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Stürmische See: Schnell kam es unter den Passagieren zur Panik.

Rettung aus Seenot

Kreuzfahrtschiff „Viking Sky vor Norwegen: „Ich dachte, das ist das Ende“

Nur knapp entgehen 1373 Menschen auf dem in Seenot geratenen Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ einer Katastrophe. 

Nach 26 angsterfüllten Stunden für die Passagiere legte das norwegische Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ am Sonntagnachmittag gegen 16.30 endlich im sicheren Hafen von Molde in Nordwestnorwegen an. Zahlreiche Helfer nahmen die zumeist schon betagten Reisenden in Empfang und fuhren sie in Hotels – oder in umliegende Krankenhäuser.

Das mit der Belegschaft 1373 Passagiere zählende Schiff war am Samstag gegen 14 Uhr wegen einem heftigen Sturm und gleichzeitigem Motorenversagen in heftige Seenot geratenen.

Zwei Schleppern gelang es erst am Sonntagmorgen, das 228 Meter lange Schiff Richtung Molde zu wenden. Auch die Motorenschäden wurden behoben, so dass die Viking Sky bei aufklarendem Wetter wieder aus eigener Kraft fahren konnte. Bis zur Weiterfahrt am Sonntagmorgen fand jedoch eine dramatische, rund 20 Stunden dauernde Rettungsaktion von 463 Passagieren mit Hubschraubern statt.

Das Schiff geriet am frühen Samstagnachmittag in Seenot. Nur wenige Kilometer vor einem besonders gefährlichen Teil der norwegischen Nordwestküste schaukelte das riesige Schiff mit 14 Decks in einem kräftigen Sturm Richtung Land, angepeitscht von meterhohen Wellen. Genau an jene Küste, wo in der Vergangenheit mehrere Schiffe havariert waren.

Motoren der erst 2017 vom Stapel gelaufen Viking Sky hatten im Sturm den Geist aufgegeben. Warum blieb zunächst unklar. Um 14 Uhr schickte der Kapitän den Mayday-Notruf raus. Handyvideos vom Schiff zeigen Panik unter den 1373 Menschen an Bord, Möbel rutschten hin und her, Dachteile stürzten auf Reisende, Rettungswesten wurden ausgeteilt. Der Mannschaft gelang es in letzter Minute die Anker auszuwerfen, um die Position zu stabilisieren. „Ich dachte an die Titanic“, so der per Helikopter evakuierte US-Passagier Rodney Hogen. „Wir saßen im Restaurant. Es begann, kräftig zu schaukeln. Plötzlich gab ein Fenster oder eine Tür durch eine meterhohe Welle nach, Wasser strömt hinein und riss Tische Stühle und Geschirr und 20 bis 30 Leute direkt vor mir mit sich. Meine Frau saß mit gegenüber, plötzlich war sie nicht mehr da. Da dachte ich, das ist das Ende“, berichtet der Rentner dem Sender NRK.

Der kräftige Sturm machte eine Evakuierung der Passagiere mit Rettungsbooten am Samstag unmöglich. Fünf Helikopter flogen deshalb im Pendelverkehr hin und her, um die Passagiere zu retten – bei einer Windgeschwindigkeit von zeitweise 38 Knoten, also über 70 Kilometer pro Stunde. Jeder Helikopter konnte laut NRK bis zu 15 Personen gleichzeitig mitnehmen. Insgesamt wurden so 463 oder 479 Passagiere ausgeflogen, norwegische Medien geben verschiedene Zahlen an.

Am Morgen konnte die Viking Sky dann endlich Kurs auf den sicheren Nothafen in Molde nehmen. Am Sonntag wurde erstmals Kritik an der verantwortlichen Reederei „Viking Ocean Cruises“ laut: Weil es überhaupt im Sturm ausgelaufen ist, wegen dem plötzlichen Motorenstopp und weil viele Möbel im Schiff nicht angeschraubt waren. Das sei aufgrund von Stabilisatoren auch nicht üblich auf modernen Schiffen, so der Schiffsexperte Erik Tveten.

Warum das Schiff bei so schlechtem Wetter ausgelaufen war, wollte Reedereieigentümer Torstein Hagen am Sonntag nicht kommentieren. „Das ist nichts, was ich beantworten kann“, sagte er der Zeitung „Dagbladet“. Nach der Beinahe-Katastrophe am Samstag hatten andere Schiffe ihre Weiterfahrt aufgrund des Unwetters eingestellt und Passagiere stattdessen per Flugzeug weitertransportiert. Auch ein Frachtschiff geriet am späten Samstagabend unweit von der Viking Sky in Seenot. Deren neun Besatzungsmitglieder wurden ebenfalls mit Helikoptern evakuiert.

Schiffseigentümer Torstein Hagen will sämtliche vor allem aus dem angloamerikanischen Raum stammenden Passagiere der Viking Sky von Molde aus heimfliegen lassen. Das Kreuzfahrtschiff war auf dem Weg von Tromsö zur südlicher gelegenen Küstenstadt Stavanger. Insgesamt ist es für 930 Passagiere gebaut worden. Die Viking Sky hat Spa-Bereiche, ein Hallenbad und mehrere Restaurants und Bars.
Von André Anwar

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