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Udo Lindenberg wohnt im Hamburger Hotel Atlantic.

Udo Lindenberg

„Ich bin ein lebendiges Denkmal“

Die Raucherlounge im Hamburger Hotel Atlantic ist voll mit Nichtrauchern. Doch der Qualm stört niemanden, denn hier sitzt Udo Lindenberg. Der Kult-Sänger spricht über Enttäuschungen, alte Erfolge, neue Pläne und seinen Weg nach Hollywood.

Die Raucherlounge im Hamburger Hotel Atlantic ist voll mit Nichtrauchern. Doch der Qualm stört niemanden, denn hier sitzt Udo Lindenberg. Der Kult-Sänger spricht über Enttäuschungen, alte Erfolge, neue Pläne und seinen Weg nach Hollywood.

Genüsslich pafft Udo Lindenberg eine Zigarre und genießt die Aufmerksamkeit. Seine „Ich mach mein Ding“-Tour war die erfolgreichste Konzertreise, die der 66-Jährige je gemacht hat. Am Freitag erscheint der gleichnamige Mitschnitt der Show auf DVD und CD – doch natürlich hat der Entertainer längst schon neue Pläne.

Herr Lindenberg, auf der Bühne, aber auch heute beim Interview tragen Sie neongrüne Socken zur schwarzen Garderobe. Sind das Glückssocken?

Klar! Ich muss aber auch aus Berufsgründen grüne Socken tragen. Sie dienen der Orientierung. Denn ich habe diese unverschämt langen Beine, und auf der Bühne ist es oft nebelig und dunkel. Ich gucke also nach unten, wo die Socken leuchten, und dann weiß ich: Ah, hier entlang!

Kollegen wie Jan Delay, Clueso und Stefan Raab waren auf Ihrer Tour dabei. Ihre Konzerte haben fast schon eine familiäre Atmosphäre. Wie merken Sie, dass jemand es wert ist, in diese Familie aufgenommen zu werden?

Ich bin „Detektiv Spürnase“. Gleich bei der ersten Begegnung merke ich, ob da eine goldene Chemie ist oder ob’s klemmt. Schön ist natürlich, wenn’s auf der Bühne richtig toll ist und sich daraus wunderbare Freundschaften entwickeln, die richtig tief gehen. Wie die mit Clueso oder wie seit Ewigkeiten mit Inga und Annette Humpe.

Sind Sie schon einmal enttäuscht worden?

Ja, klar. Da geht es mir wie jedem anderen. Erst der große Kredit und dann die Enttäuschung. Inzwischen habe ich aber eine bessere Menschenkenntnis als noch vor 30 Jahren, deshalb vertue ich mich seltener.

Wie pflegen Sie all Ihre Freundschaften?

Es gibt die sehr große Panikfamilie, und ich bin so eine Art Pate. Und der Pate ist rund um die Uhr am Telefon ansprechbar.

Gibt es Momente, wo Sie Ruhe brauchen?

Meistens ist das nachts. Manchmal setze ich mich aber auch tagsüber allein ins Auto und fahre raus aus der Stadt. Ich finde es wichtig, dass man auch sich selber begegnet und aushält. Ich begegne mir selber ganz gerne. Es gibt eine ziemliche Harmonie zwischen mir und mir.

Hat das mit den Erfolgen zu tun?

Die sind schön. Aber es gab andere Zeiten, die Höhen und Tiefen, die Achterbahnfahrten und die Sinnkrisen natürlich. Weil ich nicht wusste, wie ich vom Teenie-Idol zum Rock-Chansonnier werde. Der Schritt dahin war schwierig, weil ich mich an niemandem orientieren konnte.

Lindenberg plant Film über Kalten Krieg

Was planen Sie als Nächstes?

Einen Film! Aber wir werden nicht die Bühnenversion unseres Musicals „Hinterm Horizont“ abfilmen. Es wird eine neue Story um den Kalten Krieg gebastelt. Etwas, dass auch auf Süd- und Nordkorea, auf Nordirland und andere geteilte Länder passt. Es wird um den Kampf gegen Mauern und Grenzen gehen. Und wir sind im Gespräch mit Hollywood – mit meinem guten Freund Wolfgang Petersen. Außerdem mit Tom Tykwer, Sönke Wortmann und Fatih Akin. Es liegen einige Drehbücher auf dem Tisch.

Der Panikrocker also demnächst in Hollywood?

Das soll passieren. Als ich neulich im Amiland war, kamen die Leute auf mich izu und holten sich Autogramme, obwohl die mich gar nicht kennen. Die sagten: „He must be like Bono, he must be famous, a great rockstar or from the movies!“ Ich will auch einen englischsprachigen Song machen, einen Welthit. Wir sind gerade dabei zu checken, welche Songs sich gut eignen würden. Das können die Leute, die in Amiland leben und arbeiten, natürlich besser sagen als ich. Ich habe aber schon eine konkrete Idee. Und ich kenne dort einige Leute: den Produzenten von Billy Idol, den ich schon gerne beim Unplugged dabei gehabt hätte, und den von Pink.

Udo im Duett mit Pink – wäre das eine Option?

Alles ist möglich. Es ist wirklich so, dass ich in Amiland jeden treffen kann. Da muss man nicht erst groß Anträge stellen. Das ist ein Privileg, das man als Popstar hat. Es ist leichter als damals im Osten.

Ein Museum wollen Sie doch auch noch eröffnen.

Ja, die Panik-City, die soll kommen. In Hamburg und vielleicht auch in Berlin. Mit einer ordentlichen Bühne, wo wir auch unsere Tourneen vorbereiten können. Mit Workshops und Gastvorträgen, wo ich Leute wie Jan Delay oder Clueso mal für ein paar Wochen zum Professor mache und erzählen lasse über den Job des Rockstars. Es soll nicht nur ein Museum, sondern eine Stätte der Begegnung werden.

Das klingt, als wären Sie dabei, sich Ihr eigenes Denkmal zu schaffen.

Ja, das ist doch lustig, wenn man das jetzt schon während der Zeit des Erlebens macht und nicht erst, wenn man unter der Erde liegt. Ich will ja auch etwas davon haben. Die benennen schon Plätze nach mir, und ich bekomme diese ganzen Lebenswerkpreise. Dabei bin ich ein quicklebendiges Denkmal, das noch auf dem Sockel rumhüpft.

Haben Sie manchmal Panik, dass es von heute auf morgen vorbei sein könnte?

Mein Arzt sagt immer:„Udo, 30 weitere Jahre, das kriegen wir hin.“ Ich bin da ganz optimistisch. Ich achte auf eine gesunde Lebensweise: keine Zigaretten rauchen, nach der Mengenlehre trinken und ordentlich bewegen – ich schwimme jede Nacht mit Gummihut eisenhart zwei Kilometer im Hotelpool.

Das Interview führte Katja Schwemmers.

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