ein Gesetz durchsetzen will, das vorschreibt, dass retouchierte und nachbearbeitete Fotos gekennzeichnet werden. Das fände ich gut. Sicher, wir alle sehen gern ein schönes Foto von einem schönen Menschen. Aber wir wüssten dann auch gern, dass es nichts Reales zeigt.

Das Interview führte Steven Geyer.

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