Liv Tyler schließt sich auf Film-Sets ganz gern in der Toilette ein, um ein bisschen Ruhe zu bekommen.
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Liv Tyler schließt sich auf Film-Sets ganz gern in der Toilette ein, um ein bisschen Ruhe zu bekommen.

Interview

"Ich fürchte mich vor meinem Job"

10 Fragen an Liv Tyler: Warum die Schauspielerin besessen von Freuds Psychoanalyse ist.

In Ihrem neuen Film spielen Sie die Freundin des Hulk, dessen Figur erst später per Computer eingefügt wurde. Wie fühlt es sich an, Szenen mit einem Unsichtbaren zu spielen?

Es ist schon sehr merkwürdig, um nicht zu sagen idiotisch. In einigen Szenen gab es überhaupt nichts, worauf ich schauen, geschweige denn was ich berühren konnte. In einem anderen Fall hatte man einen Mann dafür abgestellt, der ein zwei Meter hohes Kreuz trug, auf das ein Kopf gesteckt war. Ich bat das Team, einen provisorischen Hulk-Schädel dafür zu basteln.

Warum ließen Sie sich auf ein so groteskes Spektakel ein?

Ich habe zuletzt zwei kleine Independent-Filme gedreht. Da weißt du nie, ob sie je das Licht der Öffentlichkeit sehen. Einer davon - mit Diane Keaton - wird vielleicht nie herauskommen, beim anderen, bei dem Horrorstreifen "The Strangers", dauerte es bis zum Kinostart eineinhalb Jahre. Da sagte ich zu meinem Agenten: "Kannst du mir kein Projekt wie "Der Herr der Ringe" besorgen, das garantiert sein Publikum findet und integer ist?" Prompt erhielt ich eine Woche später das Angebot für "Hulk".

Ist es Ihnen schwer gefallen, nach den Low-Budget-Filmen plötzlich wieder Teil einer großen Hollywood-Produktion zu sein?

An den ersten Tagen war ich extrem nervös. Ich zog mich dann auf die Toilette zurück, um für mich zu sein und meine Gedanken zu sammeln. Ich schloss meine Augen und betete: Lass mich frei und tapfer genug sein. Und ich versuchte, wie ein Kind zu denken. Denn einem Kind ist es völlig egal, was die anderen von ihm halten.

Macht Ihnen die Schauspielerei in solchen Momenten gar keinen Spaß?

Ich habe durchaus Angst vor meinem Job. Du musst darin dein Innerstes offen legen, und andere Leute beurteilen, ob das gut oder schlecht ist. Diese Vorstellung allein ist einschüchternd. Gleichzeitig musst du bereit sein, auch mal Widerstand zu leisten. Manchmal sagt man dir, diese Szene ist im Kasten, während du das Gefühl hast, dass du noch nicht alles aus dir herausgeholt hast.

Auf dem Set von "Hulk" waren Sie eine der ganz wenigen Frauen unter den Darstellern. Fällt es Ihnen schwerer, sich da durchzusetzen?

Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob ich mit Männern oder Frauen arbeite. Diese Unterscheidung finde ich eher dumm. Allerdings gibt es für Frauen eine andere Kommunikationspolitik. Manche Leute haben Schwierigkeiten, wenn eine Frau ihren Standpunkt klar vermittelt. Und deshalb musst du vorsichtig sein, wie du formulierst und auf andere wirkst, was wirklich lästig ist.

Was raten Sie anderen Frauen?

Gerade in einer kreativen Zusammenarbeit musst du deine Worte genau abwägen. Unser ganzes Leben wird von Kommunikation geprägt, ob in der Ehe oder im Job - eine falsche Reaktion, und du hast alles vermasselt.

Sie haben sich vor kurzem von Ihrem Mann getrennt. Ist das der Schluss, den Sie aus Ihrer gescheiterten Ehe gezogen haben?

Diese Schlussfolgerungen habe ich aus meiner Lektüre. Ich habe viele Ratgeber dazu gelesen. Außerdem gehe ich zur Psychoanalyse. Das ist eine kleine Obsession von mir.

Und, sind Sie jetzt schlauer?Viele unserer Probleme haben ihre Wurzeln in unserer Kindheit. Wie wir uns in unseren Liebesbeziehungen verhalten, hängt sehr stark davon ab, was unsere Eltern für eine Beziehung geführt haben.

Sie haben erst relativ spät erfahren, dass der Lebensgefährte Ihrer Mutter nicht Ihr biologischer Vater ist. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Natürlich habe ich manchmal darunter gelitten - das hätte wohl jeder Mensch. Aber ich hatte immer eine große Familie um mich: meinen Vater Steven, meinen Stiefvater Todd, meine Mutter und meine Großeltern. Weihnachten verbringe ich erst mit meinem Vater, und anschließend besuche ich noch meinen Stiefvater. Ich versuche, mir Zeit für beide zu nehmen.

Sind Patchwork-Familien wie Ihre nicht furchtbar stressig?Ja, aber dieses komplizierte Beziehungsgeflecht mit all seiner Dynamik ist doch auch sehr spannend. Ich versuche immer noch, seine Dynamik zu verstehen und inwiefern sie mich beeinflusst hat, damit ich bei meinem Sohn Milo einiges anders machen kann.

Interview: Rüdiger Sturm

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