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Cocoa Beach: Der Sturm soll bedrohlich nahe an der Küste vorbeiziehen.

„Dorian“

Hurrikan „Dorian“: Einer hat die Ruhe weg

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Während die Menschen an Teilen der US-Ostküste Verwüstung und Chaos durch „Dorian“ fürchten, zeigt sich der Präsident eher unbeteiligt. Sein Golf-Spiel unterbricht Trump lediglich für ein paar aggressive Tweets.

Die Stimme des Politikers klang eindringlich. „Warten Sie nicht! Jetzt ist der Zeitpunkt, Häuser in gefährdeten Regionen zu verlassen“, mahnte Rick Scott, der republikanische Senator von Florida, am Montag beim Fernsehsender CNN. Selbst wenn der gefährliche Hurrikan „Dorian“ nicht direkt auf die amerikanische Küste treffen sollte, drohten meterhohe Sturmfluten: „Wenn die in ihr Haus eindringen, werden Sie das nicht überleben.“

Mit Zwangsevakuierungen, improvisierten Schutzwällen und Hamsterkäufen bereiten sich die Behörden und die Bewohner entlang der Ostküste der USA auf die drohende Verwüstung durch den heftigen Sturm vor. Auf den Bahamas hatte er mit Geschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern schließlich gewaltige Schäden verursacht und mehrere Menschenleben gefordert hat.

Zwar wurde der Hurrikan inzwischen von der höchsten Kategorie 5 auf die Kategorie 4 herabgestuft und soll nach den jüngsten Prognosen an der Küste von Florida abdrehen und über dem Meer entlang der Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina bis zum Ende der Woche nordwärts abziehen. Doch wird sein Pfad nach Einschätzung des Nationalen Hurrikan Centers immer noch gefährlich nahe am Land vorbeiführen und heftige Regenfälle und Sturmfluten auslösen. Bereits „geringste Abweichungen“ vom Kurs könnten noch deutlich schlimmere Schäden verursachen.

Erste Videoaufnahmen von den Bahamas, die am amerikanischen Montagabend ausgestrahlt wurden, vermittelten einen Eindruck von der Gefahr. Die Bilder zeigen überflutete und abgedeckte Häuser, zerstörte Autos und umgeknickte Bäume. Nach Angaben von Ministerpräsident Hubert Minnis sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Weil Straßen überflutet, der Strom teilweise ausgefallen und einige Regionen nicht zu erreichen sind, lässt sich das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe allerdings noch nicht abschätzen.

Während alleine im US-Bundesstaat South Carolina rund 800 000 Einwohner auf behördliche Anordnung vorsorglich ihre küstennahmen Häuser räumen mussten, zeigte sich US-Präsident Trump über das durch den Labor Day am Montag verlängerte Wochenende merkwürdig unbeteiligt an der dramatischen Entwicklung.

Zwar hatte er am Donnerstag eindringlich vor dem Hurrikan gewarnt: „Es sieht so aus, als wenn es ein absolutes Monster sein könnte.“ Auch hatte er eigens seinen seit langem für Sonntag und Montag geplanten Staatsbesuch in Polen abgesagt, um in der gefährlichen Lage zu Hause vor Ort sein zu können. Dann brach er jedoch am Freitag zu seinem Landsitz in Camp David auf.

Am Montagmorgen verschickte er per Twitter zunächst die aktuellen Warnhinweise des Hurrikan-Zentrums, um dann in mehreren Tweets die „New York Times“, die „Washington Post“ und Gewerkschaftschef Richard Trumka zu attackieren, die ihn aus unterschiedlichen Gründen kritisiert hatten. Anschließend ließ sich der Präsident zu seinem privaten Golfplatz in Virginia fahren.

Am Abend meldete er sich wieder bei Twitter und beschwerte sich über einen ABC-Korrespondenten, der berichtet hatte, dass Trump fälschlich vor Hurrikan-Gefahren im Bundesstaat Alabama warnte und dafür ausdrücklichen Widerspruch vom Nationalen Wetterdienst geerntet hatte.

Es war nicht die einzige befremdliche Äußerung des Präsidenten. Am Sonntag hatte er vor laufenden Kameras voller Respekt die gewaltige Kraft des Hurrikans beschrieben: „Kategorie 5 ist etwas, dass … uh … Ich glaube nicht, dass ich den Begriff jemals vorher gehört habe.“ Tatsächlich hat Trump in seiner Amtszeit schon drei Kategorie-5-Hurrikans erlebt. Jedes Mal erklärte er, eine solche Naturkatastrophe sei ihm zuvor unbekannt gewesen.

In der US-amerikanischen Öffentlichkeit dürfte genau beobachtet werden, wie sich Trump in den nächsten Tagen verhält. Bei früheren Krisen hatte der Präsident mehrfach mangelnde Teilnahme und fehlendes Einfühlungsvermögen bewiesen. So pöbelte er während des verheerenden Hurrikans „Maria“ 2017 vor allem gegen die Politiker in dem US-Außengebiet.

Bei einem späteren Besuch in dem Katastrophengebiet brüstete er sich vor allem damit, dass er bei der Bevölkerung sehr beliebt sei. In einem Zentrum für Hilfsgüter warf er Küchenrollen in die Menge und erklärte schließlich: „Das ist eine tolle Reise. Euer Wetter ist so gut wie nirgendwo sonst, aber hin und wieder erwischt es euch.“

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